Gastronomie und Kultur sollen wählen können

Kommt 2G in Niedersachsen? Ministerpräsident Weil gibt Regierungserklärung zu Corona ab

In Niedersachsen soll die 2G-Regelung in der neuen Corona-Verordnung ausgeweitet werden, gibt Ministerpräsident Weil in seiner Regierungserklärung bekannt.

Hannover - Zur ersten Sitzung nach der parlamentarischen Sommerpause sind die Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags am Dienstag (14.09.2021) zusammengekommen. Neben allgemeinen Themen ist auch die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie zur Sprache gekommen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat im Rahmen der Sitzung eine Regierungserklärung zu Corona abgegeben.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Dienstag (14.09.2021) in Niedersachsen 327 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Die Zahl der Menschen, die in Niedersachsen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sind, erhöht sich um sieben und liegt somit bei 5883. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Niedersachsen am Dienstag (14.09.2021) bei 73 (Vortag: 75,8).

Corona in Niedersachsen: „Pandemie der ungeimpften Erwachsenen“

Die aktuelle Corona-Verordnung in Niedersachsen endet am 22. September 2021. In den kommenden Tagen müssen von der Landesregierung weitere Regeln beispielsweise für die Warnstufen und eine mögliche Einführung der 2G-Regel formuliert werden. Dass Niedersachsen einen Schritt Richtung 2G-Regel machen will, hat Stephan Weil in seiner Regierungserklärung während der Landtagssitzung deutlich gemacht.

Geimpfte Menschen seien laut Weil „hochgradig geschützt“, das Infektionsrisiko für Ungeimpfte sei hingegen über zehnmal höher. Eine Vielzahl der Menschen, die mit einer Corona-Infektion in den Krankenhäusern in Niedersachsen behandelt werden müssen, seien nicht gegen Corona geimpft.

Der Ministerpräsident von Niedersachsen sprach in seiner Regierungserklärung von einer „Pandemie der ungeimpften Erwachsenen“. Eine Eskalation der Infektionsklage sei nach wie vor nicht auszuschließen, so Weil: „Wer sich nicht impfen lässt, muss sich auf einen weiteren schweren Herbst und Winter einstellen“.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat in der ersten Landtagssitzung nach der Sommerpause eine Regierungserklärung zu Corona abgegeben. (Archivbild)

Corona-Verordnung in Niedersachsen geht Schritt Richtung 2G-Regelung

Einschränkungen seien für geimpfte Menschen nicht mehr gerechtfertigt, so der SPD-Politiker. Die kommenden Aktivitäten müssen sich auf die Gruppe der Ungeimpften konzentrieren. „Ich bin kein Freund der Impfpflicht“, so Niedersachsens Ministerpräsident. Umgekehrt müssen laut Weil die Menschen, die sich aus freien Stücken gegen eine Corona-Impfung entscheiden, die Konsequenzen tragen.

„Wer vollständig geimpft ist, wird von den Maßnahmen weitestgehend befreit bleiben“, erklärt Weil mit Blick auf die 2G-Regelung. In Clubs und Diskotheken in Niedersachsen greift diese Maßnahme bereits, laut Ministerpräsidenten mit Erfolg. Daher solle 2G nun ausgeweitet werden: Gastronomie, Kultur- und Sportstätten sollen demnach wählen dürfen, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene einlassen. Im Gegenzug könne auf Abstand und Maske verzichtet werden.

Zurzeit werde am Entwurf für die nächste Corona-Verordnung gearbeitet, sagte Weil. Niedersachsen wolle einen Beitrag zur Normalisierung des öffentlichen Lebens leisten. Schließungen werden auch im Fall von sehr hohen Infektionszahlen eine Ausnahme sein, verspricht der SPD-Politiker.

Corona in Niedersachsen: So soll es in Schulen und Kitas weitergehen

In Schulen und Kitas sei das Infektionsrisiko nach wie vor hoch. Die jungen Generationen sind mobil und kontaktfreudig, eine höhere Impfquote bei Kindern und Jugendlichen sei daher wichtig, betonte Weil. Die Präsenz in den Einrichtungen soll auch bei hohem Infektionsgeschehen aufrechterhalten werden.

Mit Corona-Tests dreimal wöchentlich und Maskenpflicht auch im Unterricht für alle Jahrgänge solle der Unterricht in den Schulen in Niedersachsen so normal wie möglich fortgesetzt werden. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, „mit Blick auf Reiserückkehrer ist sie aber notwendig“, so Weil. Zudem bleibe Lüften die eigentliche Grundlage, denn Luftfilteranlagen ersetzen nicht das Lüften. Eine Quarantäne im Fall einer Infektion sei zukünftig nicht mehr für die ganze Klasse, sondern nur für direkte Nachbarn des Kindes oder Jugendlichen vorgesehen.

Erste Bundesländer führen die 2G-Regel ein. Diese sieht Freiheiten nur noch für Geimpfte und Genesene vor. Lässt sich damit die vierte Corona-Welle verhindern? Experten sind sich uneins. (Helena Gries)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.