Größte, ehrenamtlich organisierte Gedenkfahrt bundesweit

Die letzte Ausfahrt für Motorrad-Seelsorger Reinhard Arnold

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Beeindruckender Pulk: 3000 Teilnehmer kamen im vergangenen Jahr zur Gedenkfahrt. Unser Archivbild zeigt sie auf der Autobahn 395 in Braunschweg.

Braunschweig. Reinhard Arnold ist ein Seelsorger auf dem Motorrad. Er organisiert seit mehr als 30 Jahren eine jährliche Gedenkfahrt für Unfallopfer.

Die Veranstaltung mit mehreren tausend Bikern gilt als größte, ehrenamtlich organisierte Gedenkfahrt bundesweit.

Bevor er den Motorrad-Helm aufsetzt, klappt der evangelische Pastor Reinhard Arnold seinen Gehstock einfach in zwei Teile zusammen. „Sonst passt er nicht in das Gepäckfach“, sagt der 63-Jährige. Als er den Knopf für den Anlasser drückt, ertönt ein lautes Brummen. 

Bei dem Korso unter dem Motto „Stimmt die Richtung?“ am Samstag von Salzgitter nach Braunschweig werden erwartungsgemäß 5000 Teilnehmer an die Verkehrstoten erinnern. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Unfallopfer leicht gestiegen, sagt der Pastor. Seit Beginn der Gedenkfahrten haben die Biker bereits mehr als 400 tödlich verunglückter Motorradfahrer gedacht. Bis zu 16 000 Menschen kamen teilweise zu den Fahrten.

Reinhard Arnold

Vor mehr als 30 Jahren rief Arnold zunächst die sogenannte Arbeitsgemeinschaft Christlicher Motorradfahrer (acm) im Braunschweiger Land ins Leben. Anlass war der Tod eines Bikers im Nordharz und das Bedürfnis befreundeter Fahrer, um ihn zu trauern, erinnert sich der Theologe. Die Angehörigen hätten einer gemeinsamen Trauerfeier nicht zugestimmt, weil sie dem Motorradfahren indirekt mit die Schuld am Tod gaben. Aus der Arbeitsgemeinschaft entstand 1987 die erste Gedenkfahrt zunächst nach Wolfenbüttel.

Mittlerweile betreut der Seelsorger ehrenamtlich Familien von Unfallopfern in der zweiten und dritten Generation.

In 18 Ländern unterwegs

Arnold fährt aufgrund einer Erkrankung seit ein paar Jahren auf einem Trike, einem dreirädrigen Motorrad, mit. Der Pastor ist seit seiner Jugend leidenschaftlicher Motorradfahrer. Etwa eine halbe Million Kilometer hat er unfallfrei zurückgelegt. In 18 europäischen Ländern war er. Auch am Nordkap. Davon zeugen, neben vielen christlichen Symbolen, viele aufgenähte Flaggen auf seiner Jeans-Weste, die unter Bikern „Kutte“ genannt wird.

Neben der Knopfleiste angebrachte Jahresplaketten zeigen seine regelmäßige Teilnahme bei den Gedenkfahrten. Nur einmal war er gesundheitsbedingt nicht dabei. Ende des Jahres wird er aus gesundheitlichen Gründen dann in den Vorruhestand gehen, sagt Arnold. „Wir hoffen, dass es irgendwie weitergeht.“ Ein Nachfolger für das Ehrenamt in der Biker-Szene sei trotz intensiver Suche bisher nicht gefunden worden. (epd)

Hintergrund: Kreuze mit Namen der Verunglückten

Für den jährlichen Korso fertigen seit etwa zwei Jahrzehnten Berufsschüler aus Salzgitter Holzkreuze mit den Namen der Verstorbenen an. Diese werden in einer Prozession zum Gottesdienst in den Braunschweiger Dom getragen. Auch dort gibt es Biker, die seit der ersten Stunde dabei seien. Nach dem Gottesdienst bekommt jeder einen kleinen Aufkleber in Form einer TÜV-Plakette für den Helm. Er soll für alle eine Erinnerung an die Segnung und zudem eine ständige Mahnung für die Vorsicht auf der Straße sein. (epd)

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