"Vorzeigeprojekt"

Caritas Südniedersachsen baut inklusiven Campus für Duderstadt

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Sie stehen hinter der Realisierung des Modellprojekts „Inklusiver Campus“ in Duderstadt (von links): Holger Gatzenmeyer (Caritas), Propst Bernd Galluschke, Schwester Ignatia (Ursulinen), Erste Kreisrätin Christel Wemheuer, Ralf Regenhardt (Caritas), Kreisrat Marcel Riethig und Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte.

Duderstadt. Die Caritas Südniedersachsen wird in der Duderstädter Innenstadt in den kommenden Jahren mit einem Investitionsvolumen von etwa fünf Millionen einen „Inklusiven Campus“ errichten.

Er umfasst eine Kindertagesstätte mit 100 Plätzen und einen heilpädagogischen Kindergarten mit 24 Plätzen. Beides soll mit einem inklusiven pädagogischen Konzept zusammenwirken. Zudem gibt es eine inklusive Krippe für 30 Kinder, ein Familienzentrum mit Café-Bereich sowie umfangreiche Beratungsangeboten.

Profitieren sollen davon Kinder und Jugendliche, Schwangere, Eltern, Schuldner sowie Süchtige. Eingebunden ist zudem die Fachschule für Sozialpädagogik (Vinzenz-von-Paul-Schule) mit den Ausbildungsschwerpunkten „Inklusive Pädagogik“ und „Familienzentrum“.

Den ersten großen Schritt vollzog die Caritas mit dem Kauf der Pestalozzischule, deren barrierefreier Umbau zum „Inklusiven Campus“ jetzt bevorsteht. „Wir legen damit den Grundstein für einen Segensort, der hoffentlich Ausstrahlung haben wird“, sagte Propst Bernd Galluschke bei der Vorstellung des Projekts. Es zeige, wie gut Caritas, die Ordensgemeinschaft der Ursulinen, katholische Kirche und Kommune zusammen arbeiten können. Caritas-Vorstandssprecher Ralf Regenhardt nannte das Vorhaben mit seiner Pionierarbeit modellhaft.

Von 2019 an solle der Campus mit Leben erfüllt werden. Göttingens Kreisrat Marcel Riethig bezeichnete das „Vorzeigeprojekt“ als sinnvoll und richtig. Er überreichte zusammen mit der Ersten Kreisrätin Christel Wemheuer einen Zuschussbescheid von 260 000 Euro als Unterstützung für den Campus.

Die Caritas erhofft sich zudem Zuschüsse von der Aktion Mensch und dem Programm „Inklusion im Quartier.“

Stichwort Inklusive Pädagogik: Uneingeschränkter Bildungs-Zugang für alle Menschen

Die „Inklusive Pädagogik“ propagiert ein Bildungssystem, in dem allen Menschen der uneingeschränkte Zugang zu allgemeinen Kindergärten und Schulen des sozialen Umfeldes ermöglicht werden muss. 

Entsprechend dem Verständnis der Inklusion wird jeder Mensch als selbstverständliches Mitglied der Gemeinschaft anerkannt. Im Kontext der Bildung bedeutet dies, dass die gemeinsame Beschulung aller Kinder und Jugendlichen sichergestellt sein muss. Die Inklusive Pädagogik will dabei jedem Individuum die bestmögliche Förderung gewährleisten. 

Konkret gesagt, wenden sich die Befürworter dieses Bildungssystems gegen Sonder- und Spezialschulen oder sogenannte Förderschulen, etwa für Menschen mit Behinderung. Diese Schulformen verhinderten aus ihrer Sicht Chancengleichheit und seien pädagogisch nicht effizient. 

2009 beschlossen die Vereinten Nationen eine Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Darin verpflichten sich die Unterzeichner, darunter auch Deutschland, ein Inklusives Bildungssystem zu errichten. Gutachter folgern daraus, dass Kinder mit Behinderungen nur in Ausnahmefällen der Besuch einer Regelschule – dazu gehören auch Gymnasien – untersagt werden darf. Laut Studien der Bertelsmann-Stiftung gibt es hierzulande jedoch weiterhin viele Spezialschulen für Kinder mit besonderem Förderbedarf.

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