Pleite nach Griff in Theater-Kasse

Buchhalterin soll 300 000 Euro veruntreut haben: Junges Theater muss vorläufige Insolvenz beantragen

Göttingen. Drama am Jungen Theater (JT) in Göttingen: Wegen offenbar massiver Betrügereien einer Buchhalterin ist das Theater in eine Existenz bedrohende finanzielle Notlage geraten.

JT-Geschäftsführer Andreas Döring hat deshalb am Freitagvormittag beim Amtsgericht Göttingen die Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt.

Die Betrügereien waren aufgeflogen, nachdem die Sparkasse ein Konto gesperrt hatte und die Gehälter nicht mehr ausgezahlt werden konnten.

Nach ersten Ermittlungen soll die Buchhalterin über einen längeren Zeitraum hinweg bis zu 300 000 Euro abgezweigt haben. Strafanzeige wegen Untreue Die Gesellschafter des Theaters haben deshalb Strafanzeige gegen die Mitarbeiterin wegen des Verdachts der Untreue erstattet.

Außerdem wurde sie mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt. Die Strafanzeige sei am Dienstag bei der Polizei eingegangen, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Hans Hugo Heimgärtner, am Freitag mit. Die Ermittler hätten daraufhin zahlreiche Unterlagen sichergestellt. Die Wirtschaftsabteilung der Strafverfolgungsbehörde prüfe jetzt die Rechtslage.

Dem Aufsichtsrat seien offenbar für die Jahre 2007, 2008 und 2009 gefälschte Jahresabschlüsse vorgelegt worden, berichtete am Freitag der Aufsichtsratsvorsitzende des Jungen Theaters, Frank-Peter Arndt. Wahrscheinlich sei auch Geld von Guthabenkonten veruntreut worden. Der Aufsichtsrat war wegen der dramatischen Entwicklung am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammengekommen.

Die Geschäftsführung unterrichtete die Mitglieder über die wirtschaftliche Notlage, die dazu geführt hatte, dass die Mitarbeiter ihre Juli-Gehälter nicht ausbezahlt bekommen haben. Auch Sozialversicherungsbeiträge wurden nicht abgeführt.

Das Amtsgericht hat jetzt einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, der in den kommenden acht Wochen die Finanzen des Theaters prüfen und ein Gutachten erstellen wird. Frühestens in zwei Monaten werde entschieden, ob das Insolvenzverfahren eröffnet werde, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Der Aufsichtsrat des Theaters hat ebenfalls eine Steuerprüfungsgesellschaft beauftragt, den aktuellen Finanzstatus und die Schadenshöhe zu ermitteln sowie zu prüfen, ob die Geschäftsführung ihren kaufmännischen Pflichten nachgekommen sei. Die Stadt Göttingen hat inzwischen ihre Zuschusszahlungen gestoppt. Der Betrag für den Monat Juli sei noch überwiesen worden, sagte Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Im August werde es jedoch keine Überweisung geben.

 Die Stadt ist mit monatlichen 49 300 Euro der größte Zuschussgeber des Theaters. Derzeit hat die Spielstätte Theaterferien. Das Junge Theater hatte bereits 2003 Insolvenz anmelden müssen.

Danach war es als gemeinnützige Gesellschaft neu gegründet worden. Um die Buchhaltung professioneller zu gestalten, war damals auch die Mitarbeiterin als qualifizierte Fachkraft eingestellt worden.

 Eine solche kriminelle Energie habe sich niemand vorstellen können, sagte Arndt. Da sich die Besucherzahlen grandios entwickelt hätten, habe man keinerlei Verdacht geschöpft. Das Junge Theater hatte 2007 sein 50-jähriges Bestehen gefeiert.

Von Heidi Niemann

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