Eibisch und Fenchel statt Mais für Biogasanlagen

Wildpflanzen auf den Acker: Phillip Kaufmann bringt die Samen der Spezialmischung mit einer Drillmaschine in den Boden.
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Wildpflanzen auf den Acker: Phillip Kaufmann bringt die Samen der Spezialmischung mit einer Drillmaschine in den Boden.

Landkreis Göttingen. In einem Feldversuch wird jetzt getestet, ob Wildpflanzenmischungen eine wirtschaftliche Alternative für Mais in Biogasanlagen sind. Dafür wurde zwischen Lippoldshausen und Hedemünden ein 20.000 Quadratmeter großes Feld mit einer speziellen Biogas-Wildpflanzenmischung bestellt.

Hintergrund der Aktion: Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer hatte die Möglichkeit des Einsatzes von Wildpflanzen bejaht. Der Göttinger Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner ist anderer Ansicht (wir berichteten).

„Wir sind immer interessiert und offen für neue Ideen, wir wollen eigene Erfahrungen sammeln und begrüßen daher grundsätzlich neue Ansätze“, erklärt Landwirt Claus Baumgärtel aus Hilwartshausen, der seinen Acker für den Versuchsanbau des Projektes „Energie aus Wildpflanzen“ der Bioenergie-Regionen Göttinger Land und Wendland-Elbetal bereitgestellt hat. Drei Landwirte mit zusammen 15 Hektar machen im Landkreis Göttingen mit. Am Mittwoch soll das Projekt in Gieboldehausen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Ziel ist es, alternative Energiepflanzen für die Biogasanlage anzubauen, die einen angemessenen Energieertrag liefern und gleichzeitig zur Artenvielfalt in der Landwirtschaft beitragen.

Eine spezielle Förderung erhält Landwirt Baumgärtel nicht, dafür wurde ihm das Saatgut zur Verfügung gestellt. Die ausgesäte Wildpflanzenmischung sei ganz sicher eine Bereicherung für die Insektenwelt, Vögel sowie für Rehe und Hasen. Er gehe aber nicht davon aus, dass „die Ernteerträge in die Nähe von Mais“ kommen werden. Am Ende sei es aber immer der wirtschaftliche Erfolg, der zähle, wenn etwas flächendeckend umgesetzt werden soll. Ansonsten bleibe es bei einem Pilotprojekt. In unmittelbarer Nähe von Baumgärtels Acker wurden in Lippoldshausen zudem an Maisfeldern so genannte Blühstreifen angelegt. Auch diese Ansaaten, in denen sich Borretsch, Öllein, Sommerwicken, Erbsen, Ringelblume und Malve befinden, sollen Vielfalt für die Tierwelt ins Feld bringen.

20 verschiedene Arten 

Die Biogas-Wildpflanzenmischungen enthalten sogar bis zu 20 verschiedene Arten, die in ihrer Kombination einen guten Energieertrag liefern und zugleich einen ökologischen Nutzen bieten sollen. So sind unter anderem Echter Eibisch, Schwarze Flockenblume, Luzerne, Fenchel, Sonnenblume, Echter Alant und die Kleinblütige Königskerze in der Mischung zu finden. Die lange Blühsaison der verschiedenen Arten hilft Honigbienen und anderen Insekten, bis in den Spätsommer hinein Pollen und Nektar zu finden. Damit bieten sich auch Feldvögeln Nahrungsquellen. Die Mischung ist winterhart, schlägt im nächsten Jahr wieder aus und kann somit mehrjährig genutzt werden. (phl)

Anbau ist Projekt der Bioenergie-Regionen Göttinger Land und Wendland-Elbetal 

Der Wildpflanzenanbau wird als gemeinsames Projekt der Bioenergie-Regionen Göttinger Land und Wendland-Elbetal organisiert. Im Mittelpunkt stehen der Austausch und die praktischen Erfahrungen der Energiewirte mit den Kulturen in den beiden Regionen.

Neben den Arbeitsabläufen stehen die Effekte auf die Biogasanlage im Vordergrund. Messungen sollen Auskunft geben über Biomasse- und Gasertrag, auftretende Probleme wie unerwünschte Wildkräuter oder Krankheiten werden an bundesweit tätige Forscher sowie die Landwirtschaftskammer weitergegeben.

So sollen entsprechende Schlussfolgerungen für die weitere Entwicklung gezogen werden. Die aktuellen Versuche finden in Kooperation mit der Bayerischen Landanstalt für Weinbau und Gartenbau statt, die das bundesweite Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ seit Jahren leitet und umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu verschiedenen Aspekten der Wildpflanzenkulturen durchführt. (phl)

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