Ehemaliges Konzentrationslager Ellrich-Juliushütte

Würdevolle Sammelgräber für von Nazis ermordete Menschen

+
Jens-Christian Wagner (rechts) und Landesarchäologe Henning Haßmann neben einem Gedenkstein des ehemaligen KZ-Sammellagers Ellrich-Juliushütte.

Auf dem Gelände des ehemaligen KZ Ellrich-Juliushütte in der Gemeinde Walkenried sollen 75 Jahre nach Kriegsende zwei Sammelgräber würdig gestaltet werden.

Ellrich-Juliushütte war eines der größten Konzentrationslager in Mittel- und Nordwestdeutschland. Weil es an der innerdeutschen Grenze lag, wurden die nationalsozialistischen Verbrechen an diesem Ort Jahrzehnte nicht aufgearbeitet. Fast 75 Jahre nach Kriegsende sollen nun zwei Sammelgräber würdig gestaltet werden. Das eine sei erst vor Kurzem anhand neu aufgetauchter Fotos entdeckt worden, sagte der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner, am Donnerstag.

Der Bundesgrenzschutz sprengte 1964 auf westlicher Seite das ehemalige Krematorium. Im Areal rund um dieses Gebäude, das zur Gemeinde Walkenried gehört, liegen die Überreste von mehr als 1000 Häftlingen, deren Leichen im März 1945 verbrannt wurden. Von 830 Toten sind die Namen bekannt. In enger Abstimmung mit Überlebendenverbänden aus Frankreich, Belgien und Polen soll jetzt an diese Opfer des Nazi-Regimes erinnert werden.

Die baulichen Überreste des ehemaligen KZ seien nach 1945 von Ost- und Westdeutschen zerstört worden, sagte Historiker Wagner, der im Wallstein Verlag ein Buch über das Lager veröffentlicht hat. „Statt einer Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit gab es gegenseitige Schuldzuweisungen der beiden deutschen Staaten.“ In Frankreich gelte Ellrich als eines der grauenhaftesten Konzentrationslager, in das viele französische Widerstandskämpfer deportiert wurden.

Die neu aufgetauchten Fotos, die zu dem Sammelgrab führten, stammen von einem amerikanischen Soldaten. Sie zeigen sie eine Verbrennungsstelle. „Der Göttinger Kreisarchäologe hat diese Stelle lokalisiert“, so Wagner. „Direkt unter der Grasnarbe ist dort immer noch alles voll mit Knochen.“

Federführend für die Gestaltung der Gräber sind jetzt die niedersächsische Gemeinde Walkenried und die thüringische Stadt Ellrich. Weil es sich um Kriegsgräber handelt, erhalten sie dafür Mittel vom Bund.  (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.