Nach dem Diebstahl wertvoller Bücher ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen Hehler

Bücherdiebstahl aus Göttinger Uni-Bibliothek: Der Verdächtige ist tot

Symbolbild

Göttingen. Das Strafverfahren um einen spektakulären Bücherdiebstahl aus den historischen Beständen der Göttinger Uni-Bibliothek hat ein tragisches Ende gefunden. Der Mitarbeiter, der im vergangenen November nach dem Diebstahl einer wertvollen Erstausgabe aus dem Jahr 1545 festgenommen worden war, ist vor einigen Tagen in Thüringen verstorben.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen habe deshalb das Ermittlungsverfahren wegen gewerbsmäßigen Diebstahls eingestellt, teilte der Sprecher der Strafverfolgungsbehörde, Hans-Hugo Heimgärtner, am Donnerstag auf Anfrage mit. Nähere Angaben zur Todesursache wollte die Staatsanwalt nicht machen. Die Universität hatte den leitenden Mitarbeiter wegen der Diebstahlsvorwürfe vom Dienst suspendiert. Am Ostermontag wurde er tot aufgefunden.

Der Bibliothekar hatte im November aus einem Sondermagazin eine über 450 Jahre alte Erstausgabe des Traktats „Arte de navegar“ des spanischen Kosmographen Pedro de Medina entwendet, von dem es weltweit nur elf Exemplare gibt. Eine andere Ausgabe dieses Werkes hatte einige Monate zuvor bei einer Auktion für 370 000 Euro den Besitzer gewechselt. Der 47-Jährige hatte das Werk für 100 000 Euro einem Antiquar in den Niederlanden angeboten, der wegen der vergleichsweise günstigen Offerte stutzig wurde.

Er informierte daraufhin die Universität, die dann die Polizei einschaltete. Diese nahm den Bibliothekar bei einer fingierten Übergabe fest. Im Zuge der weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Mitarbeiter seit dem Jahr 2006 48 weitere Bücher aus den historischen Beständen der Jahre 1600 bis 1900 entwendet und weiter verkauft hatte. 38 weitere Bücher wurden in seinem Dienstzimmer gefunden. Der Beschuldigte habe die Taten eingeräumt und an der Aufklärung mitgewirkt, sagte Staatsanwalt Heimgärtner. Durch seine Hilfe habe auch ein Teil des Diebesguts wieder zur Universitätsbibliothek zurückgebracht werden können. Bislang konnten die Ermittler allerdings erst drei Exemplare sicherstellen, die Nachforschungen nach dem Verbleib der übrigen Bücher dauern an. Die noch fehlenden Bücher hätten einen Gesamtwert von rund 320 000 Euro, sagte Universitätssprecher Bernd Ebeling.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen die Käufer der antiquarischen Kostbarkeiten. Nach Durchsuchungen im gesamten Bundesgebiet wurden bislang zehn Verfahren wegen Hehlerei eingeleitet. (pid)

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