Charmanter Star: Moritz Schulze als Sinatra im DT-Stück Frankie Boy

Von Frauen umschwärmt: Moritz Schulze als Frank Sinatra (ganz links) mit Milena Günther (von links), Franziska-F. von Sivers, Lisa Nossek, Katharina Uhland, Andrea Strube, Lynn Ebert und Désirée Zurek. Foto: Pauly

Göttingen. Gelungene Premiere für das Musik-Theaterstück „Frankie Boy“ im Deutschen Theater. Dabei überzeugte nicht nur Moritz Schulze als Frank Sinatra.

„Wenn ich singe, dann glaube ich, sagte Frank Sinatra. Und wenn Moritz Schulze die Songs des großen italo-amerikanischen Entertainers singt, glaubt man sie ihm sofort. Mit einem bassbaritonal-tiefen „Well“ hebt er an, dann setzt der Streichelswing der Band ein und das Publikum in der ausverkauften Premiere des Sinatra-Abends „Frankie Boy“ am Deutschen Theater in Göttingen ist am Samstagabend schon nach wenigen Takten bezaubert.

Von der Mühelosigkeit, dem freien Strömen der schönen, vollen Stimme des 25-jährigen Schauspielers, dem einstigen Bundespreisträger für Sologesang bei „Jugend musiziert“. Vom Charme und der Bühnenpräsenz des schmalen, jungenhaften Mannes mit den verschmitzten Augen. Von der Kraft, einen über zweistündigen Liederabend souverän durchzuhalten, bei dem er nicht wenig gefordert ist. Um dann noch als bejubelte Zugabe ein funkelndes „New York, New York“ zu schmettern, als wäre er gerade aus einem Erholungsurlaub zurückgekehrt.

Wenn noch Wünsche offenblieben, dann allenfalls, dass das Crooning – das sanft hauchende, erotisch aufgeladene Singen – an diesem Abend fehlte. Selbst sinnliche Songs wie „Night And Day“ wurden wie alle anderen mit voller Power rausgehauen.

Cole Porters großartiges Songrepertoire von „Begin The Beguine“ über „I Get A Kick Out Of You“ bis „I’ve Got You Under My Skin“ wurde aufgeblättert, ergänzend kamen instrumental dargebotene Klassiker wie „Sway“ und „Fly Me To The Moon“ hinzu. Alles abwechslungsreich arrangiert von Michael Frei für seine glänzend aufgestellte achtköpfige Swingkapelle, in der vor allem die Bläsersektion auch solistisch aufspielen durfte. Um die Musiktitel herum haben Erich Sidler und Sara Örtel kleine Szenen arrangiert, die das Leben der Entertainerlegende illustrieren. Bescheidene Anfänge, rauschender Erfolg, kreischende Fans, Frauengeschichten, die Verbindung mit Filmstar Ava Gardner und immer wieder die Kontakte zur „Familie“.

Paul Wenning spielt in toller Marlon-Brando-Manier den Mafiapaten im Nadelstreifenanzug mit tiefgezogener Hutkrempe (Kostüme: Bettina Latscha), der mit autoritärem Druck und unter Vorzeigen von Schießeisen Treue einfordert und dafür Angebote unterbreitet, die man nicht ablehnen kann. Frederik Schmid ist sein dienstbereiter Begleiter.

Benjamin Krüger unterstützt Schulze sängerisch überzeugend als Sinatras Kollege Tommy Dorsey, weibliche Erotik und tolle Gesangs-Akzente bringen Andrea Strube und Katharina Uhland als Marlene Dietrich und Ava Gardner ein. Der komische Sidekick ist Karl Miller als schräger Filmproduzent Robert M. Weitman. In der Choreografie von Valenti Rocamora i Torà tanzt (leider recht wenig) ein weibliches Statistenensemble.

Das sorgt für schöne Momente der Auflockerung vor allem im zweiten Teil des Abends. Im ersten wirkt die Nummernabfolge wesentlich statischer, Bewegung bringt da vor allem das coole Hantieren mit Zigaretten, Feuerzeugen und Whiskeygläsern – die stylischen Accessoires der Männlichkeit. Die lockere Clubatmosphäre ergänzt den Abend dann später gut.

Wieder am 15. und 24.1. Kartentelefon: 0551/496911.

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