Deutsches Theater bekommt neue Probebühne und spielt Klassiker in Industriehalle

Hand drauf! Besiegeln die neue Probebühne: von links Rainer Hald (Sparkassen Vorstandschef), Ursula Haufe (Geschäftsführerin GWG), Bettina Reinhart (DT-Geschäftsführerin), Mark Zurmühle (DT-Intendant) und Lutz Keßler (DT-Chefdramaturg). Foto: Kopietz

Göttingen. Das Deutsche Theater (DT) bekommt eine neue Probebühne im ehemaligen alten Güterbahnhof. Das allein ist keine spektakuläre Nachricht.

Aber: Das DT wird die Spielsaison 2013/14 in dem Komplex in der Güterbahnhofstraße, um den es viele Diskussionen gab, mit einem Paukenschlag in den alten Hallen eröffnen: Gespielt wird Goethes Faust I und II an einem Abend in einer Neu-Fassung von Mark Zurmühle.

Genutzt werden soll bei der Premiere am 28. September aber nicht nur der 400 Quadratmeter große Saal der Probebühne, sondern auch der Keller und eventuell das Lager in dem u-förmigen Komplex, der nach Norden von einem viergeschossigen Bürogebäude überragt wird.

In einem anderem Gebäudeteil wird das DT ein neues, 700 Quadratmeter großes Lager beziehen. Der gegenwärtigen Speicher auf dem Musa-Gelände am Hagenweg wird geräumt, ebenso die Probebühne in einem Telekom-Gebäude in der Rudolf-Diesel-Straße, sagte Intendant Mark Zurmühle, der sich freut, nun noch bessere Lagerflächen und vor allem eine tolle Probebühne zu bekommen, die in Breite, Höhe und Länge der Spielstätte im DT entspricht. „Das erleichtert vieles beim Proben, auch bei der Logistik.“

Für die Einrichtung mit 200 Stühlen und Beleuchtung hilft die Sparkasse mit einer Anschubfinanzierung. Der Vertragsabschluss inklusive der Mietkonditionen zwischen Eigentümer GWG und Mieter DT stehe kurz bevor, sagte DT-Geschäftsführerin Bettina Reinhart bei der Vorstellung des Projekts, das Zurmühle als „Glücksfall“ bezeichnet.

GWG-Geschäftsführerin Ursula Haufe sieht es ähnlich. Für sie ist es wichtig, mit der Nutzung durch das DT auch „Ruhe in das Projekt Alter Güterbahnhof“ zu bringen. Das war von ihrem Vorgänger Klaus Hoffmann als Komplex mit kultureller Nutzung ins Gespräch gebracht und heiß diskutiert worden. Erste Entwürfe des Architekten Sergio Pascolo (Venedig) sahen ein Gebäude vor, das mehr Energie über Solar-Flächen erzeugt, als es benötigt. Die Nutzung durch Kulturschaffende war in dem von Hoffmann vorgelegten Plan „Kulturwirtschaftszentrum“ Programm.

Nun legte Haufe überraschend eine neue, schlichtere Planung des Berliner Büros MARS vor. Es stelle aber keinen Gegensatz zum Hoffmann-Konzept dar, sagte sie auf HNA-Anfrage. Für sie gehe es jetzt nicht um die Gebäude und Vergleiche, sondern um die Tatsache, „dass das DT eine Probebühne bekommt und hier den Faust spielen wird“. Darauf und auf die Proben freuen sich Chef-Dramaturg Lutz Keßler und Mark Zurmühle schon jetzt: „Das wird ein erotisches Erlebnis, in diesen Räumen Theater zu machen“, sagt Zurmühle.

Die Diskussion um die Nutzung und Gestaltung der anderen Gebäude wird weitergehen.

Von Thomas Kopietz

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