Zwischen Sushi und Apfelkuchen

Göttinger Gastfreunde zeigen den deutschen Alltag

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Treffen bei den Gastfreunden: Ashkan Nekoueian und Xuan Shu (rechts) besuchen Annegret Lüdecke.

Bovenden. Die Göttinger Gastfreunde laden Studierende aus dem Ausland dazu ein, mit ihnen den Alltag in Deutschland kennenzulernen. So kam es jüngst zu einem Treffen bei Sushi und Apfelkuchen.

Auf dem Tisch stehen die Zutaten für Sushi und ein fertiger Apfelkuchen. Xuan Shu und Annegret Lüdecke sind die Köche. Die Bovenderin Lüdecke hat den Kuchen gebacken. Xuan Shu aus China macht die Reis-Röllchen fertig.

Leben kennenlernen 

Apfelkuchen und Sushi, das trifft die Idee, die die Göttinger Gastfreunde verfolgen: Die Studierenden aus vielen fremden Ländern sollen das deutsche Leben besser kennenlernen. Ashkan aus Teheran, ebenfalls an der Uni, ist an diesem Tag dabei. „Wenn die beiden Zeit haben, kommen sie auf einen Kaffee oder Tee vorbei“, erzählt Annegret Lüdecke. Diesmal wollte Xuan etwas kochen. Und Ashkan Nekoueian wie Annegret und Rainer Lüdecke lernen, wie man Sushi-Röllchen zubereitet.

Sportwissenschaften 

Xuan studiert Sportwissenschaften. Sie ist schon seit drei Jahren in Deutschland. Das erste Jahr hat sie in Köln verbracht, dann ist sie nach Göttingen gekommen und hat eine Ein-Zimmer-Wohnung gefunden. Mit ihrem Master ist sie fast fertig. Ende November will sie zurück nach China. In Peking hat sie eine Stelle als Rehabilitationstherapeutin in einem Krankenhaus bekommen.

Mehrere Stationen 

Seit fünf Jahren lebt Ashkan in Deutschland. 2013 kam er nach Göttingen. Dort hat er ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Vom Studium der Biologie wechselte er zu Politikwissenschaften, außerdem studiert er Orientalistik. Geld verdient er als Fotograf und Dolmetscher für verschiedene Organisationen wie Amnesty International oder Unicef.

Thema Weihnachten 

„Weihnachten in der Kirche war sehr eindrucksvoll“, sagt Ashkan. Er hat das christliche Fest bei den Lüdeckes mitgefeiert. Xuan Shu nutzte die freie Zeit für eine Reise nach Island. Denn wer weiß, wann sie nach ihrem Arbeitsbeginn wieder nach Europa kommen werde, erklärt sie. Bei Weihnachtsmärkten mit Bratwurst und Glühwein oder Dorffesten waren beide. Bei den Lüdeckes haben sie miterlebt, wie in Deutschland Geburtstage gefeiert werden.

Feste Termine 

Für die gemeinsamen Vorhaben gibt es laut Lüdecke keine festen Termine: „Die Treffen sind dann, wenn der Gastfreund Zeit hat.“ Weitere Aktionen in Göttingen und im Umland würden vom Verein aus angeboten. Die so gewachsenen Verbindungen zu den Gästen überdauerten oft ihre Studienzeit in Deutschland. Annegret Lüdecke erzählt von Gasteltern, die auf diese Weise den Iran bereisten. Die Lüdeckes aus Bovenden zeigen: Gastfreunde müssen nicht in Göttingen wohnen. Sie wissen, dass auch Menschen aus Duderstadt oder Adelebsen dabei sind. Und die Gastfreunde könnten den Studierenden auch hin und wieder bei Behördengängen helfen.

Große Bereicherung 

„Ich möchte euch nicht mehr missen“, versichert die Bovenderin Shuan und Ashkan. „Ihr seid eine große Bereicherung für uns.“ Denn nicht nur den Studierenden wird der Blick in deutsche Wohnzimmer geöffnet. Auch die Gastfreunde können über sie Einblicke in fremde Länder erhaschen. „Ihr seid unsere deutsche Familie“, sagt Ashkan. „In letzter Zeit wisst ihr mehr von mir als mein Papa.“ Und weiter geht’s mit Sushi und Apfelkuchen. (zul)

Hintergrund 

Die Göttinger Gastfreunde sind eine Initiative von Göttinger Bürgern für Studierende aus aller Welt. Die Göttinger möchten den jungen Menschen aus dem Ausland den Alltag außerhalb der Universität präsentieren.

In dieser Form sei der Zusammenschluss in Niedersachsen wohl einzigartig, meint die Vorsitzende Daniela Ramb, die den Verein 2012 mit begründete. Mehr als 300 Interessenten aus rund 60 verschiedenen Nationen hätten sich in den vergangenen vier Jahren übers Internet bei den Gastfreunden gemeldet, etwa 65 Göttinger machten mit, zieht Ramb eine Zwischenbilanz. Und gerade jetzt zu Semesterbeginn seien einige „Neue“ auf der Suche nach „Paten“.

An jedem zweiten Dienstag im Monat (nicht in der vorlesungsfreien Zeit) ist Stammtisch - um 19 Uhr im Zentrum der Katholischen Hochschulgemeinde (khg), Kurze Str. 13. Der nächste Stammtisch am Dienstag, 8. November, richtet sich insbesondere an Gastfreunde und Gäste, die gern gemeinsam oder allein musizieren oder einfach nur zuhören wollen. Anmeldungen (gern unter Angabe des beherrschten Instruments) nimmt der Verein unter info@goettinger-gastfreunde.de entgegen.

Wer bei den Gastfreunden dabei sein möchte, kann sich auf der Homepage anmelden. Mit den Angaben, die die Studierenden und die neuen Gastfreunde - Frauen, Männer, Familien, Senioren - dort machen, bringt der Verein sie zueinander; Gastfreunde können mehrere Studierende betreuen. Wenn sich herausstellt, dass eine Paarung nicht passt, sucht der Verein nach einer neuen Verbindung.

www.goettinger-gastfreunde.de

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