Eine Frage des Geschicks

Flipper-Weltmeisterschaften: Göttinger wird Vierter

Konzentriert bei der Sache: der 23-jährige Nico Wicke aus Göttingen in seinem Wohnzimmer. Vor kurzem wurde er Vierter bei den Weltmeisterschaften im flippern. Foto:  Wüstefeld
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Konzentriert bei der Sache: der 23-jährige Nico Wicke aus Göttingen in seinem Wohnzimmer. Vor kurzem wurde er Vierter bei den Weltmeisterschaften im flippern.

Göttingen. Als ein Nischendasein beschreibt Norbert Resow die Flipperszene in Göttingen. Stand früher noch in jeder Kneipe ein Gerät - „das gehörte einfach zum guten Ton“ -, sind es in Göttingen heute noch zwei, in denen geflippert werden kann: in der S-Bar und im DejaVue.

Schlechte Voraussetzungen also, um der Leidenschaft des Flipperns in der Universitätsstadt nachzugehen - wäre da nicht 23-jährige Nico Wicke aus Göttingen. Denn der hat vier Flipper in seinem Wohnzimmer stehen und lässt Resow und andere „Flipperidealisten“ aus dem Raum Göttingen daran spielen. Und gut mit den Geräten umgehen kann er auch: er ist in diesem Jahr Vierter bei den Weltmeisterschaften im Flippern in Echzell in der Nähe von Frankfurt am Main geworden, als bester Deutscher.

Teilnahme über Wild-Card

„Damit hätte keiner gerechnet“, sagt Wicke, „ich habe mich als letzter für den Wettkampf auf internationaler Ebene qualifiziert.“ 63 der 64 Startplätze waren über die jeweils zwei besten Spieler von 19 Nationen und den guten Plätzen auf der Weltrangliste vergeben, nur ein Starter sollte über eine Wild-Card an dem Turnier teilnehmen können.

Als Zwölfter auf der deutschen Rangliste hatte sich Wicke keine Chancen auf einen Sieg bei dem Turnier ausgerechnet, auf dem die Wild-Card vergeben wurde - zu Unrecht. Dennoch ging er wohl als Außenseiter in die Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr zum ersten Mal in Deutschland stattfand. Neben einem Quäntchen Glück hat ihn dann aber vor allem sein Können und eine gute Konzentration auf einen der vorderen Plätze gebracht, denn „flippern ist kein Glücksspiel“, betont Wicke.

Geschicklichkeit gefragt

Durch jahrelanges Üben habe er ein Gefühl dafür bekommen, wann er mit welcher Intensität wo die silberne Kugel treffen muss. So kann man den Weg der Kugel genau vorhersagen. „Das ist ein Geschicklichkeitsspiel“.

Und auch, wenn es vorrangig darum geht, Punkte zu sammeln: Der Flipper ist nach Themen aufgebaut, momentan dominiert die Filmwelt das Gerät. „Es geht dann zum Beispiel darum, eine Frau vor einem Monster zu retten“, erklärt Nico und schmunzelt. Neben Avataren und Mitgliedern der Addams Family sind aber auch die Rolling Stones zu sehen.

Die älteren Geräte gefallen ihm dabei besser als die Neuen: „Die sind schwieriger zu spielen, bei den Neuen kann ich eine Kugel Stunden halten“, erklärt Wicke, „die alten haben einfach eine schönere Atmosphäre.“ Günstig ist das Hobby des Auszubildenden nicht: Die neuen Modelle kosten bis zu 6000 Euro, und auch die älteren steigen, sofern sie gut gepflegt sind, in ihrem Wert.

Wer im Raum Göttingen Interesse am flippen hat, kann eine Mail an microsiebert@web.de schicken.

Organisiert in Ligen

Flippern ist in Ligen organisiert. Die sind bei der GPA (German Pinball Association), früher Verein Deutscher Flipperfreunde, gelistet. In jeder Liga können Turniere veranstalten werden, zudem gibt es jährlich ein Ligafinale.

Weiter gibt es zweimal im Jahr eine Deutsche Meisterschaft: Im Frühjahr können auch Flipper-Begeisterte aus anderen Nationen teilnehmen, im Herbst dürfen nur diejenigen mitmachen, die in einer Deutschen Liga gemeldet sind.

Mit dem guten Abschneiden bei einer Deutschen Meisterschaft ist man aber nicht automatisch für die Europameisterschaft, der dortige Sieger nicht automatisch für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Vielmehr nehmen diejenigen daran teil, die auf der Europa- beziehungsweise Weltrangliste ganz oben stehen, weil sie viele Punkte haben. Die werden auf den verschiedensten Turnieren gesammelt. (cow)

Von Constanze Wüstefeld

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