Lage in der Universtitätsmedizin Göttingen

Corona: Intensivmedizin in Göttinger Uni-Klinik weiter unter Druck

Zu sehen sind Geräte, ein Covid-19-Patient und Arzt: Die Station 0119 der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) – dort werden Covid-19-Patienten behandlet. Hier ein Patient in Bauchlage, damit soll er entlastet werden. Prof. Dr. Onnen Mörer kümmert sich um ihn.
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High-Tech-Medizin für Schwerstkranke: Station 0119 der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) – dort werden Covid-19-Patienten behandelt. Hier ein Patient in Bauchlage, damit soll er entlastet werden. Prof. Dr. Onnen Mörer kümmert sich um den Schwerkranken.

Angesichts sinkender Inzidenzen fordern viele Lockerungen, wollen den Urlaub planen. Im krassen Gegensatz dazu steht die Situation auf der Intensivstation der Uni-Klinik.

Göttingen - Auf der Station der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) kämpfen weiter Mediziner und Pfleger um das Leben schwerkranker Menschen, die mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert sind. So hat sich laut Prof. Dr. Onnen Mörer, dem Leiter der Intensivmedizin, die Lage um die Intensivbetten zwar „stabilisiert, bleibt aber auf hohem Niveau zwischen 26 bis 32 Patienten“. Die sinkenden Inzidenzzahlen schlagen also noch nicht im gleichen Verhältnis durch.

Grund dafür sind auch sehr lange Liege-Zeiten der Covid-Kranken. Die schwersten Covid-19-Fälle werden zudem aus Krankenhäusern der Region nach Göttingen ins High-Tech-Krankenhaus UMG verlegt und dort behandelt, weil in den umliegenden Kliniken dafür teilweise auch die technischen und fachlichen Voraussetzungen fehlen. Dort lagen am Freitag zwölf Menschen an Ecmo-Maschinen, die die Beatmung und Sauerstoffanreicherung des Blutes übernehmen.

Dabei werden sie ins künstliche Koma versetzt, auch, um Energie zu sparen – für den Überlebenskampf. Die Rescue-Behandlung an und mit den Ecmo-Geräten ist die letzte Möglichkeit der Versorgung. Die Zahl der insgesamt versorgten Covid-Patienten an der Universitätsmedizin Göttingen war mit 30 am Freitag immer noch hoch (Höchststand vor vier Wochen: 43).

26 Covid-19-Patienten lagen am Freitag auf der Corona-Intensivstation, insgesamt 19 wurden beatmet. Folglich arbeiten Pflegekräfte und Ärzte dort weiter am Limit, denn die Versorgung ist personalaufwändig und kraftraubend.

Insgesamt, so Mörer, sei der Druck über Covid-19-Erkrankungen auf den Intensivmedizin-Bereich weiter zu spüren. Hinzu komme „ein konstanter Bedarf für schwerkranke postoperative und Notfallpatienten“. Immerhin wird in der Uni-Klinikein Rückgang der Covid-19-Patienten auf der Normalstation registriert.

Die bundesweite Entspannung der Corona-Erkrankungen-Zahlen sei zu spüren, kommt aber laut Mörer erst zeitverschoben auf den Intensivstationen an. Trotz sinkender Infektions- und Inzidenzzahlen, wird man in der UMG noch wochenlang auf eine Entlastung warten müssen: Onnen Mörer rechnet noch „bis Mitte Juni mit weiterhin hohen Belegungszahlen in der Intensivmedizin“.

Ein weiterer Trend setzt sich fort: In den vergangenen Wochen hat sich die durchschnittliche Altersstruktur dieser Patienten „auffällig verschoben“, wie Onnen Mörer konstatiert. So müssen zunehmend jüngere Patienten, das heißt in den 50er-Lebensjahren, intensivmedizinisch versorgt und beatmet werden.

Und Mörer nennt eine weitere Herausforderung für die Klinik: Die Krankheitsverläufe seien bei Covid-19-Erkrankten außergewöhnlich lang. „Die Verweildauer kann bis zu 40, 50 Tagen in der Beatmung, der Entwöhnung und Rückverlegung auf die Normalstationen liegen.“ Zudem benötigten Covid-19-Patienten eine lange Regenerationsphase. Hinzu kommt eine weitere Unbekannte: „Die Langzeitfolgen sind unterschiedlich und noch nicht ausreichend evaluiert“, gibt Professor Mörer zu bedenken, ein Intensivmediziner mit hoher Fachkenntnis und einer, der seit Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie vor mehr als 15 Monaten am Puls der Patienten und Patientinnen mit der lebensgefährlichen Erkrankung Covid-19 ist. (Thomas Kopietz)

Prof. Dr. Onnen Mörer: Leiter Intensivmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).
Corona: Die Station 0119 der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Schwerkranke Covid-19-Kranke werden mit hohem personellen und technischen Aufwand intensivmedizinisch und pflegerisch betreut.

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