Trump und EU im Fokus

Empfang der Europa-Union in Göttingen: Rekordbesuch und warnende Worte

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Empfang der Europa-Union mit (von links) dem französischen Honorarkonsul Günter Tallner, der Vorsitzenden der Deutsch-Französischen Gesellschaft, Christa Neifeind, USA-Korrespondet Stefan Koch und dem Vorsitzenden der Europa-Union Harm Adam.

Rekordbesuch: 140 Gäste begrüßte Harm Adam im Gemeindesaal der Johanniskirchengemeinde in Göttingen beim Europa-Empfang, den die überparteiliche Europa-Union gemeinsam mit der Deutsch-Polnischen- und Deutsch-Französischen Gesellschaft zum siebten Mal veranstaltete.

Im Fokus standen Einschätzungen, wie es in diesen Zeiten mit Europa und dem transatlantischen Verhältnis angesichts eines populistischen Präsidenten in den USA weitergeht.

Nicht gut kam beim Vorsitzenden der Europa-Union und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Harm Adam, an, dass der Wählerwille bei der Europawahl bei der Besetzung des Kommissionspräsidenten nicht umgesetzt wurde, auch wenn mit Ursula von der Leyen eine Deutsche gewählt worden ist. „Wir müssen dieses Thema vernünftig aufarbeiten, damit die Wahlbeteiligung nicht sinkt.“ Darüber hinaus forderte er, dass es „keine Kompromisse bei der Rechtsstaatlichkeit“ in den Mitgliedsstaaten der EU geben dürfe.

Günter Tallner, Honorarkonsul der Vertretung Frankreichs in Hannover, sagte, Europa könne sich nur behaupten, wenn Deutschland und Frankreich an einem Strang ziehen. Ein besonders Anliegen war ihm in Angesicht der unterschiedlichen Leistungskraft der Mitgliedsländer, dass die „Wirtschaftskraft allen Bürgern zu Gute kommt“.

Günter TallnerFranzölsischer Honorarkonsul

Trotz aller Probleme wie dem Brexit, Jugendarbeitslosigkeit, Migration, Klimawandel und der Kluft zwischen Stadt und Land glaubt Tallner an die Zukunft der EU, sie müsse aber weiterentwickelt werden. Dies verkörpere Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron.

US-Korrespondent Stefan Koch kritisierte, angesichts des am 2. Augst auslaufenden INF-Vertrages zur Regulierung von atomar bestückten Mittelstreckenraketen zwischen den USA und Russland, sei in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit noch nicht klar, „in welcher veränderten Welt wir leben“. Wenn Russland Raketen auf Berlin abfeuere, gebe es keine Reaktionszeit mehr, um eine Katastrophe zu verhindern und um zu prüfen, ob es sich um einen Angriff oder um ein Versehen handele. Koch sagte, noch funktioniere die Sicherheitspartnerschaft mit den USA „ohne größere Irritationen“, die Zusammenarbeit werde aber von mehreren Seiten untergraben.

Die Wiederwahl-Chancenfür US-Präsident Donald Trump nannte Koch „durchaus gut: Ich bin erschüttert, dass sich die Republikaner komplett hinter Trump gestellt haben.“ Der unterschwellige Rassismus sei mit Händen zu greifen. Gleichwohl bescheinigte er, dass es mit einer „erwachenden Zivilgesellschaft“ eine starke Gegenbewegung zu Trump gäbe: „Viele Frauen fühlen sich von Trump persönlich beleidigt.“ Sein Appell: „Wir sollten versuchen, die Beziehungen zu den USA nicht zu schnell abschreiben.“

Als „schwere Niederlage für Europa“ bezeichnete er, dass Großbritannien unter dem neuen Premierminister Boris Johnson die EU verlassen werde.

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