Drei Frauen tot - Auch Patientinnen mit Ehec-Bakterium in Göttingen infiziert

Ehec breitet sich weiter aus: Auch Patienten in Göttingen betroffen.

Göttingen. Die Infektionswelle mit dem gefährlichen Ehec-Bakterium hat zu ersten Todesfällen geführt: Im Landkreis Diepholz in Niedersachsen ist eine 83 Jahre alte Frau an einer Ehec-Infektion gestorben. In Schleswig-Holstein starb eine 80 Jahre alte Frau, in Bremen eine 24-Jährige.

Bei der 83-Jährigen wurde die Infektion zweifelsfrei nachgewiesen. In den anderen beiden Fällen laufen noch Labortests.

In Niedersachsen wurden bis Dienstag zwölf Ehec-Patienten mit schweren Komplikationen auf Intensivstationen behandelt, davon drei in Kliniken in Göttingen. Im Uni-Klinikum lagen eine 40 Jahre alte Frau aus Paderborn und eine 26 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Göttingen auf der Intensivstation. Nähere Angaben zum Heimatort der 26-Jährigen machte das Klinikum nicht. Der Zustand beider Patientinnen sei kritisch, aber nicht lebensbedrohlich.

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In das Göttinger Krankenhaus Neu Mariahilf wurde eine 90 Jahre alte Frau aus Göttingen mit Ehec-Symptomen eingeliefert. Das Gesundheitsamt ermittele, wo sich die beiden aus Göttingen stammenden Patientinnen angesteckt haben, sagte ein Sprecher.

Insgesamt gab es laut Gesundheitsministerien der Länder bis Dienstag in Niedersachsen 96 Verdachtsfälle auf die blutige Durchfallerkrankung, in Hessen 26. Dort wurden die Fälle aus dem Kreis Groß-Gerau, aus Frankfurt, Darmstadt, Gießen, Offenbach und dem Wetteraukreis gemeldet.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

Bundesweit waren bis Dienstag rund 350 Verdachtsfälle bekannt, wobei sich die Infektionen vor allem auf Norddeutschland konzentrieren. Die Infektionsquelle konnte noch nicht ermittelt werden. Die Ausbreitung sei alarmierend, weil die Erkrankung auffällig häufig einen schweren Verlauf mit Nierenversagen nehme, hieß es im Gesundheitsministerium in Hannover. Auffällig sei auch, dass überwiegend Erwachsene betroffen seien. (coe)

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