Göttinger Parlamentarier sieht Land am Scheideweg

CDU-Abgeordneter Güntzler zur Corona-Krise: „Das Testen bietet Sicherheit“

Bei seinem Besuch im Corona-Testzentrum der Schwan-Apotheke in Duderstadt unterzog sich Fritz Güntzler selbst einem Schnelltest.
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Bei seinem Besuch im Corona-Testzentrum der Schwan-Apotheke in Duderstadt unterzog sich Fritz Güntzler selbst einem Schnelltest.

Die unendliche Reihe „Fritz on Tour“ führte den Göttinger Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU) in das Corona-Schnelltestzentrum der Schwan-Apotheke in Duderstadt.

Göttingen/Duderstadt – Dabei informierte er sich im Gespräch mit Apotheker Frank Germeshausen über die neuen Aufgabengebiete und die Arbeit in den örtlichen Apotheken.

Wir sprachen mit Fritz Güntzler über die die Teststrategie´, Corona-Situation und das Scheitern Göttingens als Modellkommune für eine Lockerungstrategie.

Herr Güntzler, was hat Ihnen Apotheker Frank Germeshausens in Ihrem Gespräch berichtet?
Nach seiner Aussage werden die Testungen sehr gut angenommen und den bürokratischen Aufwand dafür beschreibt er als verhältnismäßig. Dies ist für mich eindeutig ein positives Signal, da durch das breitflächige Angebot mit den örtlichen Apotheken die Hürde zum Testen geringer ist und auch eine Entlastung der Testzentren erfolgt. Die gute Nachfrage ist auch ganz klar ein Zeichen für die mittlerweile so oft in Frage gestellte Bereitschaft vieler Menschen, sich und andere vor einer Infektion zu schützen.
Wie stehen Sie allgemein zum Testen und zu den Testzentren?
Sehr positiv. Testen bietet trotz der Momentaufnahme Sicherheit und Gewissheit für die Tagesorganisation. Es schützt im Zweifelsfall Verwandte, Arbeitskollegen und jeden nicht vermeidbaren Kontakt. Ich finde, es macht den Umgang auch wieder etwas unbeschwerter.
Haben Sie Verbesserungsvorschläge?
Eine umfängliche Ausweitung der Teststrategie. Vor allem auf freiwilliger Basis, aber mit einer konsequenten Umsetzung im Berufsalltag.
Sind wir Ihrer Meinung nach auf dem Weg aus der Corona-Krise?
Wir befinden uns derzeit in der dritten Welle. Wir stehen an einem Scheideweg. Auf die nächsten Tage kommt es an. Der Weg aus der Krise ist maßgeblich vom Impffortschritt abhängig. Und da geht es jetzt kräftig voran.
Wie stehen Sie zu Tests in den Unternehmen?
Die Unternehmerverbände wollen keine gesetzliche Verpflichtung zum Testen, stellen sich aber Eigenverantwortlichkeit und einer Selbstverpflichtung. So sollte es in Unternehmen generell auch sein. Im Zweifel sollte ja ohnehin Home-Office möglich sein. Das aber stößt an Grenzen. Und an dieser Stelle spielen Schnelltests eine wichtige Rolle, können mehr Sicherheit vor Infektionen bieten – immer aber in Kombination mit geltenden Corona-Regeln plus Abstand und Mund-Nase-Bedeckung. Überhaupt sollte jeder Bürger für sich immer bei Kontakten auch im Privaten hinterfragen: Gehe ich dahin? Ist das notwendig – oder bleibe ich lieber zu Hause?
Sind sie überrascht, dass Göttingen nicht zu den 13 Modellkommunen zählt, aber Hann. Münden?
Die Göttinger Verwaltung hat halt ein schlechtes Konzept eingereicht. Hann. Münden war da besser. Unverständlich finde ich den Alleingang des Bürgermeisters dort. Ein solches Konzept muss breit getragen werden.
Was halten Sie bei den aktuellen Fallzahlen generell von Modellkommunen?
Ich bin da zwiegespalten. Einerseits ist die aktuelle Entwicklung der Neuinfektionen besorgniserregend. Die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-Patienten steigt unablässig. Die Überlastung unseres Gesundheitssystems und vor allem auch des am Limit arbeitenden Pflegepersonals ist auf jeden Fall zu vermeiden.
Und andererseits?
Modellprojekte bieten auch die Chance, Strategien mit Corona umzusetzen. Dafür müssen die Inzidenzen aber auch jeweils niedrig sein. Nach über einem Jahr Pandemie-Einschränkungen sind Modellprojekte ein Versuch, Öffnungen möglichst sicher zu gestalten. Ich hoffe, dass der Versuch nicht nach hinten los geht. Nach Wochen der Kontaktbeschränkungen ist dies ein Weg zu kontrollierten Kontakten. (Per Schröter und Thomas Kopietz)

Zur Person: Fritz Güntzler

Fritz Güntzler (54) ist gebürtiger Cuxhavener. Seit 2013 ist er Bundestagsabgeordneter für die CDU, Mitglied im Finanz- und im Sportausschuss. Der Diplom-Kaufmann arbeitet als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Güntzler hat auch ein Kreistagsmandat. Güntzler ist verheiratet mit Wibke und hat zwei erwachsene Söhne, mit ihnen teilt er die Leidenschaft für den Fußball und die Schiedsrichterei.

Karte: Die Modellkommunen für Öffnungen in Niedersachsen

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