Deutschland als Rettungsanker für Ärztin aus Zypern

Europawahl: Fani Iakovou hat keine Berufschancen in Griechenland und auf Zypern

Fani Iakovou
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Europäerin: Fani Iakovou ist Zypriotin, studierte Medizin in Griechenland und versucht nun, in Göttingen Fuß zu fassen.

Göttingen. Fani Iakovou ist Zypriotin, studierte in Griechenland, hat aber dort keine Perspektive als Ärztin. Deshalb ist sie seit Oktober 2013 in Göttingen, lernt Deutsch und absolviert ein Praktikum im Krankenhaus.

Ihr Ziel: Sie möchte Assistenzärztin in der Inneren Medizin zu werden, in ihrem Beruf als Medizinerin zu arbeiten. Die 24-Jährige hat einen Abschluss der griechischen Aristoteles Universität Thessaloniki in der Tasche. Mit Beginn der Krise verschlechterte sich aber die Situation für junge Ärzte in Griechenland erheblich.

„Ich hatte nur zwei Optionen nach Ende des Studiums: Entweder ich bleibe in Griechenland und warte auf eine Spezialisierung in der Inneren Medizin oder ich gehe ins Ausland, lerne die Landessprache und bewerbe mich dort“, schildert Iakovou ihre Situation. Weil es aber zu viele Ärzte in Griechenland gibt, dauere es fünf Jahre, bis man einen Facharztplatz bekommt. Schlimmer noch: „In der Endokrinologie sind Wartezeiten von 15 bis 20 Jahren normal“, sagt Iakovou, die daraufhin beschloss nach Deutschland zu gehen. Ihre Schwester Elena hatte sich schon 2009 entschieden, diesen Schritt zu tun, sie lebt in Göttingen.

Seit Oktober 2013 paukt auch sie Deutsch an der Universität Göttingen. Ein Praktikum im Krankenhaus Neu Maria-Hilf hilft ihr, die medizinischen Fachsprache zu trainieren und anzuwenden.

Mit mageren Kenntnissen war sie in Deutschland angekommen, konnte nicht mehr als „Hallo“ und „Guten Tag“ sagen. Nun, acht Monate später, legt sie die B2-Prüfung am Goethe-Institut ab. Die benötigt sie, damit ihre Approbation in Deutschland anerkannt wird.

Im Krankenhaus Neu MariaHilf entnimmt Iakovou täglich Blut, legt Venenzugänge oder nimmt Patienten auf. Besonders wichtig ist ihr die Zeit mit den Ärzten während der Visite. Dann wird über Erkrankungen und Medikation gesprochen, kann sie Fragen stellen. „In meiner Spezialisierung ist es wichtig, alles genau zu verstehen. Es ist mir und dem Patienten unangenehm, wenn ich etwas nicht richtig verstehe oder erklären kann.“

Allein 40 ihrer Kommilitonen sind nach Deutschland, England, Österreich und in die Schweiz gegangen, um als Ärzte arbeiten zu können. Iakovou stellt sich die Frage, ob das gut für Griechenland ist: „Die meisten hätten in Griechenland sowieso keine Chance gehabt. Aber wenn sich alle entscheiden nicht mehr nach Griechenland zurückzukehren, kann es schon ein Problem geben.“

Bereits mit 16 Jahren wusste Iakovou, dass sie Ärztin werden wollte. Auf Zypern gab es bis 2013 keine medizinische Fakultät, also musste sie das Land verlassen. Ihr Noten-Durchschnitt ermöglichte das Studium in Thessaloniki.

Sechs Jahre später stand für sie der zweite Länderwechsel an. Ihre Familie in der Stadt Limassol auf Zypern nahm auch das positiv auf: „Sie wissen, dass ich hier in Deutschland viel bessere Chancen habe und sie sind beruhigt, weil ich mit meiner Schwester zusammenlebe.“

Von Lisa Brüssler

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