Gedenken an Verstorbene

Mit Laternen und Kerzen zu den Gräbern unter den Bäumen

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Mit Lichtern zum Friedwald wandern: In der Nähe der Burg Plesse schauen sich Sina (von links) und Großmutter Helga Cebulla, Nico und Antje Schmidt das Baumgrab eines Angehörigen an.

Bovenden. 80 Menschen sind am Totensonntag mit selbstgebastelten oder gekauften Laternen durch den Friedwald Plesse gewandert und haben so den Verstorbenen gedacht.

Viele nutzen den Gang durch den Bestattungswald, um an dem Baum eines geliebten Menschen innezuhalten, sagt FriedWald-Försterin Brigitte Lux.

„Ich weiß, dass ich irgendwann auch hier liegen werde“, ist sich Helga Cebulla (70) sicher. Mit ihrer Tochter Anja Schmidt und den Enkeln Sina und Nico ist die Hetjershäuserin zu der Lichterwanderung gekommen. Im August wurde ihr Mann hier begraben. „Wir wollten eine Weltreise machen“, erzählt sie. Doch eine unheilbare Krankheit habe ihr ihren Mann genommen.

Für die Dauer von 99 Jahren habe sie die Grabstätte im Friedwald erworben, sagt Cebulla. Auch um ihren Kindern die Grabpflege zu ersparen, sei die Entscheidung dafür gefallen. Und aus ihrem Fenster in Hetjershausen könne sie die Plesse sehen.

Ihre Enkeltochter habe eine Rede gehalten, bei der alle weinen mussten, erinnert sich die Witwe an die Bestattung ihres Mannes. An dessen Geburtstag im Dezember will sie mit Familie herkommen und mit Glühwein und Keksen auf dem Spielplatz feiern. Und auch Cebulla geht vom Weg ab, um das Grab ihres Mannes zu besuchen. Mit ihrer Tochter und zwei Enkeln hält sie eine kurze Weile dort inne. Wie die anderen wärmt sie sich danach am Lagerfeuer auf dem Abenteuerspielplatz.

Dort geht die dritte Lichterwanderung zu Ende. Die Wanderungs-Teilnehmerin Bianca Koch ist jetzt schon sicher, dass sie ihre letzte Ruhe nahe der Plesse finden will. Ihre Tochter glaubt ebenfalls, dass das auch für sie später die richtige Wahl ist. Und Antje Schmidt verabredet mit ihrer Mutter, dass sie die Lichterwanderung im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder mitmachen wollen.

Eine Bestattung in der Natur

Bei einem Bestattungs- oder auch Friedwald handelt es sich um eine Waldfläche, in der eine Beisetzung von Totenasche möglich ist. Die im Boden eingelassenen Graburnen sind biologisch abbaubar. Oft ist eine Grabpflege nicht erwünscht oder sogar verboten. Das Waldstück soll naturbelassen bleiben, daher gibt es dort keine Kerzen, Gestecke und Grabsteine.

Bereits zu Lebzeiten kann man sich einen Beisetzungsbaum aussuchen. Möglich sind Einzel- oder Partner-Bäume, aber auch Familien- oder Freundeskreis-Gräber mit insgesamt zehn Plätzen mit 10, 30 oder sogar 99 Jahre Ruhezeit. Friedwälder sind in der Regel unabhängig von Konfessionen. Eine Bestattung in dem Mischwald ist nur möglich, wenn man vorab einer Einäscherung zustimmt.

Im 48 Hektar großen Friedwald Plesse machen Namensschilder auf die Grabstätte aufmerksam. Für Beisetzungen und Gedenkfeiern gibt es einen Andachtsplatz.

Friedwald Plesse

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