"Farouks Cousin" in Göttingen: Verfolgung und Flucht auf der Bühne

Premiere in Göttingen: Bei „Farouks Cousin“ spielt der 26-jährige Fabio Rocchio die Hauptrolle. Foto: Ulla Lüthje/nh

Göttingen. Unterdrückung, Verfolgung, Krieg, Tod, Flucht und der Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen – das sind die Themen des Ein-Personen-Stücks „Farouks Cousin“ von Thea Brende. Das neueste Projekt der Theaterwerkstatt Göttingen feierte jetzt im Kino Lumière mit viel Beifall seine Premiere.

Der 26-jährige Darsteller Fabio Rocchio meisterte die Uraufführung unter der Regie von Dorothea Derben in der Rolle des Farouks eine Herkules-Aufgabe. Allein durch sein Spiel und seine Worte ließ er eine Welt plastisch werden, von der der normale Fernsehzuschauer und Internetnutzer zwar durch die vielen Bilder und Filme eine Vorstellung hat, die jedoch die ungeheure psychische und physische Belastung der von Krieg und Flucht traumatisierten Menschen in Syrien, Irak und anderen Kriegsländern nur unzureichend wiederspiegeln.

Die Geschichte ist dabei einfach und doch wirkungsvoll gestrickt: Farouks Alltag verändert sich schlagartig, als seine Familie den vor dem Bürgerkrieg geflohenen Cousin Nabil bei sich aufnimmt. Als Farouk vor seine Klasse in Referat über die ehemalige DDR hält, tauchen in seiner Präsentation plötzlich Bilder vom Krieg in Syrien auf, die sein Cousin dort hineingeschmuggelt hat.

Die Versuche, über diese Fotos hinweg zu gehen, scheitern. Farouk bricht schließlich seinen Vortrag ab und beginnt mit der Schilderung von Nabils Flucht und seiner Sorge um Eltern und Schwester zu reden, die auf dem Weg nach Deutschland unterwegs zurückbleiben mussten. Eingebettet darin sind Schwierigkeiten, wenn sich zwei Menschen mit einer unterschiedlichen kulturellen Prägung im täglichen Leben arrangieren müssen.

Junge Zielgruppe

Zielgruppe des Stücks sind Jugendliche im Alter von 14 Jahren an und Erwachsene. Die Geschichte ist zwar frei erfunden, sie basiert jedoch auf realen Erlebnissen von Flüchtlingen: Beispielsweise wenn 100 Menschen stehend und nahezu ohne Luft in einem Lkw zusammengepfercht von Schleppern durch Europa gekarrt werden, ohne dass die Menschen wissen, wo sie gerade sind. Allein getrieben von der Hoffnung, ein Leben in Sicherheit und Freiheit führen zu können. Oder wenn es um den Umgang zwischen jungen Frauen und Männern geht. Hier eine große Offenheit und in der Heimat der Flüchtlinge ein Verhalten, das vor der Ehe von größter Zurückhaltung zwischen beiden Geschlechtern geprägt ist.

Weitere Vorstellungen beginnen am Sonntag, 3. April, um 15 Uhr, und am Mittwoch, 6. April, um 11 Uhr jeweils im Kino Lumière, Geismar Landstraße 19. Außerdem sind bereits mehrere Auftritte in Schulen fest eingeplant.

Kontakt: Theaterwerkstatt Göttingen, Tel. 05 51/7 70 37 85.

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