Dorfladen: Neuer Treffpunkt für die Ortschaft

Dorfladen in Roringen: Er existiert seit 15 Jahren und ist ein wichtiger Anlaufpunkt im Ort – ab sofort mit Café. Foto: Lawrenz

Roringen. Die Göttinger Ortschaft Roringen hatte den ersten Dorfladen in der Region. Jetzt gibt es dort auch ein Café.

Nach der Ladeneröffnung vor 15 Jahren hat der Trägerverein „Unser Laden Roringen“ das Angebot um den neuen Treffpunkt ergänzt. Vor fünf Jahren war der Dorfladen fast pleite, erinnert sich Vorstandsvorsitzender Werner Massow (61).

„Retten oder schließen“ war deshalb die Frage. Die Roringer wollten ihren Laden behalten. Als die Sparkasse vor zwei Jahren ihre Räume verkaufen wollte, erwarb der Verein das Gebäude für den Laden und beschloss, dort auch ein Café einzurichten. Damit sollen die Einkünfte aufgebessert werden.

Auf 186.000 Euro beziffert Werner Massow die Kosten für den Umbau. Um den Aufwand deutlich zu machen, zeigt er die behindertengerechte Toilette. Die ehemalige Außenwand ist durch den Anbau zur Innenwand geworden. Dank der finanziellen Unterstützung der öffentlichen Hand, von Firmen sowie von vielen Sponsoren konnte der Aufwand für den Verein auf rund 80.000 Euro gedrosselt werden. Die laufenden Mehrkosten belaufen sich laut Massow auf jährlich etwa 8000 Euro. Er ist 2008 dazugekommen und schätzt die Gemeinschaft im Trägerverein.

Seit fünf Jahren ist Kerstin Bornemann dabei. Für sie ist der Laden ein wichtiger Treffpunkt, „wo sich die Menschen begegnen können“. Zu den Kunden gehören viele ältere Menschen, aber auch eine Menge Kinder. Der Spielplatz ist direkt neben dem Laden. Selbst in der Umbauphase sei der Laden nicht einen Werktag lang geschlossen gewesen.

Dass die Roringer den Dorfladen mögen, beweist laut Bornemann die Mitgliederzahl: Von rund 450 Haushalten sind 125 im Trägerverein. Die 49-jährige Bornemann engagiert sich auch aus eigenem Interesse. Als Enkelin des früheren Bürgermeisters, der das Projekt mit ins Leben rief, ist die Frau in Roringen geboren. Wenn sie sich vorstellt, wie sie selber alt werden will, sieht sie den Laden als wichtigen Treffpunkt. Für das Dorfleben sei er „sehr befruchtend“.

Ingrid Behrendt (75) unterstützt den Verein mit selbst gekochter Marmelade. Die 19-jährige Jule Kolschen ist gerade nach Roringen gezogen. Sie beginnt ihr Studium in Göttingen. Spontan hat sie das Gästebuch eröffnet. Sie kann sich außerdem vorstellen, als Servicekraft im Café auszuhelfen. Weitere Infos gibt es unter www.roringen.net/dorfladen.html im Internet. (zul)

Tipps: Damit es mit dem Laden klappt

Viele Dorfgemeinschaften wünschen sich wieder einen Laden in ihrem Ort. Hartmut Berndt vom Regionalmanagement im Landkreis Göttingen weiß, worauf es bei solcher Projekten ankommt.

Dorfgemeinschaft muss dahinter stehen: „Es nützt nichts, wenn nur einzelne einen Laden wollen“, sagt Berndt. Möglichst viele Dorfbewohner müssen das Projekt aktiv unterstützen.

Förderverein gründen: Damit das Projekt langfristig ein Erfolg werden kann, hat sich die Gründung von Fördervereinen bewährt. Berndt: „Wer einen Mitgliedsbeitrag bezahlt, hat ein aktives Interesse an einem solchen Laden.“

Unbedingt im Dorfladen einkaufen: Die effektivste Unterstützung für den Laden im Dorf ist der Einkauf dort. Berndt: „Wenn man in Göttingen arbeitet und immer dort einkauft, hat der Laden vor Ort nichts davon. Nur vergessene Artikel oder Brötchen am Samstag sind zu wenig als wirtschaftliche Grundlage.“

Ein Dutzend Dorfläden: Derzeit gibt es etwa ein Dutzend Dorfläden im Landkreis Göttingen. Die meisten Dörfer, in denen die Projekte realisiert wurden, haben zwischen 400 und 1000 Einwohner.

Unterstützung: Über Förderprogramme der Europäischen Union kann man Geld für notwendige Investitionen bekommen. Außerdem gibt es über das Regionalmanagement eine ständige Beratung und einen intensiven Austausch zwischen allen Dorfläden. Dazu gehören gemeinsame Verhandlungen über günstigere Stromtarife und bessere Konditionen bei Großhändlern.

Keine Fahrtkosten: Die Nutzung der Dorfläden rechnet sich für den einzelnen, weil die Fahrtkosten in die Stadt beziehungsweise in den nächsten größeren Ort zum Einkaufen wegfallen. „Das sind Kosten, die oft unterschätzt werden“, sagt Berndt.

Regionale Produkte: Immer mehr Dorfläden bieten Produkte aus der Region an. Außerdem haben viele Läden inzwischen ein Bio-Angebot. Das kommt gut bei den Kunden an.

Treffpunkt im Dorf: Viele Dorfläden sind zentrale zentrale Treffpunkte im Dorf geworden. Oft gehört deshalb inzwischen ein Café dazu. (bsc)

Kontakt: Leader-Regionalmanagement Göttinger, Hartmut Berndt, Reinhäuser Landstraße 4, 37083 Göttingen, Tel. 0551/525422, E-Mail: leader@goettingerland.de

www.goettingerland.de

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