Ben Salomo klärt auf

Thema Antisemitismus: Wenn ein Rapper in die Schule nach Bovenden kommt

Auf ein gutes Zusammenleben – ohne Judenhass: Die Schüler der zehnten Klasse der IGS Bovenden haben den Rapper Ben Salomo mit offenen Armen empfangen.
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Auf ein gutes Zusammenleben – ohne Judenhass: Die Schüler der zehnten Klasse der IGS Bovenden haben den Rapper Ben Salomo mit offenen Armen empfangen.

Der Rapper Ben Salomo (44) berichtete im Schulunterricht anderthalb Stunden über das Thema Antisemitismus. 140 Schüler hörten ihm zu.

Bovenden – Wer will aufs Foto? Das ist für die Schüler des zehnten Jahrgangs der IGS Bovenden ein Angebot, das sie nach diesem spannenden Vortrag gerne annehmen.

Salomo ist selbst Jude, als Sohn israelischer Eltern in Berlin aufgewachsen und hat schon von Kindheit an schlimme Erfahrungen mit Vorurteilen und Hass machen müssen.

Er erzählt den Schülern, dass ihn mit elf Jahren sein bester Freund verprügeln wollte, als dieser erfuhr, dass er Jude ist. Daraufhin habe seine Mutter ihm geraten, das Kettchen mit dem Davidstern nicht mehr zu tragen.

Salomo wechselte zwischenzeitlich sogar die Identität – aus Schutz vor Diskriminierung. So wurde aus Janni – seinem Spitznamen, da er mit Vornamen auch Jonathan heißt – Gianni. Aus Angst wurde er Italiener.

Seit der Pubertät steht Salomo jedoch zu seinem Glauben. Doch in seiner Branche, dem deutschen Hip-Hop, fühlte er sich nicht akzeptiert. Dabei ist er ein Urgestein, hat das Battle-Rap-Format „Rap am Mittwoch“ gegründet und Talente wie Capital Bra und den Göttinger Karate Andi gefördert. All das endete 2018.

„Ich konnte da nicht weitermachen“, sagt Salomo rückblickend. Der Grund: „Antisemismus ist im Deutschrap so verbreitet wie im Rechtsrock“, kritisiert er.

Seine Kritik an der Branche setzt nicht an einzelnen Songzeilen an. „Das Problem ist strukturell“, sagt er. Um dies zu untermauern, hat er den Song „Deutschrap Realtalk“ aufgenommen. Darin arbeitet er sich an der Branche ab und untermauert dies mit Quellen und Fakten in der Videobeschreibung.

Das Eklatante: Die antisemitischen Botschaften verbreiten sich über die Musik und Videos der Rapper in den Kinderzimmern. So instrumentalisiere etwa der Rapper Sadiq die Araber als Gesamtheit für seine islamistische Propaganda, sagte der Musiker.

„Der Terror wird glorifiziert“, sagt Salomo. Die Rapper tragen nach Angaben des Künstlers Schals mit Symbolen von Terrorgruppen und erreichen ein Millionenpublikum. „Was wäre, wenn deutscher Antisemitismus so offensichtlich wäre?“

Dabei sei die Rapszene nur ein Spiegel der Gesellschaft. „Antisemitismus ist das Gerücht über Juden“, hatte einmal Theodor W. Adorno über den Antisemitismus formuliert, erklärt Salomon den Schülern. Deren Hände gehen reihenweise hoch, als er sie fragt, ob sie dieses oder jenes Gerücht über Juden schon einmal gehört haben.

Salomon ist eines jedoch auch wichtig: nicht zu generalisieren, sondern zu differenzieren. Jeder Mensch habe eine Chance verdient. Keinesfalls seien alle Araber Antisemiten. In Israel würden viele sogar in die Armee eintreten, da sie der Terror stört.

An anderen Schulen habe es bei seinem Vortrag teilweise antisemitische Ausfälle, sogar von Lehrern, gegeben, erzählt Salomon. An der IGS Bovenden sind sie dagegen begeistert von seiner lockeren Art. Sie sehen in ihm ein Vorbild, posieren mit ihm vor der Handykamera. Und: Diese Energie, mit der Salomon den Raum einnimmt, werden sie nicht vergessen. (Paul Bröker)

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