Umgehende Isolation

Corona-Verdacht in Gefängnis beunruhigt: Zeuge konnte nicht aussagen

Hinter Gittern und Zäunen: Gefängnisse wie die JVA Rosdorf sind quasi Quarantäne-Einrichtungen – schützen aber auch nicht restlos vor der Infektion mit dem Coronavirus.
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Hinter Gittern und Zäunen: Gefängnisse wie die JVA Rosdorf sind quasi Quarantäne-Einrichtungen – schützen aber auch nicht restlos vor der Infektion mit dem Coronavirus.

In einem deutschen Gefängnis gibt es erstmals einen Corona-Verdachtsfall - und zwar in einer niedersächsischen Strafanstalt. Bei einem Inhaftierten bestehe der Verdacht einer Infektion.

Baunschweig/Göttingen – In italienischen Gefängnissen meutern Gefangene wegen der Einschränkungen durch Corona-Schutzmaßnahmen. In deutschen Strafanstalten ist es noch ruhig, aber dort gibt es erstmals auch einen Corona-Verdachtsfall – und zwar in einem niedersächsischen Gefängnis. Wie ein Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums bestätigte, besteht bei einem Inhaftierten der Abteilung Braunschweig der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel der vage Verdacht auf eine Corona-Infektion.

Coronavirus-Verdachtsfall in deutschem Gefängnis: Neu inhaftiert

Der Inhaftierte sei neu aufgenommen worden und habe sich zuvor in Freiheit befunden, sagte Ministeriumssprecher Hans-Christian Rümke. Der Betroffene erfülle nicht vollständig die Kriterien des Robert-Koch-Instituts für einen begründeten Verdachtsfall. Dennoch sei er sofort nach Bekanntwerden der Umstände isoliert worden. Das Gesundheitsamt werde nun einen Abstrich bei dem Gefangenen nehmen, um zu prüfen, ob tatsächlich eine Infektion vorliegt. Bis zur Klärung der Situation sei in der Anstalt ein Generaleinschluss angeordnet worden. Dies bedeute, dass die Gefangenen in ihren Zellen bleiben müssen. Weitere Verdachtsfälle in Haftanstalten gebe es bislang nicht.

Coronavirus-Verdachtsfall in deutschem Gefängnis: Alle eingeschlossen

Der Einzelfall hat allerdings nicht nur Folgen für das Leben innerhalb der betroffenen Haftanstalt, sondern auch für die übrige Justiz: Am Dienstag hätte eigentlich ein Insasse der JVA Braunschweig als Zeuge in einem Drogenprozess vor dem Landgericht Göttingen erscheinen sollen. Aufgrund des verhängten Generaleinschlusses in der Haftanstalt musste dieser Termin verschoben werden. Die Zeugenvernehmung soll nun zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. In dem Prozess muss sich ein 50-jähriger Geschäftsmann aus Osterode wegen Rauschgifthandels verantworten.

Coronavirus-Verdachtsfall in deutschem Gefängnis: Isolation

Nach Angaben des Justizministeriums werden für Bedienstete und Inhaftierte von Haftanstalten die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Schutzmaßnahmen getroffen. Infizierte Gefangene beziehungsweise Gefangene mit Infektionsverdacht würden umgehend isoliert und dem örtlich zuständigen Gesundheitsamt gemeldet. Gesundheitsamt und Haftanstalt stimmten dann in enger Absprache das weitere Vorgehen ab. Isolierte Gefangene könnten dann nicht an Gemeinschaftsveranstaltungen teilnehmen, sondern müssten in ihrem Haftraum bleiben, wo sie durch das Vollzugspersonal versorgt werden. Dies schließe auch die medizinische Versorgung ein. Sollte es medizinisch nötig sein, werde der oder die Gefangene in das Justizvollzugskrankenhaus verlegt, bei einer bedrohlichen Erkrankung gegebenenfalls auch in ein externes Krankenhaus.

Von pid

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