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Eichsfeld trauert um den früheren Papst Benedikt

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Von: Bernd Schlegel

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Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Etzelsbach am 23. September 2011: Dort feierte er eine Freiluftmesse mit 90 000 Gläubigen.
Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Etzelsbach am 23. September 2011: Dort feierte er eine Freiluftmesse mit 90 000 Gläubigen. © Michael Kappeler/dpa

An den Besuch des früheren Papstes im Eichsfeld denken viele Christen zurück – gerade jetzt nach dem Tod von Benedikt XVI.

Etzelsbach/Duderstadt – Nach dem Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. trauern viele Eichsfelder um den früheren Pontifex, der im September 2011 den Wallfahrtsort Etzelsbach südlich von Duderstadt besucht hatte.

Im Obereichsfeld hatte der damalige Papst eine Freiluftmesse mit 90.000 Gläubigen gefeiert, die vielen Christen immer noch gut im Gedächtnis ist. „Er hat nicht nur die Katholiken, sondern alle Christen in der Diaspora Ostdeutschlands in ihrem Glauben bestärkt“, sagte der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr.

Bischof: Kirche verliert großen Theologen

Die katholische Kirche verliere einen großen Theologen, sagte Neymeyr laut Mitteilung. In seiner Lehrtätigkeit als Universitätsprofessor, als Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst habe er die Wahrheit des katholischen Glaubens allgemeinverständlich in großartigen Formulierungen zum Ausdruck gebracht. Der emeritierte Papst war am Samstagmorgen im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan gestorben. Der gebürtige Bayer wurde 95 Jahre alt.

Ganz ähnlich äußerte sich der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer zu Tod des früheren Papstes: „Mit ihm verliert die katholische Kirche in Deutschland und in der ganzen Welt einen hervorragenden Repräsentanten mit enormer Geisteskraft. Wir alle verlieren eine ausgezeichnete Persönlichkeit, ein Vorbild im Glauben, einen großen Theologen und feinsinnigen Menschen. Gleichzeitig dürfen wir dankbar sein, dass unser Herr ihm ein so langes und überaus fruchtbares Leben im Dienst unserer Kirche geschenkt hat“, sagte er Bischof.

Besuch wiederbelebt Interesse am Eichsfeld

Noch heute erinnern sich die Gläubigen im Eichsfeld und darüber hinaus an den Besuch in Etzelsbach im Jahr 2011. Das Ereignis hatte das Interesse an dieser hügeligen, mit kleinen Fachwerkhäusern durchzogenen katholischen Enklave, die einst von der innerdeutschen Grenze durchzogen war, wiederbelebt. Es ist eine der größten Regionen in Ostdeutschland, die mehrheitlich von Katholiken bewohnt wird.

Ankunft in Etzelsbach: Mit dem Papamobil fuhr Benedikt XVI. damals durch die Reihen.
Ankunft in Etzelsbach: Mit dem Papamobil fuhr Benedikt XVI. damals durch die Reihen. © Julian Stratenschulte/dpa

Entstanden ist dieser Sonderfall vor mehreren Jahrhunderten, als die Region zum Fürstbistum Mainz gehörte. Trotz zweier Diktaturen und einer überwiegend konfessionslosen Bevölkerung in den neuen Bundesländern hielt sich die katholische Enklave über die Jahrhunderte. Noch heute befinden sich elf Wallfahrtsorte im Eichsfeld, die Anzugspunkt vieler Gläubiger sind.

Vor allem die Zahl der Touristen ist nach dem Papstbesuch gestiegen. Allerdings ist für viele Verantwortliche die Wallfahrtsorte im Eichsfeld, vor allem die idyllische Etzelsbach-Kapelle mit dem Lindenhain, sollten Orte der Ruhe und Andacht bleiben. Da sind sich der Touristikverband und auch das Bistum Erfurt einig.

Wallfahrten in Etzelsbach

Das spiegelt sich in den Wallfahrten wider, die jedes Jahr in Etzelsbach stattfinden: So entstand eine Kinderwallfahrt aus einer Idee aus der Arbeit mit Kindern in der „Frohen Herrgottstunde“ der Gemeinde Westhausen. Das Treffen wird von Marie-Luise Rhode aus Westhausen angeboten und findet seit Februar 2007 statt.

Noch bekannter ist eine Pferdewallfahrt. Seit mehr als 350 Jahre führen Bauern ihre Pferde um die Etzelsbachkapelle. Sie erbitten die Fürsprache der Gottesmutter und Gottes Segen für ihre Tiere. Der Ursprung dieses Brauches liegt im Dunkeln, seit dem 17. Jahrhundert ist er nachweisbar.

Weitere Informationen zur Wallfahrtskapelle Etzelsberg gibt es hier. (Bernd Schlegel, mit lni)

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