Kontrollstelle Teistungen ist jetzt ein Museum

Früherer Grenzübergang bei Duderstadt: Schlupfloch für Millionen Reisende

Die frühere Grenzübergangsstelle Teistungen
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Bollwerk bei Fluchtversuchen an der Grenzübergangsstelle Teistungen: die Straßenschnellsperre an der B 247 (bis 1990: F 247), im Hintergrund der Mühlenturm, in der die Befehlsstelle untergebracht war.

Die Grenzkontrollstelle Teistungen zwischen Duderstadt und Worbis war einst ein wichtiger Übergang zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Heute ist dort ein Museum zu finden.

  • 1973 wurde bei Duderstadt ein Grenzübergang zwischen der Bundesrepublik und der DDR eröffnet.
  • Etwa sechs Millionen Reisende passierten die Kontrollstelle bis 1989.
  • Heute ist dort das Grenzlandmuseum Eichsfeld zu finden.

Teistungen – Die Erbauer der Grenzübergangsstelle Teistungen wollten Anfang der 1970er-Jahre auf Nummer sicher gehen: Wenn es Kraftfahrzeugen tatsächlich gelingen sollte, die Kontrollen in Richtung Niedersachsen zu überwinden, konnte in Sekundenschnelle die Straßenschnellsperre auf Rollen ausgefahren werden. „Rambo“ war kaum zu überwinden.

Früherer Grenzübergang bei Duderstadt: Stahlträger ist Teil der Außenanlagen

Heute ist der rot-weiß bemalte Stahlträger Teil der Außenanlagen des Grenzlandmuseums Eichsfeld in Teistungen.

Pro Jahr zieht die Einrichtung an der B 247 etwa 60 000 Besucher an, dabei dürfte das Corona-Jahr 2020 kaum zu kalkulieren sein. An den Kraftfahrzeugen ist abzulesen, dass die Gäste aus ganz Deutschland und den Nachbarstaaten kommen.

Früherer Grenzübergang bei Duderstadt: Eröffnung war Folge des Grundlagenvertrages

Rückblende: Im Gefolge des Grundlagenvertrages zwischen der DDR und der Bundesrepublik wurde ab 1973 der Kleine Grenzverkehr zwischen Lübeck und Hof zugelassen. Bürger aus den Grenzkreisen konnten aus einem 70 Kilometer tiefen Korridor mehrmals in Jahr in die DDR-Nachbarkreise reisen. Dazu bedurfte es eines neuen Überganges, die bestehenden Kontrollpunkte Herleshausen/Wartha und Helmstedt/Marienborn waren zu weit weg.

So kam Teistungen unweit von Duderstadt zum Zuge. Und am 21. Juni 1973 öffnete sich der Schlagbaum erstmals. Bis 1989 passierten nach Angaben des Museums fast sechs Millionen Reisende die Kontrollstelle.

Früherer Grenzübergang bei Duderstadt: Sperrzone blieb unerreichbar

Der grenznahe Reiseverkehr war überwiegend eine einseitige Angelegenheit, aus dem Osten durften in der Regel nur Rentner in den Westen kommen. Und die Dörfer in der Sperrzone blieben unerreichbar.

Vereine, Kirchengemeinden und Privatperson aus Westdeutschland nutzen jedoch die Gelegenheit, um Verwandte wieder zu treffen oder touristische Ziele zu erkunden: Harz, Kyffhäuser, Thüringer Wald lockten. Vor den Grenzübertritt hatte die DDR die Bürokratie gesetzt: Visa mussten bei den Volkspolizeikreisämtern beantragt werden, es gab umständliche Kontrollen. Und es musste eine Mindestgeldmenge von 25 DM in Mark der DDR umgetauscht werden (Visagebühr: fünf DM). Das Alu-Geld durfte nicht wieder ausgeführt werden. So warfen Reisende ihre Münzen etwa in Teistungen aus dem Auto – die Kinder im Dorf freuten sich.

Früherer Grenzübergang bei Duderstadt: Freie Fahrt in den Westen

Im Gefolge der Ereignisse in Berlin wurde der Grenzübergang in der Nacht zum 10. November 1989 geöffnet – freie Fahrt in den Westen! Was sollte aus den Kontrollgebäuden werden? Eine museale Nutzung in bester Verkehrslage bot sich an. Das Grenzlandmuseum öffnete seine Türen im Jahr 1995. Auf 1000 Quadratmetern wird über die Geschichte der DDR und das Grenzregime informiert.

Im Außenbereich blieben der Mühlenturm (bis 1989 zentraler Kontroll- und Aussichtsturm), der sechs Kilometer lange Grenzlandweg und die Führungsstelle Pferdeberg erhalten. Von der Beobachtungskanzel im Mühlenturm wurden alle Sperr-, Signal- und Betriebsanlagen gesteuert.

Der „Rambo“: Damit konnte die Straße bei einem Fluchtversuch abgeriegelt werden. Er ist heute Teil der Außenanlagen des Grenzlandmuseums.

Neu erbaut wurde eine Bildungsstätte für Seminare und Vorträge. Und modern gestaltet wurde auch der Empfangsbereich des Museums. Zielgruppen der Bildungsarbeit sind Schulklassen, aber auch Einzelpersonen. In diesem Jahr mussten viele Veranstaltungen pandemiebedingt ausfallen. Doch Chefin Mira Keune ist guten Mutes, an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen zu können. (Werner Keller)

Grenzlandmuseum Eichsfeld

Info: Grenzlandmuseum Teistungen, direkt an der Bundesstraße 247, Anfahrt über Duderstadt/Gerblingerode.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Grenzlandweg ist ganzjährig geöffnet und jederzeit erreichbar.

Weitere Infos gibt es hier.

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