Vorpremiere des JT-Stücks „Oleanna – ein Machtspiel“ in alter Augenklinik der Uni

Am Ende ist die Gewalt

Minimale Ausstattung, starkes Spiel: Henrike Richters und Jan Reinartz überzeugen in dem Stück „Oleanna – Ein Machtspiel“ des Jungen Theaters. Foto: nbh

Göttingen. Passender hätte der Aufführungsort für David Mamets Stück „Oleanna – Ein Machtspiel“ kaum gewählt werden können. In einer Vorpremiere gastierte das Junge Theater (JT) am Mittwochabend im Hörsaal AP26 der Alten Augenklinik der Universität in der Goßlerstraße 10.

Dunkelbraunes, steil ansteigendes Gestühl mit Klapppulten bilden Zuschauerraum und Kulisse gleichermaßen. Nahezu einziges Requisit neben einem Stuhl und einer seitlich stehenden Tafel ist ein ehemaliger Untersuchungstisch für Vorführzwecke, der je nach Stand der beiden Protagonisten zueinander ein Nebeneinander, Gegeneinander oder Umeinanderherumschleichen ermöglicht. Eine schlichte, aber sehr effektvolle Idee von Axel Theune, der das Bühnenbild gestaltet hat.

Es beginnt harmlos: Die Studentin Carol kommt mit der akademisch abgehobener Sprache im Seminar nicht zurecht und fürchtet durchzufallen. John, ihr Professor, bietet gönnerhaft Hilfe an. Doch diese ist aufgesetzt und eher seinem Selbstbild als liberalem Hochschullehrer geschuldet, als ehrlicher Anteilnahme. Denn seine Aufmerksamkeit ist vielmehr auf die bevorstehende Berufung zum Professor auf Lebenszeit und den geplanten Hauskauf gerichtet.

Carols Verzweiflung steigert sich zu Hysterie und Wut, Johns Hilflosigkeit mit der Situation mündet in immer hohlerem Geschwätz. Eine sprachliche Brücke scheint es zwischen den beiden nicht zu geben. Die Machtverhältnisse sind klar. Dann dreht Carol den Spieß um. Sie nutzt das universitäre Regelwerk und die Macht von Johns eigener Sprache und zeigt ihn wegen sexueller Nötigung an. Die Situation eskaliert und endet schließlich in offener Gewalt.

Deutlich ist, dass das Stück für ein amerikanisches Publikum geschrieben worden ist, wo es seit seiner Uraufführung 1992 zu starken kontroversen Diskussionen geführt hat. Zwar ist der Bezug zur staatlich verordneten „political correctness“ nicht eins zu eins auf deutsche Verhältnisse zu übertragen, Gesprächsbedarf über Machtstrukturen und die Macht der Sprache dürfte auch hier bestehen.

Viel Applaus für eine spannungsgeladene und bewegende Inszenierung (Regie Ina Annett Keppel, Dramaturgie Udo Eidinger), und die beiden eindrucksvoll und emotional sehr überzeugend spielenden Darsteller Henrike Richters und Jan Reinartz.

In Kooperation mit der Uni werden die Aufführungen vom Gleichstellungsbüro und der Abteilung für Geschlechterforschung begleitet und nach der letzten Aufführung am 17. Januar in einem Nachgespräch diskutiert.

Weitere Termine: Uni, AP26, Goßlerstraße 10: 29. November, 4., 6., 12., 18. Dezember; 8., 14. und 17. Januar. Termine im JT: 5. und 12. Dezember. Karten: 0551/495015.

Von Carmen Barann

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