Eltern haben nicht immer Recht

Großes Interesse: Ganze Familien kamen zum Vortrag von Prof. Barbara Veit. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Göttingen. Haben Eltern immer Recht? Diese Frage und die Antworten darauf sorgten bei der Nacht des Wissens für einen vollen Hörsaal mit Kindern und Erwachsenen.

Zähne putzen, Hausaufgaben erledigen, Fernseher ausschalten! Kinder und Eltern sind sich über Sinn und Unsinn von Ge- und Verboten oft uneinig. Doch wie beurteilen Juristen die Lage? Prof. Dr. Barbara Veit, die in an der Uni Göttingen Bürgerliches Recht lehrt, bezog Stellung.

Zwar stehen Regeln, wie die den Teller leer zu essen, nicht im Gesetz. Doch laut Bürgerlichem Gesetzbuch haben Eltern die Pflicht und das Recht für das Kind zu sorgen (§1626 BGB). „Eltern wissen, was gut für euch ist“, sagte Juristin Veit in Richtung der Kinder. „Das heißt, Eltern haben ganz schön viel zu sagen.“

Doch auch Kinder haben Rechte und die sind in der UN-Kinderrechtskonvention verankert. Danach dürfen Kinder nicht benachteiligt werden und haben Mitspracherecht bei Fragen, die sie betreffen. Kinder haben ein Recht auf altersgerechte Infos und Mediennutzung sowie den Schutz vor Gewalt. Sie dürfen nicht geschlagen, eingesperrt oder vernachlässigt zu werden. Und Kinder haben ein Recht auf Erholung. Sie müssen nicht den ganzen Tag lernen und arbeiten, sondern dürfen spielen, sich auszutoben. Aber was bedeutet dies im Alltag? Wann dürfen Eltern die Rechte der Kinder einschränken?

Wie immer bei Juristen ist die Antwort eine Frage des Einzelfalls. Beispiel: Anna (9) hat Taschengeld gespart und für 20 Euro ein Sticker-Album gekauft. Die Mutter ist dagegen und verlangt, dass das Album zurückgebracht und weiter nur Plastikpferde gesammelt werden. Mithilfe von grünen und roten Karten sollten die Kinder im Saal ihr Rechtsverständnis zum Fall zeigen und waren sich uneinig. Mit „Ja aber“ löste Veit den Fall. Laut Gesetzgeber (§110 BGB) dürfen Kinder, die älter als sieben Jahre sind, selbst etwas kaufen, aber nur mit Einverständnis der Eltern. Annas Eltern hätten das Sammeln von Plastikpferden erlaubt. Nun seien die nicht mehr aktuell, sondern Pferdesticker. „Aber es sind immer noch Pferde“, so Veit. Man könne also der Auslegung folgen, dass der Kauf noch von der Zustimmung der Eltern zur Verwendung von Taschengeld gedeckt war. Auch im Fall von Paul (15), der an der Playstation ein Spiel, das erst ab 18 Jahren freigegeben ist, spielen will, waren sich die Kinder im Publikum unsicher. Hier haben tatsächlich die Eltern das letzte Wort. Laut §12 Jugendschutzgesetz dürfen derartige Videos oder Spiele an Minderjährige nicht verkauft oder verliehen werden.

Wegen gewalttätiger Szenen und real wirkender Bilder werden sie als gefährlich eingestuft. „Doch Zuhause entscheiden die Eltern, ob ein Kind die Eindrücke verarbeiten kann“, erklärte Veit. Und so darf Paul doch spielen – mit dem Vater, der für den Abend extra Zuhause bleibt. (shx)

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