Höhere Strafe für kleineres Licht?

Falsche Polizisten: Verteidigerin legt Berufung gegen Duderstädter Urteil ein

Der spektakuläre Betrugsfall aus Duderstadt, bei dem eine bundesweit agierende Bande mit dem "Falsche-Polizisten-Trick" eine Seniorin um 290.000 Euro geschädigt hatte, geht in die nächste Instanz. 

Die Verteidigerin eines 27-jährigen Mannes aus Rheine (Westfalen) hat gegen das Urteil des Amtsgerichts Duderstadt Berufung eingelegt. Der 27-Jährige war wegen gewerbsmäßigen bandenmäßigen Betruges in zwei Fällen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte gestanden, für die Hintermänner der Bande als Geldabholer fungiert zu haben. Verteidigerin Anett Raumschüssel hält die Strafe für zu hoch: „Es kann nicht sein, dass der kleine Läufer härter bestraft wird als die Koordinatoren.“

Einer der mutmaßlichen Hintermänner der Bande musste sich in dieser Woche vor dem Amtsgericht Kronach verantworten. Er war im vergangenen Juni gemeinsam mit dem 27-Jährigen und einem weiteren Mitangeklagten bei einer fingierten Geldübergabe in Coburg festgenommen worden.

Während einer der drei Männer als Fahrer eingesetzt war, sollte der 27-Jährige „Läufer“ an der Haustür klingeln und das Geld abholen. Seinen Angaben zufolge war der dritte Festgenommene eine Art Verbindungsmann der Bande und dementsprechend höher in der Hierarchie angesiedelt. Er habe die Anweisungen gegeben, die Fahrt organisiert und telefonischen Kontakt zu den Drahtziehern in der Türkei gehalten.

Rund ein halbes Jahr nach der gescheiterten Geldübergabe und Festnahme in Coburg verurteilte das Amtsgericht Kronach den mutmaßlichen Koordinator wegen versuchten gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Gegen ihn seien noch weitere Verfahren bei anderen Gerichten anhängig, sagte ein Gerichtssprecher.

Der mitangeklagte Fahrer habe eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten erhalten. Zuvor habe es eine Verständigung der Verfahrensbeteiligten gegeben.

Der 27-jährige „Läufer“ hatte ausgesagt, dass er dem jetzt verurteilten Hauptangeklagten auch 200 000 Euro übergeben habe, die er bei der Seniorin in Duderstadt abgeholt hatte. Er selbst habe dafür nur „260 Euro und was zu kiffen“ bekommen. Der 27-Jährige, der den riskantesten Job gemacht hatte, bekam keine Bewährung, sondern eine mehrjährige Haftstrafe. Mit der Berufung wird sich das Landgericht Göttingen beschäftigen.

Die immer gleiche Masche

Ähnlich wie bei dem Betrugsfall in Duderstadt hatten auch in Coburg psychologisch gut geschulte Mitglieder der Betrugsbande, die vermutlich von Callcentern in der Türkei aus agieren, eine ältere Dame angerufen und sich als Polizisten ausgegeben. Sie berichteten der Seniorin von angeblichen Überfällen einer rumänischen Bande und streng geheimen Ermittlungen einer Sonderkommission, fragten sie nach ihren Vermögensverhältnissen aus und redeten ihr ein, dass sie ihr Geld in Sicherheit bringen müsse. Da ein Mitarbeiter ihrer Bank mit der Bande kooperiere, sollte sie ihr Konto leerräumen und ihr Guthaben von 28 000 Euro mit nach Hause nehmen. Ein Kollege der Polizei werde das Geld abholen und an einem sicheren Ort verwahren. Die Dame folgte den Anweisungen, allerdings nur zum Schein. Beim vereinbarten Geldübergabetermin nahmen die längst eingeschalteten Fahnder das Trio fest.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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