Dramatisch: 60 Prozent der Primaten-Arten vom Aussterben bedroht

Wahnsinn: Der erst 2017 beschriebene Skywalker-Gibbon im Wald in China gehört schon zu den bedrohten Primaten-Arten. Weltweit könnten, wenn nichts zum Schutz passiert, in den nächsten 50 Jahren 75 Prozent der Primatenarten aussterben. Foto: DPZ/nh

Göttingen. In den nächsten 50 Jahren könnten weltweit 60 Prozent der aktuell vorkommenden Primaten-Affen aussterben.

Diese erschreckenden Zahlen veröffentlichte ein internationales Wissenschaftler-Team, darunter zwei Forscher vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen. Ursache sind die illegale Jagd, der verbotene Handel mit Primaten und das Roden von Wäldern.

Hintergrund dafür wiederum ist, dass die Primaten meist in Regionen mit großer Armut und mangelnder Bildung für die Bevölkerung leben. Die Menschen roden deshalb großflächig Wälder, den Lebensraum der Tiere, um landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen. Für den Transport werden Straßen durch die Urwälder gebaut.

76 Prozent aller Primaten-Arten weltweit haben bereits große Teile ihrer Lebensräume verloren, wie Prof. Dr. Eckhard W. Heymann und Dr. Christian Roos vom DPZ aus der Studie zitieren.

„Der Mensch greift immer stärker in den Lebensraum der Primaten ein und beutet natürliche Ressourcen aus“, fasst Christian Roos, Co-Autor der Studie, zusammen.

So müsse schnell etwas passieren, damit das Artensterben nicht wie vorhergesagt eintritt. Das internationale Forscherteam ruft deshalb dazu auf, das Bewusstsein für das drohende Aussterben vieler Primatenarten zu stärken und ein Umdenken einzuleiten. Ein Appell, der sich an Regierungen, Wissenschaftler, internationale Organisationen, die Wirtschaft und Menschen allgemein richtet.

Noch ist es nicht zu spät: „Goldstumpfnasen, Kattas, Java-Plumploris oder Rotkehl-Nachtaffen – Die Artenvielfalt von Primaten ist groß“, heißt es in der Studie. Die Sofortmaßnahmen könnten also greifen, müssten zunächst auf die Arterhaltung zielen, später auf die Nachhaltigkeit.

Ansetzen sollten sie beim Menschen: die Gesundheit und den Zugang zu Bildung für die regionale Bevölkerung muss verbessert werden, fordern die Forscher. Zudem müssten nachhaltige Flächennutzungspläne entwickelt werden, um Lebensgrundlagen zu erhalten, die Ernährung gewährleisten und zum Umweltschutz beitragen.

Schlimm: Auf vielen Märkten wird illegal mit Affen gehandelt. Sie werden als Haustiere oder für traditionelle Medizin verwendet. Foto: dpz/nh

Dabei seien auch die Industrieländer nicht außen vor: „Die Lebens- und Wirtschaftweise in den Industrieländern trägt zur Bedrohung von Primaten bei, denn für viele Produkte, die in den Ländern verbraucht werden, würden Lebensräume von Primaten zerstört“, sagt Eckhard W. Heymann. Arterhaltung sei eine ökologisch, kulturelle und soziale Notwendigkeit. „Wenn die nicht-menschlichen Primaten, unsere nächsten Verwandten, aussterben, dann ist das ein Alarmsignal, dass sich die Lebensbedingungen auch für Menschen sehr bald dramatisch verschlechtern“, mahnt der Forscher am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. (tko/dpz)

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