Revolverheld siegt in der Lokhalle

Fünf Gründe, warum der Bundesvision Song Contest in Göttingen ein Erfolg war

Göttingen. So schnell wird Stefan Raab  Göttingen nicht vergessen. Bei der zehnten Auflage des Bundesvision Song Contests in der Göttinger Lokhalle begrüßte der Pro7-Moderator einmal das Publikum in Leipzig statt in der Universitätsstadt. Trotzdem war der Wettbewerb ein voller Erfolg. Fünf Gründe.

1. Die Musik. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Der Bundesvision Song Contest, 2005 als ernsthafte Alternative zum klamaukigen Eurovision Song Contest ins Leben gerufen, ist die letzte verbliebene Möglichkeit für junge Künstler, sich vor einem großen TV-Publikum zu präsentieren. Oder wie es Johannes Strate von der Bremer Gewinner-Band Revolverheld nach der Show sagte: „Der Song Contest ist super für die Musikbranche. Er ist die einzige Samstagabendshow, wo die Musik im Mittelpunkt steht und nicht Lückenfüller ist, wenn sich Leute Bälle ins Gesicht werfen.“

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So konnte man diesmal neben Stars wie Marteria, Andreas Bourani und Jupiter Jones zahlreiche neue Künstler entdecken. Die größte Überraschung schaffte Teesy aus Sachsen-Anhalt, der es als eine Art Frank Sinatra des HipHop hinter Revolverheld (180 Punke) und Jupiter Jones (Rheinland-Pfalz, 124) mit 102 Zählern auf Platz drei schaffte. Dabei gab es bis gestern nicht mal einen Wikipedia-Eintrag über den 23-Jährigen, der eigentlich Toni Mudrack heißt.

2. Die Show. Zum zehnjährigen Bestehen machten Pro 7 und Brainpool sich selbst das schönste Geschenk. Sie verzichteten auf die albernen Einspielfilme, in denen mit „tv total“-Humor die 16 Kandidaten und ihre Bundesländer vorgestellt wurden. Diesmal bat Stefan Raab alle Teilnehmer vorab in ein Kölner Studio und jammte mit ihnen und seiner eigenen Band, den Heavytones.

Mit der Thüringer Indierock-Band Duerer coverte er einen alten Nina-Hagen-Hit, für Maxim aus Nordrhein-Westfalen interpretierte er den gleichnamigen Klassiker von Johannes Heesters. Und einmal erklang sogar die Internationale. Auch die Choreografie in der Lokhalle stimmte bis ins kleinste Detail. Von außen illuminierten riesige Leuchttürme das Gebäude. Über der Bühne sah es darum so aus, als habe die Industriehalle Kirchenfenster.

3. Stefan Raab. Der Alleskönner ist so oft im Fernsehen zu sehen, dass er unmöglich immer in Bestform sein kann. So gut wie in Göttingen war der Song-Contest-Erfinder jedoch schon lange nicht mehr. Das lag an den Einspielfilmen, in denen der Entertainer sein großes musikalisches Talent noch einmal unter Beweis stellen konnte.

Das zeigte sich aber auch auf der Bühne, wo er selbst dann souverän wirkte, wenn er mal ins Stocken geriet oder „Äh“ sagte, was nicht selten passiert. Der Kritiker Stefan Niggemeier twitterte: „Wieviel Spaß Fernsehen machen, kann, wenn Stefan Raab Lust hat.“ Wenn er richtig Spaß hat, braucht er nicht mal eine Co-Moderatorin.

4. Die Quote. Mit 1,44 Millionen Zuschauern schalteten zwar deutlich mehr ein als im Vorjahr, als etwas mehr als eine Million den Wettbewerb verfolgten. Der Abwärtstrend der vergangenen Jahre ist damit gestoppt. Allerdings waren es bei der Premiere 2005 auch schon mal mehr als drei Millionen Zuschauer.

Raab ließ in Göttingen keinen Zweifel daran, dass es trotzdem weitergeht. Damit wird es 2015 auch wieder Futter für Twitter geben. Beim Kurznachrichtendienst war der Hashtag #BuViSoCo am Samstag und Sonntagmorgen das größte Trendthema. Auch das ist eine gute Quote.

5. Elton. Der ehemalige „tv total“-Praktikant ist die größte Nervensäge im deutschen Fernsehen. In Göttingen gab er vor Show-Beginn den Einheizer und moderierte aus dem Green Room. Vielleicht ist es das größte Verdienst des Formats, dass dies gar nicht negativ auffiel. Der Song Contest macht selbst Elton erträglich.

Von Matthias Lohr 

Bundesvision Song Contest in Göttingen

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