Ex-Göttinger Goldt und der feine Humor

Max Goldt: Schade um die schöne Verschwendung beim Literaturherbst im Alten Rathaus. Foto: Gewert

Göttingen. Auf seiner Lesereise „Schade um die schöne Verschwendung“ macht der gebürtige Göttinger Max Goldt beim Literaturherbst einen Abstecher in seine alte Heimatstadt. Die Lesung wurde kurzfristig von der Aula Wilhelmsplatz ins Alte Rathaus verlegt.

Gespannt warten dort die Gäste auf den Auftritt. Fast scheint es, als lässt er sich Zeit. Die lässt er sich dann wirklich: Zweieinhalb Stunden, Pause mit eingerechnet, liest Goldt vor. Kaum etwas bleibt unverschont, und ungeschönt sind sein Scharfsinn und Wortwitz.

Mit sprachlicher Raffinesse springt Max Goldt von der „Weltanschauung in der Seilbahn“ über den „Kaltduscher“ zur Hotelbewertung: „Ihr Leitungswasser ist nicht kalt genug.“

Außerdem erleben die vielen Zuhörer einen preußischen Nachmittag: „Was da auf dem Seniorensessel vor mir saß, war das alte Preußen.“ Goldt spielt mit der Sprache und Grammatik. So verwundert es nicht, wenn „der Mann“ im Tode sein Geschlecht wechselt und „die Leiche“ wird. Eine auffällige Paradoxie.

Tonal, dynamisch und mimisch versteht er es, Sprache im Detail aufs Korn zu nehmen. So bringt er die Zuhörer zum Lachen. Scheinbar mit einfachen Mitteln. Grotesk und einfallsreich ist sein Humor. Das kommt an. Das Lachen kündet davon.

Max Goldt liest über der „Wiege der Monotonie“ und spricht doch alles andere als monoton. Zwischendurch stimmt er auch ein Liedchen an, würde die ältere Dame Preußens ihn nicht reglementieren: „Wenn Sie etwas singen wollen, dürfen Sie keine Silben verschlucken“. Sein Gesang klingt anders als die afrikanische Trommelmusik der Dame, was an das „Geisterbeschwörungsritual“ erinnert.

In der Lesung bietet Goldt einen Querschnitt seiner Karriere: Er schrieb unter anderem für das Satire-Magazin Titanic. Zwischen 1998 und 2012 erschienen vier Broschurhefte in limitierter Auflage mit gesammelten Texten von ihm. Die Hefte sind vergriffen. Die Publikation „Chefinnen in bodenlangen Röcken“ ist 2014 im Rowohlt-Verlag erschienen und gibt die Texte originalgetreu wider.

Auch seine Texte „Die Chefin verzichtet“ und anderen Sammlungen kamen nicht zu kurz. Der Wahlberliner Max Goldt erntete am Ende viel Applaus.

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