Für lange Winterabende

Buch-Tipps zu Weihnachten aus Göttingen: Heimkehrer, Fußball und Skandale

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Eine Cola für die Heimkehrer: Im Grenzdurchgangslager erhalten Spätheimkehrer im Oktober 1955 von der Göttinger Firma Grotefend Gratis-Getränke. Sie nehmen das amerikanische Getränk nach zehnjähriger russischer Kriegsgefangenschaft gerne an. Die Fotos im Buch „Heimatlos“ stammen von Fritz Paul. Das Buch ist im Verlag Ellert & Richter erschienen. Es ist sehens- und lesenswert.

Noch kein Weihnachtsgeschenk? Dann wird jetzt knapp mit der Zeit. Aber: Ein Buch geht immer noch. Die Händler machen den Kauf – auch mit Bestellung – in einem Tag möglich. Wir haben ein paar Tipps für Bücher aus Göttingen und der Umgebung.

Tipp 1: "Heya" von Gregor Schnittker

Just hat der BVB sein erstes Bundesligaspiel der Saison verloren. Macht aber nix. Der „Die Werkstatt“ ist die Nummer im Fußball – bei den Verlagen – und hat einen Bildband, natürlich im schwarz-gelben Look, herausgebracht.

Nicht nur für BVB-Fans: „Heja!“, der Fotoband über Borussia Dortmund.

Mit „Heja“ setzt Gregor Schnittker auch besonders die Fans ins Bild, auch mit bisher unveröffentlichten Fotos. Ein toller Bildband, ein schönes Geschenk – nicht nur – für Schwarz-Gelbe. Und das sagt ein Schalker. (tko)

„Heya“, Gregor Schnittker, Die Werkstatt, 206 Seiten, 29,90 Euro.

Tipp 2: "Been down so long it looks like up to me" von Richard Fariña

Noch ein Buch mit einem gelb-schwarzen Cover, aber eines, dass sich mit seinem Stoffdeckel fantastisch anfasst. Wer macht solche Bücher? Natürlich der Göttinger Buchmacher Gerhard Steidl. Aber auch der Inhalt von „Been Down so long it looks like up to me“ ist fantastisch. Es ist der in den USA als Kult gehandelte Roman des mit 29 Jahren viel zu früh verstorbenen Richard Fariña. Das Lieblingsbuch von Doors-Legende Jim Morrison ist auch toll übersetzt. Also: Kaufen, anfassen, lesen! (tko)

„Been down so long it looks like up to me“, Richard Fariña, Steidl-Verlag, 392 Seiten, 28 Euro.

Tipp 3: "Hermann Rein und die Flugmedizin" von Katharina Trittel

Die Person Hermann Rein ist umstritten, nicht nur in Göttingen, wo er als hervorragender Mediziner und Forscher arbeitete – vor und während der Nazi-Herrschaft. Rein war kein Nazi, aber er nutzte die vom Regime gegebenen Möglichkeiten, um zu forschen, auch als einer der besten Flugmediziner Deutschlands.

Hermann Rein und die Flugmedizin.

Katharina Trittel vom Institut für Demokratieforschung in Göttingen zeichnet detailliert Leben und Wirken Reins in allen Facetten und nicht, um Beweise für die Nähe zu Nazis zu liefern. (tko)

„Hermann Rein und die Flugmedizin“, Katharina Trittel, Verlag Ferdinand Schöningh, 587 Seiten, 68 Euro.

Tipp 4: „Malva“ von Hagar Peeters

Der Dichter Pablo Neruda ist weltberühmt. Doch diese Seiten, auch die dunklen, kennen nur wenige Leser von ihm. Autorin Hagar Peeters erzählt über ihn – aus der Sicht von Nerudas Tochter Malva, die krank zur Welt kam, und um die Neruda vernachlässigte.

Wallstein-Verlag: „Malva“ von Hagar Peeters.

Ein wunderbares Buch, mit dem der Göttinger Wallstein-Verlag erneut sein Händchen für besondere Autorinnen beweist. (tko)

„Malva“, Hagar Peeters, Wallstein-Verlag, 245 Seiten, 20 Euro.

Tipp 5: „Revolution auf dem Rasen“ von Jonathan Wilson

Noch ein Fußball-Buch: Diesmal die Neuauflage eines wirklich toll geschriebenen wie recherchierten Compendiums. 

Aus der „Werkstatt“: Klassiker von Jonathan Wilson. Foto: Privat/nh

Der Untertitel von „Revolution auf dem Rasen“ ist zwar „Eine Geschichte der Fußballtaktik“, aber in eine öde fachsprachliche Beschreibung der Taktiken, die im Spiel zum Glück oft durch Zufall, Individualismus und Fehler über den Haufen geworfen werden, driftet Jonathan Wilson nicht ab. Der Leser lernt so viel über Geschichte, Regeln und geniale Kicker. (tko)

„Revolution auf dem Rasen“, Jonathan Wilson, 608 Seiten, 29,90 Euro.

Tipp 6: „Neue Typographien“ von Patrick Rössler

2019 ist Bauhaus-Jubiläum. Dazu liefert der Wallstein-Verlag eine Fundgrube für Leser und Seher, die sich für neue Typographie und deren Umsetzung in Druckwerken interessieren.

Bildband: 100 Jahre funktionales Design.

