Erfolgreiches Projekt: Luchse leben an der Weser

Luchse leben an der Weser

Göttingen/Harz. Der Luchs hat auch an der Weser neue Lebensräume erobert. Die Auswilderung der Tiere im Harz wird von Experten deshalb als gelungen bewertet.

„Das sind erste Hinweise, dass die Wiederansiedlung nachhaltigen Erfolg hat“, sagt Ole Anders, der Leiter des Luchsprojektes im Harz, der die Tiere seit Beginn des Projektes im Jahr 2000 beobachtet. Einige Luchse haben es geschafft, außerhalb des Harzes Lebensräume zu erobern und sich bis zur Weser auszubreiten. Und es zeichnet sich ab, dass die Luchse auch die westlichen Mittelgebirge Niedersachsens erobern. Schon seit einigen Jahren hatte es Hinweise gegeben, dass Luchse bis in den Solling gewandert sind.

„Die Anzahl der Beobachtungen ist in der vergangenen Saison deutlich gestiegen“, sagt Anders. Die Luchse, die sich in den Solling aufmachten, mussten alle die A 7 überqueren. Ein Tier hat kürzlich sogar zweimal die A 7 passiert. Dies konnten die Forscher anhand von GPS-Signalen feststellen. Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung hatten den Luchs „M 6“ in diesem Frühjahr in einer Kastenfalle in der Nähe von Bühren (Kreis Göttingen) im Bramwald gefangen. Der männliche Luchs wurde betäubt und mit einem Senderhalsband ausgestattet, das seitdem regelmäßig Daten über seinen Aufenthaltsort liefert.

„M 6“ erwies sich als umtriebig: „Er ist in wenigen Tagen aus dem Solling bis in die Region Kassel gewandert.“ 2013 fanden sich auch Hinweise darauf, dass die Pinselohren bis in den Landkreis Hildesheim vorgestoßen sind und mindestens zwei erwachsene Tiere die Mittelgebirge Ith und Hils durchstreifen. Weitere Luchs-Beobachtungen habe es in der Gegend um Capellenhagen und Scharfoldendorf (Kreis Holzminden) gegeben. Vor 13 Jahren war das Luchsprojekt umstritten: Kritiker warnten vor einem Scheitern, weil der Harz als Lebensraum zu klein sei und die nächsten größeren Waldgebiete zu weit entfernt seien.

Die Luchse haben diese Schwierigkeiten gelöst: Trotz gefährlicher Hindernisse wie Schnellstraßen und Autobahnen ist es ihnen gelungen, sich in der halboffenen Kulturlandschaft zwischen Harz und Weser auszubreiten. Andernorts sieht es für die Luchse schlechter aus: In Mittel- und Westeuropa wachsen die Populationen meist nicht an, manche sind gar rückläufig. „Wir müssen die Luchse deshalb im Blick behalten und die Entwicklung gemeinsam mit den zuständigen Förstern und Jägern vor Ort begleiten und dokumentieren“, sagt der Luchsbeauftragte.

Auch im Harz scheinen sich die Luchse wohl zu fühlen. Drei der dort lebenden Tiere tragen einen Sender. so dass die Forscher deren Streifzüge verfolgen können. Doch auch wenn sich ein Tier mal eher wenig bewegt, kann dies ein wichtiges Signal sein. So verhielt sich in diesem Jahr eine Luchsin, die sich um den Brocken aufhält, plötzlich auffallend ruhig. „Sie hat dort Nachwuchs bekommen.“ (pid)

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