Datenschutz: Fitness-Uhren geben Gesundheitsdaten an Dritte weiter

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Vorsicht: Fitness-Armbänder und Uhren geben permanent gmeessene Daten an Dritte weiter. Datenschützer rügen die Hersteller und verlangen Änderungen.

Göttingen/Hannover. Träger von Fitness-Armbändern und Smart-Watches sind gläserne Menschen, weil ihre gemessenen Gesundheitsdaten permanent von den Geräten an Dritte weitergegeben werden.

Zu diesem Ergebnis kommt die niedersächsische Landesbeauftragte für Datenschutz, Barbara Thiel, nach einem Test der Geräte.

Auf dem Prüfstand stand die Datensicherheit von 16 Fitness-Messern, die als Armband getragen werden. Im Labor wurden die Datenflüsse der Geräte analysiert, das heißt, gesprüft, ob die Daten an Dritte weitergesendet werden. Ergebnis: Ja. Denn die Hersteller nutzen „Tracking Tools“, also die Programm-Software amerikanischer Unternehmen mit denen sie das Nutzerverhalten nachvollziehen können. Die sensiblen Gesundheitsdaten werden „regelmäßig an Dritte weitergegeben“, wie Landesdatenschutzbeauftragte Barbara Thiel sagt. „Unklar bleibt, was mit den Informationen im Einzelnen geschieht.“

Für sich betrachtet seien die Daten wie Herzfrequenz, zurückgelegte Schritte und Schlafdauer zwar wenig aussagekräftig. Aber wenn diese Daten über einen langen Zeitraum erhoben werden und zum Beispiel mit Standortdaten verknüpft werden, dann entstehe ein „erstaunlich präzises Bild über den Gesundheitszustand und den Tagesablauf der Nutzer“, so die Datenschützer. Die kritisieren vor allem, dass die permanente Weitergabe der Fitnessdaten überhaupt nicht erforderlich sei. Dass es dennoch geschehe, zeige das Interesse der Hersteller. „Das macht misstrauisch“, sagt Barbara Thiel.

Die Prüfer monieren zudem, dass die den Geräten beiliegenden Datenschutzerklärungen gesetzlich nicht ausreichend seien. Der Nutzer erfahre oft nicht, wer Zugriff auf die Daten hat und wie lange sie gespeichert werden. In den Beschreibungen fänden sich oft lapidare Hinweise, dass die Hersteller die Daten für eigene Forschungs- und Marketingzwecke verwenden würden. Deshalb, so Thiel, sei der Nutzer „nicht Herr seiner Daten – ein klarer Verstoß gegen das Datenschutzrecht“.

Die Behörden werden nun an die Hersteller herantreten und diese auffordern, die Mängel zu beheben. Die Prüfaktion hatte die Landesbeauftragte mit den Datenschutzaufsichtsbehörden in Bayern, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und der Bundesdatenschutzbeauftragten gestartet. Die 16 getesteten Geräte decken 70 Prozent des deutschen Marktes ab.

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