Händel-Festspiele

Eine Oper aus der Puppenkiste - Stehende Ovationen für „Giustino“ in der Stadthalle Osterode

Bühnenbild für ein Puppentheater mit Marionetten
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Die Händel-Festspiele waren zu Gast in der Stadthalle Osterode: Eine Szene aus „Giustino“. Giustino (Mitte) wird zum Mitregenten und kann Leocaste heiraten. Eine echtes „Happy End“.

Eine Händel-Oper in der Puppenkiste – für viele Fans wohl unvorstellbar. Dass es geht, konnte man nun in der Stadthalle in Osterode auf der Bühne bewundern.

Osterode – Das Puppentheater Carlo Colla e Figli mit der „lautten compagney Berlin“ im Rahmen der Göttinger Händel-Festspiele in der Stadthalle Osterode brachte dort „Giustino“ auf die Bühne. Nach drei Stunden hielt es viele nicht auf dem Stuhl: Der Beifall gipfelte in standing ovations.

Schon in der Ouvertüre ist es so, als dränge die „Compagney“ zur Bewegung, wie Hufgetrappel klingt oft der mitziehende Rhythmus. Der Vorhang geht auf, die Story beginnt und entwickelt sich nicht ohne Haken und Ösen. Aufregend erzählt sie vom märchenhaften Aufstieg des Bauern Giustino im Byzanz des sechsten Jahrhunderts.

Auf der barock-ausgestatteten Bühne mit viel Prunk, auch mal aufgepeitschten Wellen, stehen große Marionetten im Blickpunkt. Sie schmieden Pläne, nähren Intrigen. Zentrale Figur ist der Bauer Giustino, der vom Kampf und gesellschaftlichen Aufstieg träumt. Vor der Bühne spielt das Orchester, rechts und links davon sitzen jeweils drei Sänger, die den Rollenfiguren ihre Stimme geben.

Den Bauern Giustino vertritt Lawrence Zazzo – der glasklare Countertenor leiht der Hauptfigur seine Stimme mit viel Emotion und Bewegung. In Anastasio oder auch La Fortuna schlüpft die Sopranistin Myrsini Margariti. Hanna Zumsande, ebenfalls Sopran, stattet die Figur der Arianna mit ihrer Stimme aus. Alt Julia Böhme singt Leocaste, Tenor Andreas Post gibt Vitaliano seine Stimme. Mit Amanzio, Polidarte und der Voce di Dentro (innere Stimme) hat der Bariton Florian Götz gleich drei Rollen zu bedienen und tut das wie die Vorgenannten mit Bravour.

Erstaunlich ist es, welche Verbindung sich bildet zwischen Figuren und Sängern: Die Marionetten bewegen sich wie ihre menschlichen Doppelgänger, führen ihre Hände als würden sie singen. Lawrence Zazzo schlüpft so voll und ganz in seine Rolle, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, nichts würde ihn an seinem Stehpult halten, am liebsten würde er auf die Bühne springen und seinen Giustino selbst verkörpern.

Eigens aus der Gegend um Marburg ist ein Paar aus dem Publikum angereist, um diese besondere Show zu erleben. Als Marionettentheater haben sie früher bereits die Händel-Oper „Rinaldo“ gesehen: Das Konzept sprach beide an, das wollten sie sich auch in diesem Jahr auf keinen Fall entgehen lassen. Viel Lob haben sie für die „lautten compagney“. „Sie treiben sich so richtig an“, loben sie den mitziehenden Drive in der Oper. Man spüre, dass die Spieler Spaß dabei hätten.

Dass auch die zehn Marionettenspieler Spaß an ihrer ausgetüftelten Figurenführung haben, beweisen viele kleine Details: So flattert ein Vogel umher zu den Zeilen: „Süßes Vöglein, sing dem Wind / ein Lied von Liebe und Leid.“

„Das war lustig“, sagte ein Mann beim Verlassen der Stadthallen – ein Kommentar, den man noch vor drei Stunden sicher nicht mit einer Händel-Oper verbunden hätte. (Ute Lawrenz)

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