Vom Basis- bis zum Partnerschaftsbaum

Grabplatzsuche: Führung durch den FriedWald Burg Plesse

Mustergrab im FriedWald: Försterin Dorothee Borkamm stellt die biologisch abbaubare Urne auf die mit Efeu geschmückte Baumscheibe, die das Grab abdeckt. Foto: Papenheim
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Mustergrab im FriedWald: Försterin Dorothee Borkamm stellt die biologisch abbaubare Urne auf die mit Efeu geschmückte Baumscheibe, die das Grab abdeckt.

Bovenden. Die Suche nach einem Grabplatz ist meistens eine ernste Angelegenheit: Ein Angehöriger ist gerade verstorben und die Hinterbliebenen sind in tiefer Trauer. Es geht auch anders, wie die Führungen durch den FriedWald Burg Plesse zeigen.

An einem sonnigen Tag spazieren mehrere hundert Menschen in lockerer Atmosphäre durch die Natur, um sich den Baum auszusuchen, an dem sie einst ihre letzte Ruhe finden werden. An diesem Tag haben sich 300 Interessenten angemeldet, die zu drei verschiedenen Zeiten in jeweils vier Gruppen den Friedwald kennenlernen. wollen. In der Gruppe von Försterin Dorothee Borkamm sind die meisten mindestens 50 Jahre alt, einige über 80. Doch neben einer 76-Jährigen mit Rollator ist auch eine 20-jährige Studentin aus Babenhausen ihrem Chihuahua dabei, die sich im Auftrag ihrer Eltern über das FriedWald-Konzept informieren will. Ein junges Ehepaar hat Tochter Lotta (2) im Buggy und Boxermischling Leo an der Leine.

Mit ihrem Hund Lützow an der Leine geht Borkamm voran zur ersten Esche mit einem blauen Band. An diesem Einzel-, Familien- oder Freundschaftsbaum können bis zu zehn Urnen beigesetzt werden. Der Preis der sich nach Baumart und -umfang in Brusthöhe richtet, wird diskret mit einer farbigen Plakette angezeigt.

Wer sich welchen Baum aussucht, ist individuell völlig unterschiedlich, erzählt Borkamm. Ein Sonnenmensch sucht keinen Schattenbaum, ein alter, beleibter Mensch keinen dünnstämmigen Jungbaum: „Jeder Baum hat seinen Charakter. So wie das Leben.“ Die einen suchen sich „ihren“ Baum zu Lebzeiten aus, andere erst nach dem ersten Todesfall in der Familie.

Die Rentnerin mit dem Rollator entschuldigt sich, dass sie auf dem leicht holprigen Waldweg nicht so schnell hinterher kommt. Und Borkamm entschuldigt sich im Gegenzug, dass sie ein zu hohes Tempo vorgelegt hat und gelobt Besserung.

Fotos vom Friedwald

Grabplatzsuche im FriedWald Burg Plesse

Grabplatzsuche im FriedWald Burg Plesse
Grabplatzsuche im FriedWald Burg Plesse © Papenheim
Grabplatzsuche im FriedWald Burg Plesse
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Grabplatzsuche im FriedWald Burg Plesse
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Grabplatzsuche im FriedWald Burg Plesse
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Grabplatzsuche im FriedWald Burg Plesse © Papenheim

Unter dem frischen Grün der Buchen und vorbei an einzelnen Linden und Kiefern, Eiben und Ahornbäumen, geht es weiter zu einer Buche mit rotem Band. So einen Partnerschaftsbaum gibt es ab 2700 Euro für zwei Urnen. Jeder weitere Grabplatz kostet 500 Euro extra.

Grabschmuck ist nicht erlaubt, macht Borkamm klar. Weder Grablichter noch Blumen, nicht einmal Blütenblätter. Denn die Grabpflege übernimmt im FriedWald die Natur und die soll nicht durch Dinge gestört werden, die nicht hierher gehören.

Einzige Ausnahme ist die Beisetzungsfeier, wie die Försterin an einem Mustergrab schildert. Die hölzerne Urne, die sich innerhalb weniger Jahre an der Baumwurzel zersetzt, steht zusammen mit einem weißen Grablicht auf einer mit Efeu geschmückten Baumscheibe. Sämtliches Zubehör muss anschließend entfernt werden. Zurück bleibt nur die Urne unter einem Teppich aus Laub oder Nadeln.

