Lage in Klinik bereitet Sorgen

Mehr jüngere Covid-19-Patienten auf Uni-Klinik-Intensivstation

High-Tech: Alissa Horn, stellvertretende Pflegeleitung auf der Corona-Station 3011 in der Göttinger Uni-Klinik bedient ein Beatmungsgerät.
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High-Tech: Alissa Horn, stellvertretende Pflegeleitung auf der Corona-Station 3011 in der Göttinger Uni-Klinik, bedient ein Beatmungsgerät.

Mehr Covid-19-Patienten, mehr beatmete Schwerkranke - das ist die Lage auf der Intensivstation der Universitätsmedizin Göttingen. Zudem werden die Covid-Kranken jünger.

Göttingen – Wirklich entspannt war die Lage um die Behandlung von Covid-19-Patienten in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) selten seit Beginn der Corona-Pandemie, jetzt aber nimmt die Anspannung dort deutlich zu. In der Uni Klinik liegen 30 Covid-19-Patienten, 20 von ihnen müssen beatmet werden – sieben an den ECMO-Maschinen, die die Beatmung komplett übernehmen.

Weiteres Signal zur Sorge: Die schwer kranken Covid-19-Patienten werden jünger. Laut UMG liegt das Alter der beatmeten Patienten aktuell zwischen 40 und 60 Jahren, während in den ersten Wellen der Pandemie meist Ü-60-Jährige stationär versorgt wurden und schwer krank waren.

Nach Auskunft von UMG-Sprecherin Bettina Bulle ist die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 demnach spürbar angestiegen. Mehr noch: In der Göttinger Uni-Klinik werden aktuell fast 30 Prozent mehr Covid-19-Patienten auf der Intensivstation beatmet als am Höhepunkt der zweiten Pandemiewelle Ende 2020. Damit liegt die UMG im Trend vieler großer Kliniken in Deutschland, die schwere Fälle behandeln: Die Belegung mit Covid-Patienten nimmt zu, allein bei den belegten Intensivbetten wurden am Donnerstag im Vergleich zur Vorwoche deutlich mehr Covid-Intensivpatienten gemeldet. Insgesamt sind es: 4474.

Für die beteiligten Mediziner und Pflegekräfte an der UMG heißt das: Sie beobachten die Zunahme an intensiv- und beatmungspflichtigen Patienten mit Covid 19 auf der Intensivstation „mit großer Aufmerksamkeit“. Mehr noch: „Auch wenn wir als spezialisiertes Beatmungszentrum auf die Versorgung dieser schwerkranken Patienten vorbereitet sind, macht uns doch die Dynamik der Entwicklung der vergangenen Tage große Sorgen“, heißt es an der UMG.

An der UMG sind alle Intensivplätze mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Regulär verfügt die Uni-Klinik für Erwachsene über rund 80 Intensivplätze. Um für die Pandemie vorbereitet zu sein, wurden mit Unterstützung des Landes weitere 26 Beatmungsplätze aufgebaut, die bei Bedarf betrieben werden können. Es gibt zwölf ECMO-Geräte.

Die zweitgrößte Klinik der Region, das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende meldet eine ähnliche Entwicklung. Prof. Dr. Peter Neumann, Chefarzt Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, sieht in den vergangenen zwei bis drei Wochen „eine Tendenz zu deutlich jüngeren Patienten, die auf der Intensivstation mit Covid-19 liegen – und das ohne Vorerkrankungen“. Neumann berichtet, dass darunter zwei 46-jährige, eine 44-Jährige und ein 56-Jähriger.

„Die Tendenz geht eindeutig in diese Richtung. Zuvor waren es sonst fast nur ältere Patienten.“ Im „Weender“ lagen am Donnerstag 16 Corona-Patienten, zwölf auf Normalstation, vier auf der Intensivstation. Die meisten wurden am 11. Januar registriert, damals lagen 25 Covid-Patienten in der Klinik.

In den anderen Kliniken und Krankenhäusern, die dem Netzwerk Südniedersachsen angehören, ist die aktuelle Situation mit Covid-19-Patienten ein wenig besser: „Wir sehen in der Region, dass die Situation in der Intensivmedizin an der UMG deutlich angespannter ist, als in den anderen Kliniken in Südniedersachsen“, resümiert Dr. Martin Siess, UMG-Vorstand Krankenversorgung und wichtiges Bindeglied im Netzwerk. Ein Grund auch für die hohe UMG-Auslastung ist, dass die Uni-Klinik aufgrund ihrer Erfahrung bei der Beatmung und der technischen Ausstattung generell die schwereren Fälle bekommt – aus der Region..

Die angespannte Lage in der Intensivmedizin hat auch Auswirkungen auf die „normale“ Versorgung und die Planung von operativen Eingriffen. „Wir schieben Operationen, die verschoben werden können“, heißt es. Auch würden die Covid-Kapazitäten angepasst, nach Bedarf also weitere Behandlungsplätze und Intensivbetten geschaffen. Thomas Kopietz

Dr. Martin Siess, UMG-Vorstand Krankenversorgung

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