60. Jahrestag des Mauerbaus

Pädagoge aus dem Grenzlandmuseum: Deutsche Teilung berührt auch Migration

An der früheren Grenze: Ein Schild erinnert heute zwischen Duderstadt und Teistungen an die Teilung.
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An der früheren Grenze: Ein Schild erinnert heute zwischen Duderstadt und Teistungen an die Teilung.

Anlässlich des 60. Jahrestages des Berliner Mauerbaus am 13. August ermuntert der Pädagoge und Historiker Patrick Hoffmann junge Menschen, sich mit der Teilung Deutschlands zu beschäftigen.

Teistungen – „Das ist unsere gemeinsame Geschichte, aus der wir lernen sollten“, sagte Hoffmann.. Sie berühre brandaktuelle Themen, wie Flucht, Migration, Menschenrechte und Engagement für Demokratie. Hoffmann ist im Grenzlandmuseum Eichsfeld im thüringischen Teistungen für politisch-historische Bildung zuständig.

Jugendliche hätten mehr historisches Wissen als vielfach angenommen, sagte Hoffmann. „Wir machen die Erfahrung, dass Interesse und Vorwissen am Thema deutsche Teilung vorhanden sind. Da kann man gut ansetzen.“ Was häufig fehle, sei indes Detailwissen. „Viele junge Menschen denken zum Beispiel, dass die Grenzabriegelung erst mit dem Mauerbau kam oder sie kennen Erich Mielke nicht“, sagte Hoffmann, der in Leipzig und Prag Geschichte, Osteuropastudien und Pädagogik studiert hat.

Im Schnitt besuchten 50.000 Gäste jedes Jahr das Grenzlandmuseum. Darunter seien zahlreiche Kinder und Jugendliche, die mit ihren Eltern oder Großeltern kämen. Zudem nähmen jährlich fast 5.000 Schüler mit ihren Lehrern oder über Jugend- und Ferienfreizeiten an den Bildungsprogrammen teil.

Obwohl sich das Wissen von Schülern aus Ost und West angleiche, gebe es noch immer Unterschiede, sagte Hoffmann. „Thüringer Schüler wissen eher wofür LPG oder FDJ stehen und niedersächsische Jugendliche, wie damals der Grenzverkehr ablief.“ Auch die Nähe des Wohnorts zur ehemaligen Grenze mache sich bemerkbar. „Schüler aus Cuxhaven und Markkleeberg haben ähnlich geringe Vorstellungen von der Grenze, wenn sie zu uns kommen.“

Gute Erfahrungen hat der Pädagoge mit Projekttagen gemacht, die junge Besucher anregen, selbst zu forschen. Anderthalbstündige Expertenführungen seien dagegen kein Erfolgsrezept für historisches Lernen. „Wir sind froh, dass rund drei Viertel der Gruppen halbtags oder länger bleiben, um an Workshops, Wanderungen an der ehemaligen Grenze oder Zeitzeugengesprächen teilzunehmen.“

Wichtig sei es, zum Fragen zu animieren. Dabei kämen Fakten zutage, die Jugendliche verblüfften, sagte Hoffmann. Dazu zähle die Tatsache, dass es tatsächlich auf den kompletten 1.400 Kilometern Zäune und Türme gegeben habe.

Hoffmann kritisierte, dass die Geschichte der deutschen Teilung nicht selten als Regionalgeschichte und das Grenzlandmuseum am ehemaligen innerdeutschen Grenzübergang Duderstadt/Worbis als DDR-Museum wahrgenommen werde. „Wir sind ein außerschulischer Lernort, der das Leben mit der Teilung in Ost und West gleichermaßen behandelt“, betonte der Historiker. (Thomas Kopietz, mit epd)

Info: Das Grenzlandmuseum Eichsfeld befindet sich an der niedersächsisch-thüringischen Grenze auf dem Gelände des ehemaligen innerdeutschen Grenzübergangs Duderstadt/Worbis. Anlässlich des Jubiläums des Mauerbaus gibt es ein besonderer Programm. Die zugelassene Besucherzahl im Museum ist zurzeit begrenzt. Um die Online-Reservierung eines Zeitfensters wird gebeten. Anfragen unter: 036071/97112, service@grenzlandmuseum.de. Weitere Infos gibt es hier.

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