Amtsgericht Duderstadt

Dubioser Hauskauf für einen Euro: 29-Jähriger wegen Betruges angeklagt

Das Amtsgericht Duderstadt
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Das Amtsgericht Duderstadt: Dort hat ein Prozess wegen Betrugs begonnen. Angeklagt ist ein 29-Jähriger.

Weil er einen 77-jährigen Rentner beim Kauf eines Wohnhauses betrogen haben soll, muss sich ein 29-jähriger Mann vor dem Amtsgericht Duderstadt verantworten.

Duderstadt – Der Angeklagte hatte im Oktober 2018 von dem Rentner ein Grundstück mit mehreren Gebäuden in der Innenstadt von Duderstadt zum Preis von einem Euro gekauft.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Aschaffenburg stammenden Angeklagten vor, dem Verkäufer vorgetäuscht zu haben, dass das hintere Gebäude ein Schwarzbau sei und abgerissen werden müsse. Das habe er nach Rücksprache mit dem Bauordnungsamt erfahren. Der Rentner, der nach Angaben seiner als Betreuerin eingesetzten Ehefrau demenzkrank ist, habe ihm daraufhin das Objekt deutlich unter Wert verkauft. Tatsächlich habe es keine derartige Verfügung gegeben. Außerdem habe der 29-Jährige in einem späteren Zivilstreit vor dem Landgericht Göttingen falsche Angaben gemacht und dadurch einen für ihn vorteilhaften Vergleich erwirkt.

Der Angeklagte wollte zu Beginn des Prozesses keine Angaben machen. Der Vorsitzende Richter verlas daraufhin den notariellen Kaufvertrag und andere Schriftstücke. Darin ist festgehalten, dass sich ein Gebäude auf dem Grundstück in baurechtswidrigem Zustand befinde und das Bauordnungsamt den Abriss verfügt habe. Der Käufer – also der jetzige Angeklagte – habe sich verpflichtet, den Abriss auf eigene Kosten vorzunehmen.

Einige Tage vor Abschluss des Kaufvertrages hatte dieser den Rentner in einem Schreiben darauf hingewiesen, dass nicht nur der angeblich geforderte Abriss des vermeintlichen Schwarzbaus erhebliche Kosten verursachen würde. Auch die Entrümpelung sowie nötige Anschlussarbeiten für Gas und Telefon und die Beseitigung eines durch ein defektes Dach verursachten Wasserschadens würden mehrere zehntausend Euro kosten. Der 29-Jährige zeichnete zwei Optionen auf: Im ersten Fall verkauft ihm der Rentner die Immobilie für 25 000 Euro, dann müsste der Verkäufer die genannten Kosten tragen. Bei einem Kaufpreis von einem Euro würde dagegen er als Käufer für alle diese Kosten inclusive der Notargebühren aufkommen.

Vorsitzender Richter äußert Vermutung

Der Angeklagte selbst hatte geltend gemacht, dass das Grundstück nichts wert sei. Der Vorsitzende Richter stellte darauf die Frage in den Raum, warum er denn überhaupt so erpicht auf das Grundstück gewesen sei – und äußerte eine Vermutung: Der Angeklagte stand zum Zeitpunkt des Kaufvertrages aufgrund eines Urteils des Amtsgerichts Mülheim unter Bewährung und hätte als Auflage bis Ende 2018 eine Schadenswiedergutmachung von 60 000 Euro leisten sollen. „Wo sollten die 60 000 Euro auf reellem Weg herkommen?“ fragte der Richter. Sei der Angeklagte da womöglich auf die „glorreiche Idee“ gekommen, das Duderstädter „Ein-Euro-Grundstück“ zur Sicherung einer Forderung von 60 000 Euro ins Spiel zu bringen, um zu verhindern, dass die Bewährung widerrufen wird? Der Prozess wird fortgesetzt. (Heidi Niemann)

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