Trauerfeier im FriedWald ohne Vorgaben

Für die Trauerfeier im FriedWald gibt es lediglich den Rat, auf passende Kleidung, vor allem auf festes Schuhwerk zu achten. Denn bei einer Beisetzung im Winter können die Waldwege matschig, tief verschneit oder vereist sein. Ansonsten gibt es keine Vorgaben: Mit oder ohne Pastor, im engsten Familienkreis oder in großer Runde, in aller Stille oder mit Musik, Dudelsackpfeifen oder Blasmusik, Gitarrenklänge oder Gesang. Am schönsten fand Försterin Dorothee Borkamm, als ein Sohn seinem verstorbenen Vater mit Waldhornklängen die letzte Ehre erwies.

Auch Haustiere dürfen mit zur Trauerfeier, selbst wenn ein Hund mal an einen Baum pinkelt. Das ist eben Natur. Falls ein Baum vom Blitz getroffen wird oder aus anderen Gründen eingeht, wird er durch einen neuen ersetzt. An Totholz vorbei zieht die Gruppe der Grabplatzsucher weiter zu einem Gemeinschaftsbaum mit gelbem Band, gewissermaßen das Reihengrab im FriedWald. Wie alle anderen Bäume ist sein Standort exakt eingemessen. Damit Besucher ihn finden, gibt es eine Waldkarte mit allen Baumnummern im Internet oder auf Papier. An einem Gemeinschaftsbaum werden bis zu zehn Urnen fremder Menschen zum Vorzugspreis beigesetzt. Die Namen werden auf einer Aluminiumtafel aufgeführt. Anonyme Bestattungen sind aber auch zulässig.

Noch billiger geht es nur am Basisbaum (ab 490 Euro), wo die Ruhezeit nur 20 Jahre beträgt. Das ist so etwas wie ein Sozialgrab im Wald. Alle anderen Urnengräber bleiben bestehen, so lange der Vertrag für den FriedWald an der Plesse läuft: Bis 2109. Dann können die Niedersächsischen Staatsforsten als Eigentümerin die 48 Hektar an der Plesse wieder als Wirtschaftswald nutzen. Die Asche der Verstorbenen wird dann längst in der Natur aufgegangen sein. So weit ist es längst noch nicht. Zum Abschluss der Waldführung gibt es erst einmal Kaffee und Kuchen. In lockerer Runde wird diskutiert, wer an welchem Baum seine letzte Ruhestätte finden will. Offen bleibt nur, wann. (p) Waldführungen am FriedWald Burg Plesse an zwei Samstagen im Monat jeweils ab 14 Uhr.

Termine 2013: 25.5., 8.6., 22.6., 13.7., 27.7.,10.8., 24.8., 7.9., 21.9., 12.10., 26.10., 9.11., 23.11., 14.12.

Hintergrund

Über 30.000 Gräber auf 48 Hektar An der Burg Plesse bei Bovenden befindet sich einer von 44 FriedWäldern der FriedWald GmbH in Griesheim, die für die Vermarktung und Verwaltung zuständig ist. Kontakt: www.friedwald.de, Telefon 06155-848-100. Der FriedWald Burg Plesse gehört den Niedersächsischen Staatsforsten.

Bei durchschnittlich 5,5 Urnen je Baum und 120 Bäumen je Hektar sind auf 48 Hektar Fläche mehr als 30.000 Bestattungen möglich. Die Ruhezeit endet am 31.12.2109. Zur Auswahl stehen Ahorn, Buche, Esche und Kiefer. Der Preis je Baum liegt zwischen 3350 und 6350 Euro. Dazu kommen 275 Euro für Urne und Beisetzung.

An Familien- und Freundschaftsbäumen können bis zu zehn Urnen beigesetzt werden. Ein Platz an einem Gemeinschaftsbaum kostet 770 Euro, am Basisbaum 490 Euro. Es gibt Partnerschaftsbäume für zwei Urnen ab 2700 Euro und 500 Euro für jede weitere Urne. (p)

Von Christoph Papenheim

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