Neujahrsempfang Bovenden

Bürgermeister Brandes sorgt sich um Zusammenhalt und lobt Ehrenamtliche

Toll besucht: Der Neujahrsempfang der Gemeinde Bovenden im voll besetzten Bürgerhaus am Samstagnachmittag. Bürgermeister Thomas Brandes freute sich über den Andrang. Foto: Per Schröter

Traditionell sehr gut besucht präsentierte sich am Samstag der Neujahrsempfang des Flecken Bovenden.

Traditionell sehr gut besucht präsentierte sich am Samstagnachmittag der Neujahrsempfang des Flecken Bovenden. Mehr als 400 Gäste – darunter zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie von Vereinen und Verbänden – waren ins Bürgerhaus gekommen, um Bürgermeister Thomas Brandes die Hand zu schütteln, sich seine Gedanken zum zurückliegenden sowie zum neuen Jahr anzuhören und anschließenden in geselliger Runde angeregte Gespräche zu führen.

Kritische Worte: Bürgermeister Thomas Brandes bei seiner Neujahrsrede im Bürgerhaus.

Neujahrsrede von Brandes

In seiner Neujahrsrede schlug Brandes zunächst nachdenkliche Töne an. „Haben Sie sich im vergangenen Jahr auch des Öfteren gefragt, in was für einer Welt wir eigentlich leben?“, fragte er ins Publikum. Da sei ein Donald Trump, der als US-Präsident im Weltgeschehen umher stolpere und außenpolitisch verheerendes Chaos verbreite. Da sei das Hickhack um den Brexit gewesen, über den nach der Wahl von Boris Johnsen zum Premierminister nun zumindest Klarheit herrsche. „Wobei der Weg zurück zum Nationalismus das Produkt einer populistischen Politik und deshalb falsch ist“, sagte Brandes. 

Menschenrechte

Da sei das Missachten von Menschenrechten gewesen, als im Sommer die deutsche Kapitänin Carola Rackete hunderte auf der Flucht befindliche Menschen aus dem Mittelmeer gerettet hatte und ihr tagelang unter Androhung von Strafe die Einfahrt in einen Hafen verweigert wurde. „Wie weit sind wir gekommen, dass selbstverständliche humanitäre Hilfeleistungen für in Not befindliche Menschen ein Verbrechen darstellen?“, so die berechtigte Frage des Bürgermeisters. „Es gab vieles, worüber wir den Kopf geschüttelt haben“, sagte Brandes und erntete zustimmendes Gemurmel.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Sorge bereite dem Bürgermeister auch der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland. „Der Ton, insbesondere in den sozialen Medien, ist rauer geworden“, sagte er. Angriffe auf Rettungskräfte, aber auch auf würden Politiker zunehmen. „Auch in Bovenden mussten wir in Politik und Verwaltung diese Erfahrung machen“, bedauerte Brandes.

Neujahrsempfang Bovenden: Geehrte Bürgerinnen und Bürger am Samstag nach der Belobigung im Bürgerhaus. Ausgezeichnet wurde Vorlese- und Lernpaten (vorn im Bild) sowie die Ortsheimatpflegers des Fleckens Bovenden (hinten).

Schmähungen und Drohungen

Als 2019 in den politischen Gremien über einen Aufstellungsbeschluss zur Änderung eines Bebauungsplanes diskutiert werden sollte, hätten Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter Briefe und E-Mails bekommen, wo ihnen offen unterstellt wurde, Geld dafür bekommen zu haben, um im Sinne eines Investors zu entscheiden. „Alle, die hier in den Ortsräten und im Gemeinderat ehrenamtlich tätig sind, leben hier, haben hier Freunde, gehen hier zum Sport oder betätigen sich in Vereinen“, sagte er.

Dank für Einsatz

„Die politisch Engagierten haben doch gar kein Interesse daran, Entscheidungen zulasten ihres unmittelbaren Umfeldes zu treffen.“ Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. Da es schwierig sei, gegen solche Vorwürfe öffentlich vorzugehen, sei es ihm wichtig, „an dieser Stelle Allen, die sich in der Kommunalpolitik ehrenamtlich engagieren, meinen Respekt auszudrücken“. Brandes bedankte sich für Ihren Einsatz und forderte sie auf, sich nicht entmutigen zu lassen. 

Ehrungen

Wie bei jedem Neujahrsempfang wurden auch diesmal zahlreiche Menschen von der Gemeinde und den Gemeindewerken Bovenden geehrt.

Für ihr „besonderes und wichtiges Engagement“ zeichnete Bürgermeister Thomas Brandes die Ortheimatpfleger Udo Lange-Hesse, Bernd Mattner, Jürgen Becker, Hartmut Wolff, Heinrich Hardege, Fritz Wollny, Ulrich Klingelhöfer und Horst-Günther Bothmann aus. Ebenfalls mit einer Urkunde geehrt wurden die Vorlesepatinnen und -paten Ursula Huth, Sigrid Andre, Jutta Böcker, Dr. Irmela Bütefisch, Ehrentraud Werner, Manfred Mälzer und Roswitha Streich sowie die Lernpaten Bernd Riethig, Jost Degenhardt und Rainer Mönks.

Ihnen allen dankte der Bürgermeister Thomas Brandes ebenso für ihr „großes soziales und ehrenamtliche Engagement“ wie den zahlreichen in den Freiwilligen Feuerwehren, den Vereinen und Organisationen engagierten Bürgerinnen und Bürgern. „die unseren Flecken Bovenden so lebendig halten, wie wir ihn kennen und schätzen“.

Erfolge in Bovenden

Was die Entwicklung anging, war 2019 für den Flecken Bovenden erneut ein Gutes Jahr. Nachdem die die Kinderzahlen durch Geburten und Zuzüge weiter angestiegen sind, sei die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder zwischen ein- und drei Jahren rasant angestiegen.

„Der Flecken Bovenden hat in den letzten Jahren einen erheblichen finanziellen Kraftakt gestemmt, um die heutigen Bedürfnisse der Familien nach einer ortsnahen Kleinkindbetreuung erfüllen zu können und ihnen so ein möglichst sorgenfreies Umfeld zu schaffen“, sagte Thomas Brandes. Wichtige und durchweg gute familienpolitische Entscheidungen hätten Bovenden kreisweit an die Spitze der Kleinkindbetreuung gebracht.

In die Zukunft gerichtet sei auch die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes, der die Grundlage der städtebaulichen Entwicklung des Flecken Bovenden für die nächsten 20 Jahre bilde. „Als Gemeinde mit einer sehr guten Infrastruktur in der unmittelbaren Nähe zur Universitätsstadt Göttingen und der hervorragenden verkehrlichen Anbindung in alle Himmelsrichtungen können und sollten wir uns einer maßvollen Entwicklung nicht

verschließen“, so Brandes. Gleichzeitig gelte es, gewachsene Strukturen der Orte zu bewahren. Neben dem Flächennutzungsplan habe der Gemeinderat auch Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs und zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum geschaffen.

(per)

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