Zank um den Flammenzauber

Im Weserbergland gibt es eines der ungewöhnlichsten Osterfeuer Deutschlands

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Ein Osterfeuer in Wartjenstedt im Landkreis Wolfenbüttel: Umweltschützer kritisieren die alte Tradition der Flammen zum Frühlingsanfang.

Jedes Jahr zu Ostern ziehen Rauchschwaden über Deutschland. Osterfeuer haben Tradition. Den wohl ungewöhnlichsten Osterfeuer-Brauch gibt es jedes Jahr in einem kleinen Ort bei Bad Pyrmont im Weserbergland zu beobachten.

Die Tradition der Osterfeuer ist älter als das Osterfest selbst. Bereits vor Christi Geburt wurde der Brauch zum Frühlingsanfang gepflegt. Ursprünglich zeugte er vom Erwachen der Natur: Das Feuer sollte den Winter endgültig zum Schmelzen bringen.

Der Flammenzauber ist aber auch zum Zankapfel geworden. Umweltschützer kritisieren die lieb gewonnene Tradition.

Lügder Flammenräder

Deutschlands wohl ungewöhnlichste Osterfeuer werden traditionell am Ostersonntag im Weserbergland entzündet. Riesige brennende Osterräder rasen in Lügde bei Bad Pyrmont vom 285 Meter hohen Osterberg hinunter bis ins Emmertal. Der Ort mit knapp 10 000 Einwohnern bezeichnet sich selbst als „Stadt der Osterräder“.

Die älteste erhaltene Urkunde des Brauchs stammt von 1743. Der Räderlauf dürfte aber eine ältere Tradition haben. Historiker Gerd Biegel zufolge entstammt er einem alten Volksglauben: „Richtung und Weite des Weges der Räder deuten auf das Wetter der kommenden Monate und damit auf den Ertrag der nächsten Ernte hin.“

In Lügde an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben sich die Flammenräder erhalten. Früher waren sie in vielen Gegenden Mitteleuropas verbreitet. Sie gehen vermutlich auf den heidnisch-germanischen Sonnenkult zurück, der von den Christen umgedeutet wurde. Kaiser Karl der Große soll im Jahre 784 verfügt haben, dass sie statt zu Ehren der Frühlingsgöttin Ostara für den auferstandenen Christus zu Tal poltern.

Infos zum Osterräderlauf Lügde gibt es hier.

Heidnischer Ursprung

Auch die anderen Osterfeuer-Bräuche entsprangen heidnisch-germanischen Sitten. Grundsätzlich hätten die Menschen Hoffnungen mit den Flammen verbunden. „So weit das Feuer auf dem Land reichte, so weit sollten die Felder fruchtbar werden und reiche Ernte liefern“, sagt Biegel, Professor vom Institut für Regionalgeschichte der Technischen Universität Braunschweig. Von Osterfeuern erhellte Gebäude waren der Überlieferung nach ein Jahr lang vor Unheil bewahrt und die Menschen darin vor Krankheit beschützt. Biegel: „Sogar die Asche konnte im Trinkwasser für das Vieh aufgelöst werden und es dann vor Seuchen schützen.“

Video: Der Osterräderlauf in Lügde

Der Flammenzauber zu Frühlingsbeginn wurde von den Römern übernommen. Auch die christliche Kirche griff den populären Brauch auf. Dort galt der Feuerschein nun als Symbol für den von den Toten auferstandenen Christus. „Heutzutage ist das vor allem viel Spaß für die Beteiligten, und es fördert das Gemeinschaftsleben“, erklärt Biegel.

Naturschützer warnen

Jährlich warnen Naturschutz-Organisationen, dass die vermeintlich sicheren Holz- oder Reisigverstecke für Tiere wie Wildbienen, Hasen oder Igel zum Scheiterhaufen werden. Für den Naturschutzbund Nabu sprechen noch weitere Gründe gegen die Feuer. „Eigentlich sind Buschwerk und Reisig viel zu schade, um verbrannt zu werden“, sagt Sprecher Matthias Freter. Schnittholz und Gestrüpp ließen sich verwenden, um Unterschlupf für Vögel und Kleintiere zu schaffen.

2010 befasste sich der Bundestag mit einer Petition zur „erheblichen Eindämmung der Luftverschmutzung durch Osterfeuer“. Experten des Bundesumweltamtes erklärten nach einer wissenschaftlichen Untersuchung jedoch, dass die Belastung durch Feinstaub nur kurz währe und ausreichend reglementiert sei.

Kritik hat Tradition

Auch zu früheren Zeiten habe es Gegner der Osterfeuer gegeben, sagt Historiker Biegel. So ordnete Herzog August der Jüngere 1647 an, dass alle Feiertagsgelage, bei denen Knechte und Mägde gemeinsam feierten, tranken und tanzten, verboten seien, „ingleichen die Osterfeuer sollen ganz und gar abgeschaffet werden“. (epd/ana)

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