Spielzeit 2017/18 

Deutsches Theater startet in der Tiefgarage mit Orwells "1984" 

Spielzeit-Vorschau: Die Führungsmannschaft des Deutschen Theaters mit Marcus Weide (Technischer Leiter, von links), Matthias Heid (Chefdramaturg), Theaterpädagogin Gabriele Michel-Frei, Geschäftsführerin Sandra Hinz, Dramaturgin Sara Örtel, Intendant Erich Sidler, Sonja Bachmann (Leiterin Programm für Kinder und Jugend), Inge Mathes (Leiterin Kommunikation). Foto: nh

Göttingen. Intendant Erich Sidler ist ein politischer Mensch. Kein Wunder, dass das Deutsche Theater (DT) in Göttingen in der Spielzeit 2017/18 erneut Farbe bekennen, einen kritischen Blick auf die Welt werfen will. Das Programm knüpft somit an die Vor-Spielzeiten an.

„Eine Besonderheit ist, dass im Herbst die Bundestagswahl ist. Sie hatte bereits Einfluss auf unsere Programme der Vorjahre“, sagt Sidler. Diesmal wird es aber weniger um konkrete politische Themen wie die Nazi-Zeit gehen, sondern mehr um gesellschaftliche Entwicklungen und die Globalisierung, aber auch um Zivilcourage. „Wir wollen Fragen stellen zur Rolle des Einzelnen“, sagt Sidler.

Dazu passt der Auftakt, der ein Frühstart vor dem eigentlich Spielzeitbeginn ist: Denn das DT startet mit George Orwells „1984“, ein Roman, der nach der Wahl Trumps erneut zum Bestseller wurde. „Das Buch behandelt etwas, was vielen Menschen große Sorgen bereitet, der totalitäre Überwachungsstaat samt Datenspeicherung“. Gespielt wird aus planerischen und atmosphärischen Gründen in der DT-Tiefgarage, vom 19. August bis 10. September. „Der Zuschauer wird Teil der Aufführung sein“, kündigt Sidler an. „Wir wollten einmal so etwas Besonderes machen und tun das jetzt.“

„Echter“ Auftakt ist am 22. September mit der Uraufführung von „Fräulein Agnes“, inszeniert von Sidler. Die Vorlage liefert Rebekka Kricheldorf, die schon 2014 mit DT-Auftaktstück „Homo Empathicus“ gefeiert wurde. Thematisch geht es nun um eine Bloggerin, die schonungslos Kunstwerke rezensiert, und letztlich um den Mangel an Menschlichkeit.

Das Thema Flüchtlinge und Kultur des Umgangs mit ihnen thematisiert „Willkommen“, geschrieben von Lutz Hübner und Sara Nemitz.

Weitere Uraufführung ist „Amerika First“. Christoph Klimke liefert Fake News, so, dass Marilyn Monroe nicht tot ist. „Sie hat das Infotainment begründet, an der Schnittstelle zwischen Politik und Showbiz“, sagt Sidler. „Seitdem ist die Politik in den USA auch Show.“

Klassiker im Programm sind „Emilia Galotti“ von Lessing, Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ unter Regie von Christoph Mehler sowie eine dramatische Variante der Oper „Tosca“.

„Gelacht werden darf aber auch“, wie der DT-Intendant verspricht. Dafür stünden Stücke wie „Winnetou und der halbe Abt“ von dem Göttinger Lars Wätzold und „Ein Känguru wie du“ sowie das Familienstück „Bei den Wilden Kerlen“ nach den Kinderbüchern.

Besonders spannend ist für Sidler auch Frank Wedekinds Werk „Spring Awakenin“, das Niklas Ritter als Rockmusical mit dem großen Ensemble auf die Bühne bringen und den Kreis der Spielzeit schließen wird. Es geht um den „Dauerbrenner“ Pubertät und den Umgang damit in der multimedialen Zeit von heute. (tko)

Komplettes Programm und Abo-Verkauf: www.dt-goettingen.de

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