Gutachter: Angeklagter Familienvater litt an einer depressiven Störung

Familiendrama war Folge eines erweiterten Suizids

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Unglücksort: In Wieda im Landkreis Osterode ereignete sich im September 2013 das Familiendrama – zwei Kinder starben. Der Prozess gegen den verdächtigen Vater läuft in Göttingen. Foto: dpa

Göttingen. Die Explosion eines Wohnhauses in Wieda (Kreis Osterode), der im September 2013 zwei sechs und drei Jahre alte Kinder zum Opfer fielen, war vermutlich ein erweiterter Suizid. Dies ist das Ergebnis des psychiatrischen Gutachtens, das der Sachverständige Dr. Georg Stolpmann am Mittwoch im Prozess vor dem Landgericht Göttingen vorstellte.

Der 42-jährige Vater der getöteten Kinder, der sich seit Anfang März wegen Mordes und Brandstiftung mit Todesfolge verantworten muss, habe sich selbst töten wollen, sagte Stolpmann. Bei seinem Suizidversuch habe er alles auslöschen wollen, was für ihn einen zentralen Stellenwert gehabt habe.

Nach Einschätzung des Gutachters litt der Angeklagte zur Tatzeit unter einer mittelgradigen depressiven Episode. Aufgrund seiner krankhaften seelischen Störung, die sich auch in aggressiven Impulsen äußerte, sei er in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt gewesen. Auslöser für seinen Suizidversuch, bei dem er auch seine beiden Kinder tötete, sei die drohende Trennung von seiner Ehefrau gewesen. Der 42-Jährige habe den Verlust der Familie als Verlust seiner Persönlichkeit empfunden. Seine zentrale Motivation sei die Auslöschung des eigenen „Ich“ gewesen, dazu gehörten auch die Vernichtung des Hauses und die Tötung der Kinder.

Laut Anklage soll der 42-Jährige seinem sechsjährigen Sohn mit einem scharfen Gegenstand in den Hals geschnitten und danach an mehreren Stellen im Haus Benzin angezündet haben. Die dreijährige Tochter starb in ihrem Kinderzimmer an einer Rauchvergiftung.

Ihren Bruder konnten Feuerwehrleute zwar noch lebend bergen, er starb einige Tage später im Krankenhaus. Der 42-Jährige selbst war aus dem Fenster gesprungen und hatte überlebt. (pid)

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