Harster presst mobil Apfelsaft und stellt Apfelwein her

Das schmeckt: Frischen, noch warmen Saft aus der Apfelpresse kann man bei Heiko Rubbert aus Harste genießen. Foto: Mühlhausen

Harste. Es ist Apfel-Saison: Für Leute, die mehr Äpfel ernten, als sie essen, einkochen oder einlagern können, gibt es immer mehr mobile Saftpressen in Südniedersachsen. Und Seminare, wie aus Äpfeln Wein wird.

Vor drei Jahren hat auch Heiko Rubbert aus Harste in solch eine Presse mit integrierten Erhitzungsanlage investiert. Der Kunde bringt seine Äpfel und erhält innerhalb kürzester Zeit den Saft seiner eigenen Früchte im Karton mit Fünf- oder Zehn-Liter-Folienschlauch. Einmal pasteurisiert ist er mehr als ein Jahr haltbar, ein angebrochener Karton bei kühler Lagerung für mehrere Wochen.

In der alten Gärtnerei, die sein Urgroßvater 1907 gegründet hat, gibt der gelernte Gärtner Heiko Rubbert jetzt in Seminaren auch sein Wissen weiter, wie man Apfelwein herstellt.

Die Fertigung dieser hessischen Spezialität ist gar nicht so schwierig. „Man braucht ein paar spezielle Kunststoffgärfässer mit Abfüllhahn und Gäraufsatz, etwas Kaltgärhefe, Hefe-Nährsalz sowie eventuell Schwefel, um Sauerstoff zu binden und unerwünschte Mikroorganismen abzutöten – und natürlich Geduld“, sagt Rubbert. Die Verwendung von Zucker gilt bei Apfelwein-Kennern als verpönt, ergänzt er: „Der Zucker muss aus dem Apfel kommen.“

Wichtig sei, gesundes und reifes Obst zu pressen. Gemischtes Obst aus Streuobstbeständen ergebe ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zucker und Säure. Zusätzliche Säure könne die Zugabe von Speierlingsfrüchten sowie Wildapfel und Wildbirne bringen. Rubbert betont auch, dass man schnell und sauber arbeiten müsse, denn schon nach der Ernte beginnen die ersten Abbauprozesse: Hefen, Fäulnispilze und Essigbakterien könnten die Gärung negativ beeinflussen.

Ist der Saft ins Gärfass gegeben worden, sorgt eine Kaltgärhefe als Starterkultur dafür, dass die Gärung in die gewünschte Richtung läuft. Täglich muss das Fass mit Inhalt aufgeschüttelt und bei 15 bis 20 Grad dunkel gelagert werden. Die Gärung kommt in Gang, wenn es blubbert und schäumt.

Sehr bald nach dem Ansetzen bis weit in die zweite Woche hinein entwickelt sich der leckere „Rauscher“ – so heißt der Federweiße beim Apfelwein, der auch im Seminar reichlich verkostet wird.

Nach zwei Wochen wird der Federweiße ungenießbar und schmeckt sauer und nach Hefe. Das Gebräu muss dann weiter gären, täglich aufgeschüttelt werden, ehe dann nach fünf bis sechs Wochen der Apfelwein fertig ist und in ein kleineres Fass abgefüllt werden kann.

Von Christian Mühlhausen

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