Göttinger Institut für den Wissenschaftlichen Film muss Betrieb einstellen

Endgültiges Aus für IWF

Bald Geschichte: Das Institut Wissen und Medien soll Ende 2010 geschlossen werden. Noch sind rund 50 Menschen dort beschäftigt. Foto:  nh

Göttingen. Jetzt ist es endgültig: Das 1956 gegründete Göttinger Institut Wissen und Medien gGmbH (IWF) muss zum Jahresende seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Die IWF-Gesellschafterversammlung habe bei ihrer Sitzung am Montag die Auflösung der Gesellschaft zum 31. Dezember 2010 beschlossen, teilte Pressesprecherin Michaela Gräfin v. Bullion mit. Gesellschafter des Instituts sind zehn Bundesländer.

Filme von Konrad Lorenz

Derweil ist ungeklärt, wo das Filmarchiv verbleiben wird. Das IWF, das früher als Institut für den wissenschaftlichen Film firmierte, beherbergt eine der weltweit größten Sammlungen an wissenschaftlichen Filmen. Zu den besonderen Schätzen der Einrichtung gehören Filme der weltberühmten Verhaltensforscher Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt sowie Aufnahmen mit den Nobelpreisträgern Otto Hahn und Werner Heisenberg.

Nach Angaben des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums werden verschiedene Konzepte geprüft, wie die Filme zugänglich bleiben können. Die Evaluierung sei noch nicht abgeschlossen, sagte am Dienstag Sprecher Christian Stichternath. Dies liege auch daran, dass komplizierte urheberrechtliche Fragen zu klären seien.

Unklar ist auch das Schicksal der verbliebenen knapp 50 Mitarbeiter. Das Ministerium werde die Betroffenen darum bitten, dem Land ihre Personaldaten zur Verfügung zu stellen, sagte Stichternath. Damit könnte das Land nach Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen wissenschaftlichen Einrichtungen suchen. Zu den Erfolgschancen sagte er: „Wir können keine Garantien abgeben.“

Die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta warf dem Ministerium vor, sich seiner Verantwortung zu entziehen. Die Landesregierung habe zugesagt, die Bestände des Instituts zugänglich zu halten und die Medienkompetenz des IWF am Standort Göttingen zu erhalten. Tatsächlich habe sie weder für die Mitarbeiter noch für die Filme eine Perspektive entwickelt. Stattdessen werde das IWF kalt abgewickelt.

Das 1956 gegründete IWF ist seit Jahren in seiner Existenz bedroht. Mitte der 1990-er Jahre empfahl der Wissenschaftsrat, das Institut aus der Förderung durch Bund und Länder zu streichen. Das IWF legte daraufhin ein Umstrukturierungskonzept vor und bekam eine neue Chance. Obwohl Gutachter die Neuausrichtung als Mediendienstleister befürworteten, empfahl Ende 2005 der Senat der Leibniz Gemeinschaft, die Einrichtung nicht weiter zu fördern. Die Bund-Länder-Kommission schloss sich diesem Votum an.

Von Heidi Niemann

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