Viel Leerlauf bei Show

Ehrlich-Brothers in der Göttinger Lokhalle: Ein gebrauchter Abend

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Illusionisten: Die Ehrlich Brothers, Andreas (links) und Christian Ehrlich, traten am Donnerstag in der Göttinger Stadthalle mit ihrer aktuellen Show „Faszination“ auf.

Göttingen. Nein, das neue Programm „Faszination“ der Ehrlich Brothers riss die Zuschauer in der ausverkauften Lokhalle am Donnerstag nun wahrlich nicht von den Sitzen.

Artiger Applaus für ihre Zauber- und Illusionsnummern, mehr hatten sich die beiden Brüder auch nicht verdient. Ihre Show war einfach nur langweilig, weil die beiden zu viel Leerlauf produzierten.

Beispiel gefällig? Für seinen Zaubertrick, einen Zehn-Euro-Schein eines Zuschauers in einen Fünf-Euro-Schein und dann noch in einen 50-Euro-Schein zu verwandeln, benötigte der jüngere der Brüder, Chris, etliche Minuten – ein Brüller war dieser Trick nicht.

Auch mit der Nummer, seinen Bruder zu schrumpfen, ihn sodann auf einer Streckbank in normale Körpergröße zu ziehen, erreichte auch nur einen müden Effekt. Auch der Trick, ein durchgeschnittenes Seil immer wieder zu einem ganzen Seil und umgekehrt werden zu lassen, ist so neu nicht.

Bei fast jeder ihrer Nummern holten sich die Ehrlich Brothers Leute aus dem Publikum. So auch Schwiegermütter, die die beiden durch Teleportation von der Bühne in die Mitte der Lokhalle versetzen lassen wollten. Die Schwiegermütter mussten flink sein, um schnell von der Bühne zu kommen und mit einem Glas Prosecco an dem Ort zu sein, der ihnen wohl vorgegeben war – am Ende völlig misslungen, da so offensichtlich durchschaubar. Misslungen auch die Nummer, in der Andreas und Chris Ehrlich einen Kollegen entlarven wollten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, hinter die Kulisse von Zaubertricks zu schauen. Als dann auch noch Chris ein Löwenkostüm anziehen sollte, mutierte diese Nummer endgültig zur Lachnummer.

Dass auch noch der ältere der beiden, Andreas, seinen Bruder mit Anmachsprüchen immer mal wieder zum „Doofi“ stilisierte, setzte der Peinlichkeit die Krone auf. Immerhin war der Trick, aus einem Spielzeugtruck einen Monstertruck werden zu lassen, vom Visuellen her beeindruckend. Damit endete der erste Teil.

Eine geschlagene halbe Stunde dauerte die Pause. Zweck des Ganzen: Die Zuschauer sollten sich so viel wie möglich am Merchandising-Stand bedienen. Man konnte den Eindruck nicht loswerden, dass am Ende der Verkauf von Ehrlich Brothers- Utensilien wichtiger und die Zaubershow zur Nebensache geriet, schmückendes Beiwerk war.

Gemenschelt hat es indes auch. Da erfuhr der Zuschauer, dass der Vater der beiden vor dreieinhalb Jahren an Leukämie gestorben ist. Ein „Danke“ an ihren Vater formten die beiden mit Drähten. Und was für ein toller Vater Andreas für seine drei Kinder ist, erfuhren die Zuschauer auch von ihm persönlich. „Ich versuche, mindestens drei bis vier Tage in der Woche bei meiner Familie zu sein“, erzählte Andreas. Wen interessierte es wirklich?

Beeindruckender Trick

Gleichwohl beeindruckend der Zaubertrick von Andreas, Münzen durch eine Glasplatte nach unten, aber auch nach oben drücken zu können. Das Durchsägen von Andreas in zwei Körperhälften durfte naturgemäß auch nicht fehlen. Optisch sicherlich perfekt, aber auch nichts großartig Neues.

Alles in allem ein verschenkter Abend, der dann auch noch im Schnitt mehr als 60 Euro gekostet hat. Und so verließen die meisten Zuschauer die Göttinger Lokhalle mit einem eher mürrischen Gesicht. 

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