Händel-Festspiele

Familienfassung der Oper „Rodelinda“: Händel-Zauber mit Grusel-Effekt in Göttinger Lokhalle

Die Schauspieler Anna Dennis und Kalle Gellert sitzen auf der Bühne und spielen eine Szene. Im Hintergrund spielt ein Orchester
+
Eine Szene aus der Familienfassung, die nun in der Göttinger Lokhalle gespielt wurde: Rodelinda (Anna Dennis) und Flavio (Kalle Gellert) mit der Urne von Bertarido.

Die Händel-Oper „Rodelinda“ in weniger als anderthalb Stunden – die Familienfassung bei den Händel-Festspielen machte es möglich.

Göttingen – Juri Tetzlaff, bekannt aus dem Moderatorenteam des Kindersenders KIKA, moderierte die Show und erntete mit Sängern und Orchester, in einer viel zu leeren Lokhalle, Standing Ovations.

„Wir sind spontan aus Kassel losgerast“, erzählte Erika Mohs mit ihren 80 Jahren. Ihre um ein Jahr jüngere Freundin habe sie um 12.30 Uhr angerufen und ihr das Event vorgeschlagen. Beide wollten so gern etwas von den Händel-Festspielen in Göttingen miterleben, die Nachmittags-Vorstellung war ihnen sehr willkommen.

Gern hören sie Juri Tetzlaffs „Hallo“ und seinen kurzen Ausflug in die Opern-Geschichte. Genau vor 101 Jahr habe der „Händel-Zauber“ in Göttingen begonnen. Damals sei die Oper „Rodelinda“, 1725 uraufgeführt, zum ersten Mal in Göttingen auf die Bühne gekommen.

Und Tetzlaff machte es weiter spannend. Gemeinsam mit den Stars aus der Oper fasste er den Inhalt mit ausgewählten dramatischen Highlights zusammen. „Sieht das für Euch nach einer freundlichen Ankunft im Palast aus?“, fragte er nach der Szene, in der Grimoaldo (Thomas Cooley) und Garibaldo (Julien Van Mellaerts) die Herrschaft im Palast übernehmen. „Das hat doch was von einem Gruselfilm“, erklärte er, als der totgeglaubte frühere König Bertarido (Christopher Lowrey) unerwartet in sein Schloss zurückkehrt.

Mit seinen Fragen brachte Tetzlaff das Publikum zum Sprechen und Abstimmen, ließ sie den Fortgang der Handlung erraten und erklärte manchen Grundbegriff der Oper. Mit dem Satz „Ich liebe meinen Hund“ demonstrierte der Dirigent des Göttinger FestspielOrchesters, Laurence Cummings, wie ein Rezitativ und wie eine Arie sich anhört.

Mit Owen Willetts als Unulfo erklärte der Moderator außerdem, wie der als Countertenor in der Lage ist, so hoch wie eine Frau zu singen. Willetts erläuterte die Falsett-Technik auf Englisch, Tetzlaff übertrug es für das Publikum ins Deutsche.

Gut gelang ihm auch der Bogen zum Happy End dank Bertaridos Schwester Eduige (Franziska Gottwald). Ganze Familien, Eltern mit ihren teils sehr jungen Kindern, konnten so die Handlung verfolgen und hochkarätigen Gesang genießen. Zum Schluss gab es Bravos und standing ovations.

So waren mit Erika Mohs und ihrer Freundin nicht nur zwei ältere Damen begeistert. Auch den beiden achtjährigen Jungen aus Göttingen, Filimon und Arthur, hatte die Vorstellung gefallen. „Ein bisschen blöd“ fand Filimon „den fiesen Garibaldo“. Besonders mochten die beiden die Süßigkeiten-Tütchen, die auf jedem Platz bereitgelegt waren.

Rodelindas Sohn Flavio wird übrigens von Kalle Gellert, einem Jungen aus Göttingen, gespielt. Nein, er müsse in der Oper nicht singen, erklärte der froh auf die Frage Tetzlaffs. (Ute Lawrenz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.