Das Buch „Neue Typograghien“ ist eine Schatztruhe, deren Öffnen auch zu einer Zeitreise einlädt – dank der Fülle zusammengetragener und exzellent ausgewählter Stücke wie Plakate, Zeitschriftencover und Prospekte. (tko)

„Neue Typographien“, Patrick Rössler, Wallstein-Verlag, 232 Seiten, 38 Euro.

Tipp 7: "Das gekränkte Gänseliesel"

Das gekränkte Gänseliesel öffnet sein Körbchen und erzählt von den Skandalen und Skandälchen der Uni-Stadt. Und davon gab es einige, wie den Abriss des historischen Reitstallgebäudes oder den Finanzskandal um die Göttinger Gruppe sowie den Transplantationsskandal in jüngster Vergangenheit. Gesammelt haben die auf den Punkt komprimierten Stücke Franz Walter und Teresa Nentwig vom Institut für Demokratieforschung Göttingen. Ein Buch für Göttinger, und alle, die auch mehr über die dunklen wie spannenden Seiten der immer-jungen Studi-Stadt erfahren möchten. (tko)

„Das gekränkte Gänseliesel" - 250 Jahre Skandalgeschichten in Göttingen“, Vandenhoeck & Ruprecht, 336 Seiten, 18 Euro.

Tipp 8: "Heimatlos" von Christopher Spatz

Friedland! Ein Ortsname, ein Wort, das mit der deutschen Nachkriegsgeschichte verbunden und speziell natürlich mit der in Südniedersachsen.

Eine Cola für die Heimkehrer: Im Grenzdurchgangslager erhalten Spätheimkehrer im Oktober 1955 von der Göttinger Firma Grotefend Gratis-Getränke. Sie nehmen das amerikanische Getränk nach zehnjähriger russischer Kriegsgefangenschaft gerne an. Die Fotos im Buch „Heimatlos“ stammen von Fritz Paul. Das Buch ist im Verlag Ellert & Richter erschienen. Es ist sehens- und lesenswert.

Dieses Buch hat in den vielen Publikationen über Friedland gefehlt, zeigt es doch die eindrucksvollen Fotografien von Fritz Paul, der viele Jahre das Leben, das Ankommen und Abreisen in Friedland festgehalten hat. Auch textlich werden die Geschehnisse um Spätheimkehrer, Asylsuchende, Kriegsgefangene, Heimatlose spannend und informativ geliefert.

„Heimatlos“, Christopher Spatz, Ellert & Richter Verlag, 226 Seiten, 19,95 Euro.

Tipp 9: „Gärten im Weserbergland“ von Petra Widmer

Eine Reise zu Parks und Gärten entlang der Weser bietet das Buch von Petra Widmer „Gärten im Weserbergland“, das spätestens im Frühjahr ein prima Führer von der Sababurg über Schloss Schwöbber bis zum Kurpark Bad Nenndorf.

Schöne Ausflugstipps: „Gärten im Weserbergland“. Foto: Privat/nh

Vorgestellt werden einzelne Bäume wie die Peterlind ein Coppenbrügge bei Hameln bis zur Gartenanlage von Schloss Corvey.

„Gärten im Weserbergland“, Petra Widmer, Verlag Jörg Mitzkat, 96 Seiten, 19,80 Euro.

Tipp 10: „Der Dreißigjährige Krieg" von Hans Medick

Vor 400 Jahren begann mit dem Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg, ein einschneidendes Ereignis der Geschichte. Dazu veröffentlichte Historiker Hans Medick im Göttinger Wallstein-Verlag unter dem Titel „Der Dreißigjährige Krieg“ eine Gesamtdarstellung. Medick wagt einen anderen Blick auf die Ereignisse – in Form einer dokumentarischen Mikro-Geschichte.

Perspektiv-Wechsel: „Der Dreißigjährige Krieg“. 

Die Perspektiven von Personen aller Schichten, ob Söldner, Bauern, Bürger oder Adelige, werden dargestellt, teils anhand von bislang unveröffentlichten Selbstzeugnissen. Die historische Abhandlung ist gut lesbar und bietet mit dem alternativen Blick auf die Geschehnisse auch nicht vorgebildeten Lesern einen Zugang. (ana)

„Der Dreißigjährige Krieg – Zeugnisse vom Leben mit Gewalt“, Hans Medick, Wallstein-Verlag, 448 Seiten, 29,90 Euro.

Tipp 11: „Fußball Wappen“ von Hardy Grüne

Was Wappen so alles können! Im neuen Buch „Fußball Wappen“ von Hardy Grüne, erschienen im Verlag Die Werkstatt, können sie vor allem eins: faszinieren. Ob Bayern München, Hannover 96, Colo Colo oder Mazembe Lubumbashi – fast jeder relevante Fußballverein wird mit seiner Wappenhistorie dargestellt. Die Abbildungen und Grünes Infos dazu zeigen: Die Wappen waren immer auch dem Zeitgeist unterlegen, bei Braunschweig sogar dem Sponsor (Jägermeister). Die Geschichten rund um die Vereinsembleme dürfte also nicht nur für Heraldiker, sondern vor allem für Fußball-Fans interessant sein. (ana)

„Fußball Wappen“, Hardy Grüne, Die Werkstatt, 214 Seiten, 24,90 Euro.

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