Simuliertes Unglück

Training für den Ernstfall: Das passiert, wenn ein ICE im Tunnel entgleist

Lippoldshausen/Göttingen. 900 Einsatzkräfte haben in der Nacht zu Sonntag die Bewältigung eines Großunglücks geprobt: Im ICE-Tunnel bei Lippoldshausen wurde ein Unfall angenommen, freiwillige „Opfer“ mussten versorgt werden.

Sonntagnacht, 1.10 Uhr: Nach mehr als 15 Monaten Vorbereitungszeit beginnt eine Großübung auf der ICE-Strecke, die Abschnittsleiter Ulrich Uhlendorff mit seinem Team ausgearbeitet hat.

Bilanz der Großübung im ICE-Tunnel

Ziel der Übung war, die Herausforderungen einer Großschadenslage in einem Eisenbahntunnel durchzuspielen. Dabei wurden die Einsatzstrategien, das Zusammenspiel der Feuerwehren Hann. Münden und Dransfeld, des DB-Rettungszuges sowie aller Übungsteilnehmer überprüft.

Die Bilanz zog Übungsleiter Ullrich Uhlendorff am frühen Sonntagmorgen: Mit großem Einsatz hätten alle Beteiligten ihre Aufgaben erfüllt und gemeinsam das Übungsziel erreicht. Alle hätten an einem Strang gezogen. „Die Mannschaften sind an ihre Leistungsgrenze gegangen.“ Es sei aber deutlich geworden, dass die enorme physische und psychische Beanspruchung der Einsatzkräfte bei solchen Großschadenslagen bedacht werden und an Ablösung gedacht werden müsse.

Im Einsatz waren 300 Feuerwehrleute, 250 Kräfte der Rettungsdienste, 50 THW-Helfer, Polizei, Bundespolizei, DB-Mitarbeiter – auch des Rettungszuges – und 160 freiwillige Verletztendarsteller. (tko)

Die mehr als 160 Veletztendarsteller werden bereits am Samstag ab 18 Uhr in der Berufsbildenden Schule II in Göttingen von einer Notfalldarstellungs-Gruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) realitätsnah als Unfallopfer geschminkt.

So auch Stefan Papke aus Northeim, den es besonders schlimm erwischt hat. Der linke Oberschenkel ist gebrochen, der Unterschenkel hat sogar eine offene Fraktur. Stefanie Jäckel vom DRK gibt dem „Verletzten“ letzte Anweisungen. „Nach dem ICE-Unfall kannst Du nicht mehr laufen und frierst.“

Weitere Verletzungsmuster sind Schnittwunden, Platzwunden, gebrochene Arme und Beine, Rippenprellungen und sogar schwere Kopfverletzungen, Verbrennungen und Elektroverletzungen.

Um 0.55 Uhr geht es los: Alle Verletztendarsteller und weitere 120 „Selbstretter“, die den ICE-Unfall später unverletzt überstehen, fahren mit dem ICE 13981 nach Jühnde. Sogar die Anzeigetafel im Göttinger Bahnhof nennt diesen Sonderzug mit Ziel Jühnde. Um 1.10 Uhr „entgleist“ mitten im 5120 Meter langen Rauhebergtunnel bei Bahnkilometer 117 der Hochgeschwindigkeitszug.

Während sofort Feuerwehren aus den Gemeinden Dransfeld und Hann. Münden sowie sämtliche Hilfsorganisationen alarmiert werden, verlassen die unverletzten Bahnreisenden den Tunnel in Richtung Südportal. Auch die beiden Rettungszüge der Deutschen Bahn aus Hildesheim und Kassel werden an die Unfallstelle gerufen.

Doch die Einsatzkräfte, die nach und nach an den beiden Rettungsplätzen am Nord- und Südportal eintreffen, können die Bahngleise erst betreten, wenn die Oberleitungen durch den Notfallmanager der Deutschen Bahn geerdet sind und die Strecke gesperrt ist. Das ist gegen 2 Uhr der Fall.

Mit dem Rettungszug werden um 3.15 Uhr, zwei Stunden nach dem „Unfall“, die ersten Verletzten nach draußen transportiert. Derweil stehen dutzende Rettungswagen, Notärzte und Rettungsdienstpersonal bereit. Erst nachdem alle „Verletzten“ gesichtet und gerettet wurden, kann die Übung um 5 Uhr beendet werden. Bereits um 7 Uhr morgens muss die Strecke wieder für den normalen Bahnverkehr frei sein. Die Güterzüge, die sonst nachts fahren, werden für eine Nacht umgeleitet.

Aktualisiert um 13:50 Uhr 

„Die letzte Übung dieser Größenordnung im Landkreis Göttingen hatten wir vor 13 Jahren“, sagt der Göttinger Landrat Bernhard Reuter, der die Übung ebenfalls beobachtete. Reuter hofft, „dass solch ein Szenario nie Realität wird“. Außerdem bedankte sich der Landrat bei allen Helfern, besonders den vielen Ehrenamtlichen.

Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel

Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
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Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
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Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
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Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
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Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
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Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
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Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel © HNA/Rampfel
Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel
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Training für den Ernstfall: Ein ICE entgleist im Tunnel. © Privat
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Von Stefan Rampfel

Rubriklistenbild: © Rampfel

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