Hohes Niederschlags-Defizit 

Dürre als Brandbeschleuniger: Bei Erntearbeiten kann Feuer entstehen

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Hohe Feuergefahr: Ein Landwirt unterstützt bei einem Flächenbrand in der Wedemark die Löscharbeiten auf einem Getreidefeld.

Hannover/Göttingen. Wenn Metall auf Stein trifft, gibt’s oft Funken. Das passiert bei Erntearbeiten immer wieder. Die Folge können Feldbrände sein. Boden und Vegetation sind völlig ausgetrocknet.

Die lange Trockenheit und anhaltende Hitze trüben nicht nur die Ernteaussichten bei den Bauern, sondern sie erhöhen auch die Brandgefahr auf den Feldern. Das Risiko könne vor allem bei der Sommergetreideernte in den nächsten zwei Wochen sehr hoch sein, sagte Kai-Hendrik Howind von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Seit Wochen sei vielmehr Wasser verdunstet als durch Regen niedergegangen sei: „Wir haben ein Niederschlags-Defizit von etwa 200 Litern pro Quadratmeter, in einigen Regionen sind es auch 300 Liter. Boden und Vegetation sind völlig ausgetrocknet.“

Funkenschlag, wenn Schneidemesser Stein trifft

Bei den Erntearbeiten mit großen Maschinen komme es auf dem Feld oft vor, dass etwa ein Schneidemesser auf einen Stein treffe und so Funkenschlag entstehe. Auch sei das Maschinenöl sehr heiß und die Staubentwicklung hoch. All dies erhöhe das Brandrisiko.

„Ein Funke kann genügen, damit sich ein Feuer entwickelt.“ Wie bei Waldbränden könnten auch Glasscherben durch die Sonnenreflexion zum Auslöser von Bränden werden. Einige Landwirte hätten sich vorbereitet und vorsichtshalber Wasser-Tankwagen an die Erntefelder gestellt.

Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) warnte, dass bei den aktuellen Witterungsverhältnissen bereits eine fahrlässig weggeworfene, glimmende Zigarette genüge, um die Natur in Brand zu setzen. „Vegetationsbrände können sich rasend schnell ausbreiten und etwa Getreidefelder komplett vernichten“, sagte Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV).

Auch dem Feuerwehr Flugdienst (FFD) des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen, dessen eigentliche Aufgabe der Waldbrandschutz ist, fallen verstärkt Feldbrände auf. „Das sind nicht nur Stoppelfelder, sondern auch noch nicht abgeerntete Felder“, sagte Rainer Pflugradt, der den Luftstützpunkt in Hildesheim leitet. „Durch die Trockenheit ist die Brandgefahr schon extrem hoch.“

Maschinen sorgen für Entstehung von Feuern

Doch manchmal sorgen auch die Maschinen selbst für die Entstehung von Feuern: So löste am Freitagabend der Brand in einer landwirtschaftlichen Zugmaschine bei Bad Münder einen größeren Flächenbrand aus. Viele Einsatzkräfte waren mehrere Stunden zur Brandbekämpfung im Einsatz.

Der Fahrer eines Traktors mit angehängter Strohballenpresse hatte während der Arbeiten auf einem abgeernteten Getreidefeld bemerkt, dass Flammen aus dem Motorraum schlugen. Der Fahrer versuchte noch, das Gespann vom Feld zu fahren, was ihm jedoch nicht gelang. Die Zugmaschine brannte aus. Verletzt wurde niemand.

Die Flammen setzten durch Funkenflug die bereits abgesetzten Rundballen und angrenzende Stoppelfelder in Brand. Das Feuer breitete sich so schnell über eine größere Fläche aus. Feuerwehren aus zwei Landkreisen bekämpfen mehrere Stunden lang die Flammen.

Wegen der starken Rauchentwicklung und für den Pendelverkehr der Feuerwehrfahrzeuge zur Löschwasserversorgung musste die Bundesstraße 442 gesperrt werden. Der Sachschaden ist immens und wird auf 150.000 Euro geschätzt. (dpa/lni/tko)

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