Mammutverfahren

Auftakt zu Prozess um mutmaßlichen Anlagebetrug: Angeklagte schweigen

Das Bürgerhaus in Bovenden: Wegen der vielen Prozessbeteiligten hat das Landgericht Göttingen den Verhandlungsort dorthin verlegt.
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Das Bürgerhaus in Bovenden: Wegen der vielen Prozessbeteiligten hat das Landgericht Göttingen den Verhandlungsort dorthin verlegt.

Die fünf Angeklagten im Prozess um einen mutmaßlichen Betrug von Anlegern eines Offshore-Windparks und eines Biomassekraftwerkes haben am ersten Verhandlungstag (05.10.2021) zu den Vorwürfen geschwiegen.

Bovenden / Göttingen –Ein aus Oldenburg stammender Unternehmensberater, ein Steuerberater aus Wien, ein in London geborener Banker mit britischer und ungarischer Staatsbürgerschaft, ein Forstwirt aus dem Landkreis Hildesheim und ein Rechtsanwalt aus Göttingen: Fünf Männer mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund müssen sich seit Dienstag vor der großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Göttingen verantworten.

Die Angeklagten gaben zu Prozessbeginn keine Einlassung ab.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Braunschweig sollen sie als frühere Verantwortliche des Göttinger Unternehmens EEV Erneuerbare Energieversorgung AG fast 2000 Anleger betrogen haben. Aus prozessökonomischen Gründen hat die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte allerdings nur etwa 680 Fälle in die Anklage aufgenommen.

Die Strafverfolgungsbehörde wirft den zwischen 53 und 66 Jahre alten Angeklagten Betrug im besonders schweren Fall, Kapitalanlagebetrug, Verstoß gegen das Gesetz über das Kreditwesen sowie Untreue vor. Durch diese Taten, die zwischen Oktober 2012 und August 2014 begangen worden seien, hätten sie einen Schaden von mindestens 6,4 Millionen Euro verursacht. Insgesamt sollen bei der EEV Anlegergelder von rund 26 Millionen Euro versickert sein.

Der Mammutprozess findet im Bürgerhaus in Bovenden statt, da es im Landgericht Göttingen keinen ausreichend großen Sitzungssaal gibt. Das Gericht hat aktuell Verhandlungstermine bis Dezember 2022 angesetzt. Um zu verhindern, dass der sich monatelang hinziehende Prozess vorzeitig platzen könnte, nehmen außer den regulären Kammermitgliedern auch noch eine Ersatzrichterin und zwei Ersatzschöffen an der Verhandlung teil. Den fünf Angeklagten stehen jeweils zwei Verteidiger zur Seite, auch die Staatsanwaltschaft ist mit zwei Vertretern vor Ort.

Prozessauftakt: Das Verfahren um mutmaßlichen Anlagebetrug, das im Bürgerhaus in Bovenden, wird voraussichtlich mehrere Monate dauern.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft waren die Angeklagten – mit Ausnahme des Göttinger Rechtsanwalts – formelle oder faktische Organmitglieder der Gesellschaft.

Der Anwalt des Unternehmensberaters verwies in einer Verteidigererklärung darauf, dass sich die EEV bei ihren Projekten von Experten und Großkanzleien habe beraten lassen. Er warf der Staatsanwaltschaft vor, entlastende Aspekte nicht berücksichtigt zu haben. Die Anklage beruhe im Wesentlichen auf den Vorwürfen eines Anzeigeerstatters. Der Anwalt des Steuerberaters erklärte, dass es keine Anhaltspunkte für ein strafbares Handeln seines Mandanten gebe. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. (Heidi Niemann)

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