Filmprojekt

Schüler im Eichsfeld vor der Kamera: Videodreh am alten Grenzzaun

Schilderwechsel am Zaun: (von links) Nina Dorici, Sophie Schulze und Dion Ramadani sind bei dem Videodreh an der früheren Grenze bei Teistungen dabei.
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Schilderwechsel am Zaun: (von links) Nina Dorici, Sophie Schulze und Dion Ramadani sind bei dem Videodreh an der früheren Grenze bei Teistungen dabei.

Für ein Videoprojekt des Jungen Theaters Göttingen und des Grenzlandmuseums Eichsfeld werden Schülerinnen und Schüler des Eichsfeldgymnasium Duderstadt zu Schauspielern.

Göttingen/Teistungen – „Hinterm Horizont“ ist das Thema einer theatralischen Forschungsreise auf dem Museumsgelände. Über mehrere Wochen werden die verschiedensten Einstellungen im Bild festgehalten – der Ton kommt aus dem Off und soll nachträglich eingespielt werden. An einem der 13 Drehtage konnten die Medien dabei sein.

In dieser Woche war die elfte Klasse unter Anleitung von Theaterpädagogin Johanne Bellersen am einstigen Grenzzaun in Aktion – unweit der berüchtigten Straßenschnellsperre, die für Flüchtende bis 1989 schier unüberwindlichs Hindernis in Richtung Westen war.

„Teistungen die dritte nochmal“, lautet die Anweisung an die Mimen: Die Schüler tauschen die Warnschilder der DDR gegen zeitgenössische Hinweistafeln auf: Es gilt, auf Grenzen überall in der Welt hinzuweisen, zum Beispiel zwischen Nord- und Südkorea. Die Schilder wurden von der Klasse vorbereitet.

Nach den Worten von Patrick Hoffmann (pädagogischer Mitarbeiter Grenzlandmuseum) sind die Gymnasiasten mit großem Engagement bei der Sache: „Es macht ihnen sichtlich Spaß.“

Im Hintergrund steht die Auseiandersetzung mit der Geschichte der Teilung und ihrer Gegenwart in der deutschen Einheit. Mit unterschiedlichen Ansätzen werden die Aspekte Freiheit, Flucht, Kontrolle, Macht und Identität bearbeitet.

Drehpause: Theaterpädagogin Johanne Bellersen und Kameramann Torsten Thranow beraten über die nächste Szene.

Nur ein Bruchteil der Aufnahmen wird am Ende verwertet, viele Einstellungen müssen mehrfach gedreht werden, bis die Szene im Kasten ist und den Ansprüchen der Experten genügt. Schauplätze werden weitere Stationen der früheren Grenzkontrollstelle sein, so die Zollabfertigung: Dort werden Ausweis- und Gepäckkontrolle nachgestellt. Daran werden die meisten Reisenden eher düstere Erinnerungen haben.

Gefördert wird das Projekt von der Bundesstifung Aufarbeitung. Premiere für den Video-Spaziergang soll im Oktober sein.

Seit fast genau eine Monat hat das Grenzlandmuseum nach der Corona-Zwangspause wieder für Besucher geöffnet. „Es läuft langsam an“, sagte Patrick Hoffmann in einer ersten Bilanz. Die Resonanz auf den Neustart sei zufriedenstellend.

Sein Kollege Sommerfeld von der Rezeption weiß, dass vorige Woche 416 Besucher kamen. Damit liegt man unter den Zahlen vor der Pandemie: „Da ist noch Luft nach oben.“ Für den Museumsbesuch gelten Pandemieregeln. Voranmeldung via Internet sind erwünscht, aber nicht zwingend.

Auch Spontanbesuche sind möglich. Es gelten Abstands- und Maskenpflicht. Weitere Infos gibt es hier. (Werner Keller)

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