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Tierschutzeinrichtung in Worbis: Refugium auch für Bären aus Kriegsgebiet

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Von: Thomas Kopietz

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Zwei „neue“ Bewohner: Die Braunbären Popeye und Asuka wurden aus der Ukraine nach Worbis ins Eichsfeld gebracht und fühlen sich dort im Bärenpark bereits sichtlich wohl.
Zwei „neue“ Bewohner: Die Braunbären Popeye und Asuka wurden aus der Ukraine nach Worbis ins Eichsfeld gebracht und fühlen sich dort im Bärenpark bereits sichtlich wohl. © Gregor Mühlhaus

Der Bärenpark im Eichsfeld wächst weiter. Außerdem hat die Tierschutzeinrichtung in Worbis, die auch über Ostern geöffnet ist, zwei neue Bewohner.

Worbis – Der Bärenpark in Worbis wird erweitert. Außerdem kann die Tierschutzeinrichtung im Obereichsfeld zwei neue Bewohner begrüßen – sie kamen aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine ins Eichsfeld und sind im Park zu sehen, der auch am Osterwochenende geöffnet hat.

Nach etwas mehr als sechs Monaten Bauzeit ist der Alternative Bärenpark Worbis deutlich größer worden. „Der Abschnitt eins des Erweiterungsbaus nordwestlich des Bärenparks ist bis auf Restarbeiten fertiggestellt. Es müssen noch Kameras installiert werden“, sagt Parkleiterin Sabrina Schröder. Damit kommen zu den fünf Hektar Fläche weitere dreieinhalb Hektar, die die Stadt Leinefelde-Worbis dem Bärenpark bereitstellte. Auf dem neuen Gelände, das 600 Meter entlang an der alten B 247 Richtung Wintzingerode verläuft, sollen Bären sowie verletzte und verwaiste Wölfe und Luchse ein neues Zuhause finden. Bis 2023 soll entlang des Wanderweges am neuen Areal ein Lehrpfad errichtet werden, wie Schröder sagt.

In weiteren zwei Bauabschnitten ist die Vergrößerung des Bärenparks auf 30 Hektar Fläche geplant, was einer Fläche von 40 Fußballfeldern entspricht. Damit wäre der Alternative Bärenpark Worbis die größte Auffangstation für Bären, Luchse und Wölfe in Deutschland. Die Kosten für den fertiggestellten Abschnitt betragen 1,3 Millionen Euro. Davon übernahm das Thüringer Umweltministerium eine Million; 300 000 Euro brachte der Bärenpark auf.

Der Bärenpark ist um dreieinhalb Hektar gewachsen: Parkleiterin Sabrina Schröder freut sich.
Der Bärenpark ist um dreieinhalb Hektar gewachsen: Parkleiterin Sabrina Schröder freut sich. © Gregor Mühlhaus

Außerdem freut sich die Einrichtung über zwei neue Bewohner: Die Bären Popeye und Asuka haben sich bereits in der Eingewöhnungsstation eingelebt. Die beiden Braunbären waren Mitte März in einer nervenaufreibenden Hilfsaktion aus dem Krisengebiet um Lwiw in der Ukraine geholt worden.

Die Mitarbeiter der Stiftung für Bären hatten einen Hilferuf bekommen, weil eine Einrichtung in der Ukraine, die Wildtiere beherbergte, auch Ziel der Kriegshandlungen werden könnte. Ein fünfköpfiges Team unter der Leitung der Tierschützer Rüdiger Schmiedel und Bernd Nonnenmacher startete die Rettungsaktion.

Das Team teilte sich auf. Während die Leiterin des Bärenparks Worbis Sabrina Schröder mit ihren Kollegen Heike Lindemann und Christopher Schmidt ihr Lager nahe der Grenze aufbauen, brachen Nonnenmacher und Schmiedel ins Kriegsgebiet auf. Es war „eine surreale Fahrt durch die Region Lwiw. Militär und Milizen waren an jeder Ecke präsent“, berichteten sie. Doch sie hatten Glück – es blieb ruhig, sie kamen unbeschadet in Domazhyr an und konnten die Tiere entgegennehmen, den Transport starten. Auf ihrer Rückreise zurück in die EU wurden sie „Opfer bürokratischen Wahnsinns“, wie sie sagen: 13 Stunden vergingen, ehe sie die Grenze endlich passieren konnten. Erst danach trafen sie wieder auf ihre Kollegen und traten den langen Rückweg an.

Nach drei Tagen im Ungewissen, zwei schlaflosen Nächten und mehr als 2000 Kilometer brachten sie drei Bären aus der Ukraine schließlich nach Deutschland. Die beiden einjährigen Braunbären Popeye und Asuka, werden vorerst im Thüringer Tierschutzprojekt der Stiftung für Bären bleiben. Die Kragenbärin Malvina findet im Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutz Bundes ein neues Zuhause. Die aufwändige Aktion war eine Zusammenarbeit zwischen der Stiftung für Bären, White Rocks Shelter, Bears in Mind Netherlands, Vier Pfoten, dem Deutschen Tierschutzbund und der polnischen Koordinatorin Agnieszka Sergiel.

Drei Tage bis zur Ankunft im Eichsfeld: Die fachkundigen Helfer brachten drei Bären aus der Ukraine im Transporter und Boxen nach Deutschland.
Drei Tage bis zur Ankunft im Eichsfeld: Die fachkundigen Helfer brachten drei Bären aus der Ukraine im Transporter und Boxen nach Deutschland. © Bärenpark/nh

Bernd Nonnenbacher sagte hinterher unter dem Eindruck des Erlebten: Mit Schrecken wurden wir Zeuge, welches unfassbares Leid – sowohl bei Tier als auch beim Menschen – dieser schreckliche Krieg verursacht. Aber es ist bemerkenswert, welcher Zusammenhalt in dieser Krise entsteht. Unter Einsatz des eigenen Lebens wird Hilfe geleistet.“ Für Nonnenbacher ist es „überragend“, was möglich ist, wenn Tierschutzorganisationen Hand in Hand und unter enormen Druck zusammenarbeiten. „Wir bedanken uns bei den beteiligten Organisationen und stehen in vollster Solidarität mit dem ukrainischen Volk, hoffen von Herzen, dass dieser furchtbare Krieg ein baldiges Ende findet.“ (Gregor Mühlhausen/Thomas Kopietz)

Infos: Der Alternative Bärenpark Worbis ist bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt neun Euro. Weitere Infos gibt es hier.

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